Hofeinfahrt zum Aquariana Empfangsbereich
Praxis- und Seminarzentrum

Aus unseren Praxen

Aquariana-KollegInnen und GastautorInnen schreiben über ihre Arbeit

Inhaltsverzeichnis

Artikel im aktuellen 66. Newsletter April/Mai 2016: Körperfragen
Rückenbeschwerden und vom Rücken ausgehende Probleme ... – Ralf Welti
Resonanzräume – Körper und Kontakt – Tamao Stern

 

Archiv

zum Seitenanfang

 


ralf welti

Rückenbeschwerden und vom Rücken ausgehende Probleme in den Bereichen Schulter-Nacken-Kopf und der Beine

Blockierungen der kleinen Wirbelsäulengelenke am Übergang zu Kopf und Becken aus Sicht der PostFascialTechnik (PFT)®

Ralf Welti

In meiner täglichen Praxis, sowohl als Physiotherapeut als auch als Heilpraktiker, gehören Blockierungen der kleinen Wirbelsäulengelenke zu den häufiger vorkommenden Störungen. Beschwerden können am gesamten Rumpf, aber auch im Bereich von Kopf, Armen und Beinen auftreten.
Früher verstand man in der manuellen Medizin unter dem Begriff der Blockierung eines Gelenkes eine Art „verkantete Schublade“. Heute gehen wir von einer reflektorischen Ruhigstellung des Gelenkes durch den Körper aus, um das betroffene Gelenk bei Störungen „auszuschalten“ und damit den Bereich vor Schädigungen zu schützen. Normalerweise ist dann die Muskelspannung der das Gelenk umgebenden Muskulatur deutlich erhöht oder aber auch stark vermindert. Blockierungen sind auf dem Röntgenbild nicht zu erkennen und können auch neben anderen Problemen, wie zum Beispiel einem Bandscheibenvorfall vorkommen.

Auffallend ist, dass ich oft bei meinen Patienten eine bestimmte Konstellation antreffe. Ein fasziales Stressmuster aus der PostFascialTechnik (PFT)® und Blockierungen an den Übergängen der Wirbelsäule zum Becken oder zum Kopf hin treten gemeinsam auf.

Blockierungen am Übergang Lendenwirbelsäule-Becken

Schweres Heben und Tragen, langes Sitzen oder Stehen, das kennen viele, oft mit einseitiger Belastung oder in verkrampfter Position, begünstigen oder verstärken vorhandene Blockierungen am Übergang von der Lendenwirbelsäule zum Becken. Auch plötzliche Bewegungen, ein Hohlkreuz und viele weitere Ursachen können dort eine Blockierung unterstützen. Meistens sind dann auch die Kreuzbein-Darmbein-Gelenke am Beckenring mitbetroffen. Beschwerden, über die Patienten dann berichten, einzeln oder auch mehrere nebeneinander sind beispielsweise:

- Kreuzschmerzen
- Schmerzen im Gesäßbereich
- Ausstrahlende Beschwerden in die Beine
- Kniebeschwerden
- Achillessehnenbeschwerden
- Durchbrechgefühl im unteren Rücken
- Sich morgens nach dem Aufstehen im Kreuz nicht aufrichten können
- Schmerzen oder humpeln beim Gehen
- Beschwerden im Unterleib, wie Darmträgheit

Blockierungen am Übergang Halswirbelsäule-Kopf

Sie sitzen auch längere Zeit in ungünstiger Haltung am Computer? Verspannungen im Halsbereich und ein nach vorne geschobenen Kopf begünstigen oder verstärken vorhandene Blockierungen am Übergang von der Halswirbelsäule zum Kopf. Verschleißerscheinungen an der Halswirbelsäule und viele weitere Faktoren fördern hier Blockierungen. Alleinige oder in Kombination auftretende Probleme, über die Patienten dann berichten, sind beispielsweise:

- Nacken- und Schulterschmerzen
- Probleme bei Bewegungen von Hals und Kopf
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Höhrstörungen und Ohrgeräusche
- Probleme mit den Augen
- Kieferprobleme

Meine Patienten berichten ferner davon, dass sich die Probleme oben und unten abwechseln können. Beispielsweise treten für einige Zeit Schmerzen beim Kopfdrehen auf, und die Lendenwirbelsäule ist beschwerdefrei, dann schmerzt das Kreuz, und der Hals lässt sich problemlos drehen.
Blockierungen der kleinen Wirbelsäulengelenke können demnach viele unterschiedliche, unspezifische, auch wechselnde Beschwerden auslösen. Blockierungen können sich aber auch nur durch eine eingeschränkte Beweglichkeit zeigen.

Spannungsmuster in den Faszien

Jetzt noch einige Worte zu den Faszien. Faszien sind kollagene Eiweißfasern, ein bei uns und auch bei allen Tieren vorkommendes Strukturprotein. Faszien bilden durch den ganzen Körper hindurch ein dreidimensionales Spannungsnetzwerk. Faszien umhüllen und trennen jede einzelne Struktur im Körper. Faszien verbinden alles miteinander im Körper. Würde vom Körper alles entfernt werden, außer seine Faszien, so entstünde eine Blaupause, eine Vorlage für den gesamten Körper. Alle Teile des Körpers wären in ihrer äußeren Form und inneren Strukturierung erkennbar.
Eine besondere Faszienstruktur ist die Gehirn-Rückenmarkshaut, die Dura Mater oder, auf
Deutsch, harte Gehirnhaut. Die Dura umgibt das Gehirn und das Rückenmark. Das Besondere an
ihr ist, dass sie im Wirbelkanal im Inneren der Wirbelsäule nicht festgewachsen ist, weil wir uns
sonst nicht bewegen könnten. Wenn wir uns zum Beispiel nach vorne unten beugen, dann
rutscht das gesamte Rückenmark etwas nach oben, und dies wäre nicht möglich, wenn die Dura
im Rückenmarkskanal festgewachsen wäre.
Über die Dura können nun Spannungen direkt vom Beckenbereich in den Kopfbereich
übertragen werden und umgekehrt.
Auf der Höhe jedes Wirbels befinden sich links und rechts
Nervenabgänge mit Faszienhüllen, die die Spannungen in den gesamten Körper hinein tragen
können.
Faszien reagieren über das vegetative Nervensystem auf Stress. Meinem Verständnis nach entwickeln sich im Laufe des Lebens bei länger anhaltendem, starken Stress letztendlich in der Dura und den umgebenden Faszien abnormale Spannungen. Es entstehen, je nach Stress, typische Spannungsverteilungen, verschiedene dauerhafte fasziale Spannungsmuster. Der Stress wird auf die fasziale Ebene verschoben und dadurch fixiert. Der ganze Körper muss sich dann an diese Muster anpassen.
In der PostFaszialTechnik (PFT)® werden 5 solcher Spannungsmuster unterschieden. In unserem Zusammenhang hier steht das sogenannte Spannungsmuster IV im Vordergrund, bei dem sich die Spannungen am 2. Halswirbel konzentrieren. Die Übergänge der Wirbelsäule zu Kopf und Becken sind die Bereiche, in denen die Dura dann wieder am Knochen festgewachsen ist.

Deblockierung

Nach den Konzepten der PostFascialTechnik (PFT)® können einerseits Blockierungen den Ausgleich von faszialen Spannungen verhindern und andererseits fasziale Spannungen Blockierungen aufrecht halten. Es kann eine Art Teufelskreislauf bestehen. Deshalb müssen sowohl abnormale Spannungen in den Faszien als auch Blockierungen gelöst werden.

Das fasziale Spannungsmuster IV gehe ich zum Beispiel über spezielle Reflexpunkte am 2. Halswirbel an, wobei ich diese Punkte mit einem Daumendruck von ca. 5 g halte. Sie liegen dabei mit gerader Wirbelsäule bekleidet auf dem Bauch. Reicht dies nicht aus, verwende ich klassische fasziale Techniken aus der Osteopathie im Schulter-Nacken-Bereich. Ich lege zum Beispiel eine Hand sanft auf dem Hinterkopf und die andere Hand behutsam auf den Rücken und folge nur den Bewegungen des Gewebes, wenn sich die Spannungen in den Faszien zu lösen beginnen.

An der eigentlichen Blockierung arbeite ich dann am Übergang Wirbelsäule-Becken zum Beispiel mit dem sogenannten Kreuzgriff aus der manuellen Therapie. Sie befinden sich immer noch in Bauchlage. Meine beiden Hände liegen über kreuz am Becken und auf der Lendenwirbelsäule, mit dem Ziel diesen Bereich vorsichtig auseinander zu schieben und dadurch die Blockierung zu lösen. Die faszialen Techniken und der Kreuzgriff erfolgen meist im mehrmaligen Wechsel, dies kann auch über mehrere Sitzungen hinweg stattfinden. Blockierungen können sich sehr beharrlich der Therapie widersetzen, besonders wenn sie schon längere Zeit bestehen. Die genaue Behandlung ist bei jedem Patienten verschieden.

Differenzialdiagnose

Blockierungen oder abnormale Spannungen in den Faszien lassen sich bisher diagnostisch nur manuell erfassen und es existieren kaum wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu Blockierungen und Faszien. Meine Schilderungen basieren auf Erfahrungswissen und Konzepten und sind wissenschaftlich nicht abgesichert. Die oben aufgeführten Symptome können auch durch andere Störungen oder Erkrankungen als Blockierungen verursacht sein, beispielsweise Bandscheibenvorfälle oder Krankheiten der inneren Organe. Ich muss deshalb immer eine sorgfältige Differenzialdiagnostik durchführen und gegebenenfalls anders behandeln oder auch auf die Schulmedizin verweisen. Überbeweglichkeiten der Wirbelsäule, sogenannte Hypermobilitäten, verursachen oft immer wiederkehrende Blockierungen an den kleinen Wirbelsäulengelenken und erfordern neben der Deblockierung auch eine muskuläre Stabilisierung der Wirbelsäule.

Faszien und Blockierungen sind ein spannendes Gebiet. Ich freue mich, mit Ihnen am 9. Mai beim Info-Abend ins Gespräch zu kommen.

Heilpraktiker Ralf Welti
Physiotherapeut und Diplom Chemieingenieur
Faszienbehandlung
Schwerpunkte: Orthopädie, Neurologie, funktionelle Störungen, Lösen von Blockaden, Spannungen und Stress, Ernährungsberatung
Tel. 0176 – 38 85 66 48, mail@ralfwelti.de
www.RalfWelti.de | www.PostFascialTechnik.de

Info-Abend: Faszien - ein Schlüssel zur Gesundheit? Fragen, Antworten und Praxis
Montag, 9. Mai 2016, 19:00 - 20:00 Uhr
Ohne Anmeldung, Eintritt frei.

 

zum Seitenanfang

 


tamao stern

Resonanzräume – Körper und Kontakt

Tamao Stern

Wut im Bauch. Die Angst im Nacken. Die Laus läuft über die Leber.

Wir alle kennen Bilder, die ausdrücken, was klar und doch oft nicht bewusst ist – zwischen Körper und Gedanken, zwischen emotionalem Befinden und physischem Erleben besteht eine starke Verbindung. Dabei verstehe ich den Körper als weit mehr als ein biologisches Gewand. Unsere Körper sind die Seismographen unserer inneren Landschaften. Sie sind in ständigem Austausch, sie nehmen unglaublich viel wahr und auf, geben vielfältige Signale. Mit all ihren Sinnen suchen sie Kontakt und Verbundenheit, im innen wie im außen. Sie suchen nach Möglichkeiten, sich zu zeigen und berührt zu werden. Sie streben nach Ausgeglichenheit.

Nur haben viele von uns verlernt, auf ihre Körper zu hören, ihren Zeichen Glauben zu schenken, ihnen zu folgen. Wenn es nicht gerade ein lähmender Hexenschuss ist, der uns deutlich schmerzend keine Wahl lässt, sind wir ganz gut gedämpft unterwegs. Spüren ist vielerorts nicht hoch im Kurs. Gefühle haben und zeigen bitte nur in kontrollierten Bahnen!

Wut wird verbannt. Angst belächelt. Freude unterbewertet. Nicht immer, aber allzu oft.

Kontakt ist da erschwert möglich.
Aber wir sind doch ständig in Kontakt?! Oh ja, wir unterhalten uns in Cafés, wir grüßen die Verkäuferin an der Kasse (ich zumindest), wir schreiben in der U-Bahn SMS, lesen die neuesten Nachrichten und telefonieren täglich. Wir sind mitten im Geschehen, ganz nah dran. Doch was wie Kontakt aussieht, ist nicht gleichbedeutend mit In-Kontakt-Sein. In wie vielen dieser Momente fühlen wir uns wirklich verbunden? Spüren, wie es uns geht? Welche Signale unser Körper uns sendet? Wenn wir es denn tun, wie viel Raum geben wir dem? Wie gut hören wir zu? Handeln wir danach?

Wir halten sehr viel. Wir halten aus. Wir halten fest. Wir halten zurück. Das ist deutlich spürbar, emotional wie körperlich. Blockaden im Rücken, im Becken, im Denken. Gedeckeltes Fühlen.
Das ist durchaus verständlich. Die Rollen und Erwartungen, die wir zu erfüllen haben, verlangen uns einiges ab. Auch wenn es tolle Momente und Sonnentage geben mag – die Jonglage kostet ihre Kraft. Das Tempo, in dem wir uns bewegen, ist oft nicht unseres. Belohnt werden Anpassungsleistungen und Versagungen, die uns nicht selten Teile unserer Integrität kosten. Wir verlieren den Kontakt zu uns selbst. Und damit früher oder später auch den zu unserer Umwelt, zu anderen Menschen.

Unsere Körper sind in der Regel gute Ratgeber. Verspannungen haben selten ausschließlich mit der falschen Sitzhaltung zu tun. Hinter einem hartnäckigen Schnupfen steckt oft ein sehr realer Zustand, von dem wir die Nase voll haben. Beim Denken an den eigentümlichen Nachbarn haben Sie Magengrummeln? Welche Kröten mussten Sie schon schlucken?
Wir haben bereits mehr als eine Sprache. Wir haben einen außerordentlichen Resonanzraum in uns. Nur wissen wir oft nicht mehr, wie die Schwingungen zu deuten sind.
Das Schöne ist, es gibt kein „zu spät“ – wir können es wieder lernen, uns erinnern (lassen) und in Bewegung kommen!

Der Körper und sein Wissen spielen dabei eine entscheidende Rolle. Er kann zu einem Kompass werden, der uns den Weg anzeigt. Wie viele gut geknüpfte Hüllen ihn umgeben mögen, er ist in der Lage, seine Landkarten mit uns zu teilen, wenn wir ihm den Raum dafür geben.
Genau das passiert im Psychodrama oder auch bei systemischer Aufstellungsarbeit (wenn auch in unterschiedlicher Art und Weise). Mit Begleitung treten Menschen heraus aus ihren gewohnten Grübelkreisen, aus dem immer wieder neu (Zer)Denken. Sie erlauben sich, für einen Moment auszubrechen aus dem Irgendwie-sein-Müssen. In einem solchen Prozess geht es ganz und gar um den Menschen im Fokus, um das, was ihn bewegt. Und das darf sich zeigen, so wie es für ihn stimmig ist, ob raumgreifend und bunt, oder klein und zaghaft.

Psychodrama erlaubt uns einen Blick hinein in uns selbst. Es geht gewissermaßen um eine Reise ins Innere, in unsere verankerten Bilder, Vorstellungen und Gefühle. Wir erlauben dem, was wir sehen, entdeckt zu werden, von uns selbst. Wir geben ihm eine Bühne. Es darf sich entfalten, für einen Moment, für eine Stunde, eine Szene … und darin wirken. Es passiert etwas in uns und mit uns, wenn die Dinge ihren Raum bekommen. Es entsteht Kontakt. Wir berühren uns selbst. Wir begegnen unseren inneren Stimmen. Wir probieren aus, was wir uns jenseits dieser Bühne, dieses Momentes vielleicht so nicht (zu)trauen würden. Darin begleite ich Sie.
Ich arbeite mit Ihnen daran, die Grenzen anzutasten, an der Fassade zu kratzen. Ihr eigenes Erleben steht dabei unangefochten im Mittelpunkt. Ihre Impulse leiten den Prozess. Ihre Stimmen füllen den Raum.
So kann ich z.B. viel über meine Angst oder meine Wut sprechen, ohne ihr je offenen Auges zu begegnen. Ich kann ihr ausgeliefert sein, weil ich es vermeide, in den direkten Kontakt zu gehen. Meist haben wir dafür sogar wirklich gute Gründe. Es ist gegebenenfalls auch leichter, sich an den Druck in der Brust oder die Nackenverspannung zu gewöhnen als sich der Frage zu stellen, in welchem Zusammenhang sie stehen könnten.

Wenn ich mir nun in einem geschützten Rahmen erlaube, meiner Angst oder meiner Wut zu begegnen, mich vorsichtig in einen Kontakt zu begeben … kann etwas ganz unerwartetes passieren. Es könnte sein, dass sie ganz anders ist als gedacht, kleiner z.B. oder selbstsicher. Es könnte sein, dass sie mir etwas zu sagen hat, etwa dass ihr die Anerkennung dafür fehlt, dass sie mich lange beschützt hat. Wenn sie dann so vor mir steht und leise um eine Umarmung bittet … oder hinter mir und sagt, dass sie müde sei vom vielen Halten- dann kann in der Begegnung ein Wandel geschehen. Im Erleben kann ein neues Spüren möglich werden. Das kann etwas sehr Heilsames sein.
Diese Art Raum berührt alle daran Beteiligten. Wir sind selten allein mit unseren Erfahrungen, unseren Glaubenssätzen. Im Teilen mit anderen entsteht Verbundenheit. Ein Grund mehr für mich, Gruppen wie SpielRaum* oder Intensiv-Wochenenden anzubieten.
Ich begleite. Ich halte den Rahmen, ich bin mit voller Aufmerksamkeit bei Ihnen. Ich gehe mit hinein in ein Bild, einen Zustand, eine angstbesetzte Situation, Ihre Freude, Ihre Kraft oder die Begegnung mit der Freundin. Sie dürfen ganz eintauchen oder vorsichtig Schritte wagen. Wohin die Schritte gehen, bestimmen Sie. Ich halte den Raum, Sie füllen und gestalten ihn. Im Übrigen darf das durchaus auch einfach Spaß machen und leicht sein. Auch Lachen verbindet!

Auch ich bin übrigens schon lange auf einer Reise mit mir und meinem Körper, mit meinen Erfahrungen und Emotionen – auch mein eigenes (Durch)Wachsen zeigt sich in meiner Arbeit.

Mitzuerleben, wie Menschen sich selbst begegnen, sich wieder spüren und vertrauen lernen – für mich ein großes Privileg! Ich begleite Sie gern ein Stück des Weges …

Tamao Stern
Systemische_r Therapeut_in | Heilpraktiker_in | Dipl. SozPäd.
Systemische Therapie und Beratung | Psychodrama
Tel. 0176 - 564 27 313 | www.tamao-stern.de | info@tamao-stern.de

Aktuelle Angebote:
SpielRaum*
Systemische Aufstellungsarbeit, Psychodrama – offene Gruppe
Donnerstags, 17:30 - 20:00 (einmal monatlich) nächste Termine am 12. Mai. und 9. Juni 2016

und wer bist Du? Eine Entdeckungsreise zum inneren Kind.
Intensiv-Wochenende am 1. - 3. Juli 2016

und fortlaufend individuelle Sitzungen und Prozessarbeit für Einzelne, Paare, Beziehungen und Familien

 

zum Seitenanfang

 

 


 

welten

Der Weg des Künstlers – Der Weg eines kreativen Menschen

Clara Welten

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit dem Gefühl des kreativen Daseins. Vielleicht auch deshalb, weil ich so gar kein kreativer Mensch war: Seit meinem 13. Lebensjahr schreibe ich, und in der Aktion des Schreibens habe ich mich auch immer frei und wohl gefühlt. Damals aber wusste ich weder, dass dieses spezifische Wohlbefinden der ureigene Ausdruck meiner Schöpferkraft war noch, dass er eines Tages mein Leben tragen und leiten würde. Denn um die vielen Stunden des Schreibens herum, im Alltag also, war ich dermaßen bemüht, zwanghaft Struktur und Ordnung zu halten, um nicht in ein Gefühl tiefer Verzweiflung zu gleiten, dass Freiheit und Kreativität auch in weiter Ferne, am Horizont nicht zu leuchten vermochten.

In erster Linie ist die Kreativität ja ein Gefühl, bevor sie zu einem Lebensideal wird: ein offenes weites friedvolles Gefühl der Kraft und Inspiration, das ich heutzutage mit einem „inneren Jubilieren“ beschreibe, als hüpfe das Herz, als hätte ich Schmetterlinge in meinem Bauch, als sei ich in einem permanenten Zustand des Verliebt-Seins. Der Partner der Liebe, wohin die Liebe fließt, bin ich selbst. (Mit Egoismus hat das im übrigen nichts zu tun: Egoistisch-sein fühlt sich wie ein enges, stolzes, Sucht erzeugendes Bedürfnis an, das unser Herz einschnürt und nach Geldvermehrung und Machtausdehnung schreit, bis wir auf den inneren Ohren für unser Selbst taub geworden sind.)
Je mehr ich im Alter meines Lebens fortschritt, ich bin heute 48 Jahre alt, um so stärker spürte ich diese Idee eines selbst gewählten, freien, kreativen Daseins als Vision. Und eigentlich hat mich der ureigene Wunsch des Schreibens, diese Aktivität meiner frühen Jugendzeit, darin geleitet, was ich in meinen Leben möchte, wie ich mein Leben ganz konkret gestalten möchte. Wann fühle ich mich denn so, wie ich mich am liebsten jede Minute aller Tage fühlen würde? Wenn ich schreibe … Und wie kann ich diesen Zustand in meinem Leben ausbreiten? Indem ich es tue … Und wie wird er zu meiner Realität? Indem ich mein Tun und mein Ziel aneinander ausrichte, in meinem Alltag koordiniere und organisiere.

Und da sind wir mittendrin in einem Tsunami der Herzregion: „Au weia!“, spricht nicht selten eine Stimme in unserem Herz! „Wenn ich so, wie ich leben möchte, es in der Realität auch tue; wenn ich also meinen Traum in die Realität umsetze, dann bin ich ja verantwortlich – verantwortlich für das Umsetzen meiner Träume in die Realität!“ Und noch einmal macht sich ein Gefühl spürbar, nun im Solarplexus, nun eher ein Hilfeschrei als SOS ...
Wir leiden nicht an der Unmöglichkeit des kreativen Lebens. Wir leiden vielmehr an der Möglichkeit der Umsetzung unserer kreativen Lebensgestaltung.

So macht es fast jedem von uns Angst, zu erkennen:

  • Ich lebe in Deutschland unter so guten Bedingungen, dass ich mein Leben mit vielen meiner kreativen Wünsche gestalten kann.
  • Ich werde vom Universum unterstützt, sobald ich mich wage, mich auf meinen ureigenen Weg einzulassen.
  • Ich folge meinem Selbst, indem ich meinem Gefühl der Freiheit folge.
  • Ich setze dieses Gefühl in der Realität um.
  • Ich organsisiere mein Leben und meine Arbeit nach einem Lustgewinn.
  • Ergo: Mein neuer Lebens- und oft auch Arbeitsbegriff ist geführt von Frohsinn und Glück.
  • Welch' ein Privileg!
    Interessant ist, dass so viele von uns genau an diesem Punkt straucheln, dann, wenn wir ahnen, wie wir sein können und was wir in diesem Leben erreichen und umsetzen können, drücken wir unsere Augen mit den eigenen Händen fest zu und raunen: „Ich bin nicht da!“ Wie das Kind, das an der Fensterscheibe steht, von außen gesehen wird, aber nicht gesehen werden will. Es drückt sich mit seinen Händen auf die Augen und denkt: „Ha! Ich bin unsichtbar!“ Es wird jedoch weiterhin von den anderen gesehen.

    Wer sieht uns, wenn wir unsere Augen zuhalten, um unsichtbar zu sein bei der Nichtumsetzung unseres Selbst?

    Der Weg des Künstlers, der 12 mal wöchentlich stattfindende Kurs zur Aktivierung Ihrer Kreativität, ist seit vielen Jahrzehnten erprobt. Vielleicht haben Sie schon von den Ritualarbeiten der Morgenseiten und des Künstlertreffs gehört? Beides wunderbare Mittel, um sich selbst achtsam, wach und Selbst-bezogen zu erleben und zu halten: Der Weg des Künstlers ist eines der wenigen „gegebenen“ Bücher (von Julia Cameron), eines, das „genau sitzt“ und genau da ansetzt, wo praktisch jeder von uns zögert – an 12 Themen mit 12 Übungseinheiten in also 12 Wochen zur Befreiung unserer sehr menschlichen Blockaden: Angst, Schuldgefühl, Perfektionismus, Verantwortung, Autonomie, Macht.
    Auch die Idee, mächtig zu sein, kann uns eine Heidenangst einflössen, denn dann können wir den Machtbegriff nicht mehr in die gesellschaftliche „böse Ecke der Mercedesfahrer“ stellen und wir können uns auch nicht mehr hinter der Ohnmacht verstecken. Wir ahnen: Jeder Mensch ist mächtig in seinem Tun und in seinem Nichttun – ob er will oder nicht. Jede Handlung und Nichthandlung hat unmittelbaren Einfluss auf unsere Umgebung und die Menschen, die darin leben, so sehr ich beide Hände auch auf meine Augen drücke, bis sie schmerzen und ich rot sehe…

    Der von mir geleitete Kurs DER WEG DES KÜNSTLERS arbeitet als Basis mit dem gleichnamigen Buch, und in der Ausdehnung mit meiner eigenen Erarbeitung der Freisetzung der Kreativität dank diesen Buches, mit meinem eigenen Weg der persönlichen und beruflichen Selbstständigkeit, mit meinem Studium der Philosophie und Psychoanalyse, mit meinem Wissen über die Seele des Menschen und mit meiner beruflichen Praxis der Psychotherapie und Seelenbegleitung.
    Wenn Sie sich auf diesen Kurs einlassen, dann auf die Zuwendung zu Ihren ureigensten Wünschen und Träumen einerseits und dem konkreten Erlernen der Insichtnahme dieser Träume in unserer Realität – der konkreten Umsetzung: 12 Wochen, um Ihrem Selbst, Ihrem Traum, der Umsetzung und Zielbenennung in der gesellschaftlichen Realität ganz nahe zu kommen!
    Der Kreativität als Ausdruck der lichtvollen Schöpferkraft im DaSein steht in unserem Breitengrad nämlich tatsächlich wenig im Weg: meistens wir uns selbst.

    Weitere Informationen zum Kurs: www.clarawelten.de

     

    Clara Welten

    Deutsch-Französische Praxis für Psychotherapie & Seelenbegleitung
    Psychotherapie/ Seelenbegleitung/ Ausbildung/
    Lehre/ Buch/ Verlag

    Der Weg des Künstlers
    regelmäßig stattfindende Kurse 2016
    Neuer Kurs: Mittwochs, 5.5. - 20.7.16 – noch drei freie Plätze | für Frauen und Männer
    Uhrzeit: 8:45 - 11:00

     

    zum Seitenanfang




    Evelyn Rodtmann

    Achtsames Selbstmitgefühl

    Ein Interview mit Evelyn Rodtmann

    Frage: Fangen wir doch gleich etwas provokativ an: Du schreibst auf deiner Website:
    "In dem Kurs Achtsames Selbstmitgefühl (Mindful Self-Compassion = MSC) lernen Sie, eine mutige, geistige Haltung zu entwickeln, um sich selbst mit Freundlichkeit und Akzeptanz zur Seite zu stehen - auch in schwierigen Momenten den Lebens."
    Warum in aller Welt soll ich mich unbedingt selbst akzeptieren? Mir passt die ganze Selbstoptimiererei gar nicht, und ich denke mir, kann ich denn nicht einfach mal richtig unzufrieden mit mir sein und auch mal mit der Welt hadern?

    Evelyn Rodtmann: Einfache Antwort: Ja, klar darfst Du hadern! Gegenfrage: Fühlst du dich wohl damit, wenn du haderst? .... Ich verstehe schon .... Unzufriedenheit und Hadern wird oft als nicht gewollt erlebt, gehört aber zu den Gefühlen und Gedanken, die wir nun mal haben.
    Doch was ist „Hadern“ eigentlich?? Hadern bedeutet ja, im Widerstand zu sein mit den Umständen, die da SIND. Es sind oft Gefühle von Unzulänglichkeit, Versagen und Schuld, die uns in einen Kreislauf von Grübelei führen und so auch zur Depression werden können. Im Widerstand mit der Situation zu sein, wie beim Hadern, verändert erstens nichts an der Situation selbst und zweitens leide ich auch noch daran. Was es braucht, ist eine andere innere Haltung, die von Akzeptanz und Mitgefühl geprägt ist.

    Hier kommt jetzt die Achtsamkeit ins Spiel?
    Achtsamkeit ist ein wichtiges Werkzeug für die Entwicklung von Selbstmitgefühl. Der erste Schritt besteht in der Wahrnehmung dessen, was ist. Im zweiten Schritt akzeptiere ich, dass die Situation ist, wie sie ist. Das heißt nicht, dass ich sie gut finden muss (!) – aber in diesem Moment bin ich in Frieden damit – so ist es! Wenn ich hadere, bin ich im Widerstand. Wenn ich dramatisiere ("wie schrecklich!"), binde ich mich noch mehr daran, oder aber ich lasse mich von meinen Gefühlen überwältigen. Achtsamkeit gibt mir wieder mehr Kontrolle, denn ich akzeptiere.

    Um was geht es genau beim Selbstmitgefühl?
    Ausgangssituation z.B.: Ich leide, weil ich etwas nicht geschafft habe, versagt habe. Zur achtsamen Akzeptanz kommt nun noch Freundlichkeit mir selbst gegenüber dazu – weil ich leide. Wichtig ist: Ich bin nicht freundlich zu mir, um das Leiden "wegzukriegen"! Ich bin freundlich zu mir, weil es mir nicht gut geht. Nicht mehr und nicht weniger. Es ist, wie ein Kind zu trösten, das sich wehgetan hat. Ich kann den Schmerz nicht weg machen, aber ich kann Trost und Beruhigung schenken, das Kind fühlt sich gehalten und gestärkt im Schmerz.

    Was sagt denn die Forschung zu den Wirkungen von Selbstmitgefühl?
    Am Beispiel Selbstkritik wird es gut deutlich: Selbstkritik aktiviert unser inneres Bedrohungs- und Verteidigungssystem, da wir dabei unser Selbstbild angreifen. Stresshormone werden dann ausgeschüttet.
    Die Forschung von Dr. Kristin Neff (eine Mitbegründerin des MSC-Kurses) zeigt deutlich, dass die freundliche Zuwendung, die wir uns geben, wenn wir Selbstmitgefühl praktizieren, uns weit mehr motiviert als harte Selbstkritik. Wir halten dann besser Entschlüsse durch, im Sport, in der Ernährung etc. Wir aktivieren stattdessen unser Fürsorgesystem: Durch Wärme, eine beruhigende Berührung (vielleicht legen wir uns eine Hand aufs Herz oder umfassen uns selbst an den Armen) und durch eine freundliche Haltung uns selbst gegenüber wird Oxytocin ausgeschüttet – ein Hormon, das beruhigt, ein Wohlgefühl auslöst, bindungsfördernd und stressregulierend wirkt. Hier geht es um die Bindung zu sich selbst, die verbessert wird. Ich fühle mich gut in meinem Körper, gut in mir. Ich sorge besser für mich, nehme mir genug Freizeit, bewege mich mehr.

    Wird also Disziplin durch Selbstfürsorge ersetzt?
    Es ist stimmiger zu sagen, dass Selbstfürsorge uns dazu bringt, disziplinierter für unser Wohlergehen zu sorgen. Ich nehme mich selbst liebevoll an die Hand, genauso wie ich es auch bei einem Kind mache, weil ich weiß, dass es besser für mich ist, „diszipliniert“ regelmäßig Zähne zu putzen, auch wenn ich keine Lust dazu habe.

    Das widerspricht ja allen erlernten Konzepten von Strenge, durchzuhalten, sich noch mehr anzustrengen.
    Nicht wirklich! Ich ändere nur die innere Haltung, mit der ich auch mal eine schwierige Situation durchhalte, denn Schwierigkeiten treten ja immer wieder auf. Schimpfe ich dann zusätzlich mit mir oder spreche mit einer harten, fordernden Stimme zu mir? Verzeihe ich mir, mit etwas nicht klar zu kommen, Fehler zu machen? Die Forschung zeigt, dass Selbstmitgefühl uns schneller wieder ermutigt, nach einem Misserfolg uns selbst zu verzeihen und neue Ziele zu verfolgen.
    Durch Selbstmitgefühl bauen wir vielmehr emotionale Ressourcen auf. Wenn ich mit mir selbst fürsorglich umgehe, baue ich Kraft in mir auf. Dadurch kann ich besser mit schwierigen Situationen umgehen, denn … ich bin schon mal auf meiner Seite!

    Wozu ist der achtwöchige Kurs in Selbstmitgefühl gut, den du anbietest?
    Selbstkritik, Selbstverurteilung oder der innere Druck „perfekt“ sein zu müssen, sind sehr verbreitet in unserer Kultur. Du sprachst anfangs die Selbstoptimierung an, die uns nie ankommen lässt in dem Gefühl: „Ich mag mich so, wie ich bin!“ Und doch ist Mitgefühl eine Fähigkeit, die wir alle besitzen, aber viel öfter bei geliebten Mitmenschen (oder Haustieren) aktivieren als bei uns selbst.

    Der MSC-Kurs ermöglicht den TeilnehmerInnen, direkte Erfahrungen mit Selbstmitgefühl zu machen: Durch Selbsterfahrungsübungen, Meditationen, Vorträge und Austausch in der Gruppe sowie – ganz wichtig – durch Übungen zu Hause lernen die Teilnehmer, ihre Fähigkeit zu Selbstmitgefühl zu stärken und ganz konkret im Alltag zu anzuwenden.

    Auch erlebe ich im Kurs, dass ich nicht allein bin! Ich sehe, dass Probleme und Fehler einfach etwas allgemein Menschliches sind. Das ist sehr stärkend! Ich erlebe, dass Selbstmitgefühl öffnet und verbindet, Selbstmitleid dagegen durch das Gefühl "Ich bin die Einzige, der es so geht!“, „Immer passiert das mir!" zur Isolierung neigt. Da bleibe ich in negativen Gefühlen geradezu hängen.

    Muss der Leidensdruck hoch genug sein, bevor Menschen in deine Kurse kommen – ob Stressbewältigung durch Achtsamkeit (MBSR Mindfulness Based Stress Reduction) oder Achtsames Selbstmitgefühl (MSC Mindful Self Compassion)?
    Leidensdruck ist meistens vorhanden – nur unterschiedlich stark. Manche Menschen verfügen über ein gutes Frühwarnsystem; sie sehen, es wird schwieriger und suchen sich früh Unterstützung. Manche wiederum haben schon sehr früh schwerwiegende Symptome entwickelt wie z.B. Panikattacken, an denen sie nicht vorbeisehen können.

    Kann man sich mit dem Konzept des Selbstmitgefühls nicht auch etwas vormachen, tiefer liegende Konflikte verschleiern?
    Ein klares Nein! Achtsamkeit verhindert ja genau das Verschleiern. Selbstmitgefühl hilft mir, mit schwierigen Situationen umzugehen, und zwar gleichgültig, was zum Vorschein kommt. Selbstmitgefühl macht mich mutiger hinzusehen, hinzufühlen!! Ich stehe mir ja immer selbst bei!

     

    Evelyn Rodtmann
    Achtsamkeits-Lehrerin (MBSR und MSC)
    Tel. 030 - 623 32 17 | EvelynRodtmann@aquariana.de
    www.innenreisen.de
    www.achtsam-und-gelassen.de
    www.selbstmitgefühl.com

    Die nächsten 8-Wochen-Kurse – ein guter Start ins neue Jahr:
    MSC Achtsames Selbstmitgefühl ab Do, 7. Januar 2016
    MBSR Stressbewältigung durch Achtsamkeit ab Mi, 6. Januar 2016

    In einem unverbindlichen, kostenlosen Vorgespräch ist Zeit für Ihre Fragen! Bitte rufen Sie mich an, oder schreiben Sie mir!

     

    zum Seitenanfang

     


    Orlowski

    Buddhismus und Therapie – ein Spannungsfeld?

    Ein Erfahrungsbericht
    Jan Orlowski

    “There is a crack in everything, that´s how the light gets in" (L. Cohen)
    "In allen Dingen ist ein Riss, so kommt das Licht herein"

    Auf einem spirituellen Pfad wie dem des Buddhismus plötzlich an eine Grenze zu treffen oder ein Schlüsselerlebnis zu haben, welches das ganze in Frage stellt, haben wohl viele Menschen schon einmal erlebt. Es könnte sein, dass die bisherigen Anschauungen oder Methoden nicht mehr weiter helfen, und es könnte schnell den Wunsch geben, sich neu zu orientieren, ob innerhalb oder außerhalb des bisher verfolgten Systems. Mit meinem Gruppenangebot möchte ich durch einen offenen Austausch eine Orientierungshilfe bieten.

    Nachdem ich vor 20 Jahren mein erstes zehntägiges buddhistisches Vipassana-Retreat vollendet hatte, war ich überzeugt davon, in dieser Form der Meditation das gefunden zu haben, was die Dinge, die in meiner Seele schräg lagen, zurechtrücken könnte. Mich heilen und erleuchten könnte. Das stimmte und es stimmte nicht.

    Ich lernte viel von mir kennen, lernte Achtsamsein und Loslassen. Ich lernte, mich weniger mit Dingen zu identifizieren und hatte Einsichten, die mein Leben wunderbar bereicherten.
    Was nicht passierte: Die Dinge, die schräg waren, rückten nicht gerade. Nachdem ich vielleicht vier Jahre voller Hingabe meditiert hatte, glaubte ich, meine gröbste Ignoranz und Gier hinter mir gelassen zu haben. Aggression hatte ich erst recht im Griff. Wut und Ärger sollte man ja ebenso wie seine Begierden überwinden, und man sollte gut zu allen Wesen sein.

    Gott sei Dank begegnete ich dann auf einer Reise nach Vietnam zwei geschäftstüchtigen Rikschafahrern, die es wagten, mich gemein übers Ohr zu hauen. Aus dem Nichts tickte ich aus, verlor die Kontrolle, brüllte auf offener Straße laut herum. Dann kam die Scham und dann die Frage, ob ich vielleicht etwas Wichtiges übersehen hatte.

    Erst als ich im Anschluss begann, über den buddhistischen Tellerrand hinauszublicken, lockerten sich die Dinge ein wenig. Ganz wichtig daran war, das Ziel loszulassen, all diese "Unreinheiten" wie Hass, Gier und Unwissenheit zu überwinden. Stattdessen die radikale Akzeptanz dessen, was ist, zu erfahren. Erleben, dass Dinge genau so perfekt sind, wie sie eben sind, inklusive mir selbst. Sogar, dass das, was ich bin, natürlicherweise schon erleuchtet ist.
    Dass dies auch nur ein Teil der Wahrheit ist und auch diese Sichtweise ihre Tücken hat, zeigte sich bald, und es gab Phasen, in denen ich etwas verwirrt war.

    Es folgte ein vielfältiger Prozess der Integration und Emanzipation, Dinge klärten und setzten sich. Ein wichtiges Element dabei war Focusing, eine Methode, bei der man seine Körperempfindungen in Bezug zu Lebensthemen setzt, um dadurch zu neuen Perspektiven oder Schritten zu finden.

    Zurück zu den Dingen, die in meiner Seele schräg lagen: Die liegen immer noch schräg, bewegen sich aber. Und immer öfter komme ich dahin, sie wie den oben zitierten Riss zu erleben: der Riss, durch den das Licht eindringt.
     

    Begleitung in Krisen

    Seit Anfang 2012 arbeite ich als Krankenpfleger mit Menschen in Lebenskrisen. Ins Kriseninterventionszentrum im Klinikum am Urban kommen Menschen, die ihr Leben aufgrund von Trennung, Trauer, beruflicher Konflikte oder einer aus dem Ruder gelaufenen Lebenssituation nicht mehr alleine bewältigen können. Ich begleite sie in Einzelgesprächen und Gruppentherapien. Nicht selten gelingt es mir, einen Beitrag dazu zu leisten, dass sie einen Weg aus ihrer schwierigen Lage finden. Einige schaffen es, die Krise tatsächlich als Chance zu erkennen und innerhalb von kurzer Zeit entscheidende Schritte Richtung Heilung oder Ganzheit zu tun.

    Neben den äußeren Faktoren einer Krise liegen fast immer auch innere vor, zum Beispiel dass Menschen ihre eigenen Bedürfnisse übergehen, dass sie sich nicht angemessen abzugrenzen lernten, dass sie nicht lernten, Wut und Ärger zu äußern und sie stattdessen schluckten.

    Was beispielsweise die Bedürfnisse betrifft, ist es von großer Bedeutung, sie erst einmal wahr- und ernst zu nehmen. Die buddhistische Anschauung, dass das Verlangen die Ursache des Leids ist, kann dabei im Wege stehen. Selbst wenn die Achtsamkeitspraxis sehr tief oder subtil ist, können zugrunde liegende Sichtweisen dennoch den Blick ins Hier und Jetzt beeinflussen und trüben. Alle möglichen Mechanismen, die dabei am Werk sein können, wollen wir in der Gruppe beleuchten.

    Um Missverständnisse auszuräumen: Ich finde die Lehre des Buddha großartig und unvergleichlich und ich bin sehr dankbar, dass ich auf sie gestoßen bin. Ich möchte aber gängige unerwünschte Nebenwirkungen beleuchten, um Menschen auf ihrem Pfad zu unterstützen.

    Die Gruppe

    Weil mir die Auseinandersetzung mit dem Spannungsfeld von Buddhismus und Psychotherapie ein wichtiges Anliegen ist, biete ich nun eine Gruppe an. Sie findet ab dem 4. September 2015 immer freitags von 18.00 bis 20.00 Uhr statt. Wenn Ihnen die Themen wie Mitgefühl versus Abgrenzung oder Entsagung versus Genuss (weitere siehe Website) aus eigener Erfahrung bekannt vorkommen oder Sie diese spannend finden, sind Sie ganz herzlich dazu eingeladen. Wir wollen einen offenen Austausch schaffen, umrahmt von Meditationen.

    Das Ziel für die angebotene Gruppe sind nicht allgemeingültige Lösungen oder Wahrheiten. Mein Anliegen ist es vielmehr, dass wir im Spannungsfeld von Buddhismus und Psychotherapie durch Austausch individuelle Entwicklungsschritte gehen.

    Zum Ablauf: Wir beginnen mit einer angeleiteten Meditation, die uns zum Thema hinführt. Dabei wechseln sich klassische buddhistische Reflexionen mit Übungen aus dem therapeutischen Bereich ab. Darüber hinaus werden Achtsamkeitspraktiken mit Elementen aus dem Focusing verknüpft.

    Im Anschluss umreiße ich kurz das Thema. Dabei stelle ich den Ansichten des Buddha die aus therapeutischer Sicht problematischen Aspekte gegenüber. Im Anschluss findet ein Austausch darüber statt, der möglichst persönlich und am eigenen Erleben orientiert sein sollte. Ich moderiere, der Ausgang soll offen bleiben. Wir enden mit einer überwiegend stillen Achtsamkeitsmeditation.

    Jan Orlowski
    Heilpraktiker für Psychotherapie, Krankenpfleger
    Meditation, Achtsamkeit, Focusing
    janorlowski@yahoo.de
    Tel. 0178 - 458 10 07

    Meditation und Austausch
    im Spannungsfeld von Buddhismus und Therapie
    Offene Gruppe ab 4.9.2015
    immer freitags, 18:00 - 20:00
    € 15,-/Abend

    Bitte anmelden unter janorlowski@yahoo.de
    Themen der Abende und Termine hier.

     

    zum Seitenanfang


    Ralf Welti

    Wahrnehmung von Energie in der Körperarbeit

    Über Störungen im feinstofflichen Energiekörper, Energiequalitäten von Körpergeweben und Stressmuster in den Faszien

    Ralf Welti

    In vielen Kulturen der Menschheit gibt es das Konzept einer alles durchdringenden, alles umfassenden, alles bewirkenden und allgegenwärtigen Lebensenergie im Universum, eine kosmische Urkraft. In diesem Artikel geht es mir um die Erfahrung von Erscheinungsformen dieser Lebensenergie, da die Wahrnehmung von Energie die Voraussetzung dafür ist, um diese Energie bei Behandlungen einsetzen zu können.
    Nach diesen Konzepten manifestiert sich die Lebensenergie letztendlich als unser Körper, so wie wir ihn normalerweise kennen, sichtbar, grobstofflich. Auf dem Weg dahin differenziert sich die Lebensenergie jedoch in vielfältige Erscheinungsformen, von feinstofflichen Energiekörpern bis hin zu elektro-magnetischen, physiologischen Vorgängen, die unser gesamtes Wesen ausmachen.
    Da es nun diverse Formen der Energie gibt, gibt es auch viele unterschiedliche Möglichkeiten der Wahrnehmung von energetischen Phänomenen. Ich bin Körperarbeiter, untersuche und behandle mit meinen Händen und nehme dabei Energie mit meinen Händen wahr. Im Folgenden beschreibe ich zwei Varianten von energetischen Phänomenen, so wie ich sie erfahre und wie ich mit ihnen bei meinen Behandlungen arbeite, und stelle die dazugehörigen Konzepte vor.

    1. Störungen im feinstofflichen Energiekörper
    Bei meiner Körperarbeit, der PostFascialTechnik (PFT)®, bewege ich meine Handfläche im Abstand von 5 bis 10 cm über die Oberfläche meines Klienten, der bekleidet und erst einmal auf dem Bauch auf einer Behandlungsliege vor mir liegt. Ich nenne diesen Vorgang "scannen", für mich eine Wechselwirkung zwischen dem Energiefeld des Klienten und dem Energiefeld meiner Hand. Ich erfahre dabei unterschiedliche Wahrnehmungen in meiner Handfläche, abhängig davon, über welchen Körperstellen ich mich gerade befinde. An manchen Körperstellen empfinde ich ein feines Kribbeln und ein leichtes Wärmegefühl, wobei es sich nicht um Wärmeabstrahlung vom Körper des Klienten handelt. Wird die Empfindung stärker, dann baut sich unter meiner Handfläche eine Art Polster von deutlicher Wärme auf, das jetzt von meiner Handfläche ausgeht. Meine Hand wird schon fast vom Körper des Klienten weggedrückt, und das Kribbeln wird grobkörniger oder deutlicher. Für mich sind diese auffälligen Bereiche Störungen im feinstofflichen Energiekörper des Klienten.
    Dieses Scannen mit meiner Handfläche bedeutet bereits eine Berührung meines Klienten auf der energetischer Ebene, ein Diagnostizieren und Behandeln zugleich. Der Klient reagiert darauf, manche auffälligen Bereiche verschwinden, statt dessen entstehen neue auffällige Bereiche. Ich muss also meiner ersten Wahrnehmung vertrauen, da beim zweiten Scannen der gleichen Körperstelle die Empfindung bereits verändert ist.

    Nun gibt es drei Möglichkeiten:
    a) Manchmal klärt sich das feinstoffliche Feld um den Körper des Klienten durch mehrmaliges Scannen, und es ist nichts mehr wahrnehmbar außer vielleicht einem Hauch von Kribbeln über dem gesamten Körper. Dann gehe ich zu einem anderen Behandlungsschritt über wie beispielsweise unter Punkt 2 beschrieben.

    b) Manchmal klärt sich das feinstoffliche Feld beim Scannen nicht, es bleiben mehrere auffällige Bereiche bestehen. Eine stabile Verteilung dieser Störungen im feinstofflichen Feld über die gesamte Körperoberfläche, ein weiteres Scannen verändert meine Empfindungen nicht mehr. Meine Berührung muss jetzt direkt auf der körperlichen Ebene erfolgen, damit sich die Energiemuster verändern können. Es gibt fünf typische Verteilungsmuster dieser Störungen im feinstofflichen Feld über dem Rücken des Klienten. Jedem Muster ist ein Reflexpunkt auf der Körperoberfläche zugeordnet. Durch eine für den Klienten kaum wahrnehmbare Berührung des Reflexpunktes mit meinem Daumen klärt sich auch jetzt das feinstoffliche Feld um den Körper des Klienten.

    c) Manchmal klärt sich das feinstoffliche Feld beim Scannen nicht, es bleibt aber nur ein auffälliger Bereich bestehen, der sich nicht mehr weiter verändert. Auch dann arbeite ich direkt mit dem Körper unter der Störung, beispielsweise mit osteopathischen Techniken, bis sich das feinstoffliche Feld geklärt hat.

    Für mich spiegeln diese Störungen im feinstofflichen Feld des Körpers Störungen auf der grobstofflichen, körperlichen Ebene wider. Die Störungen im feinstofflichen Feld entsprechen meinem Verständnis nach abnormalen Spannungen in den Faszien des Körpers, Stress auf der grobstofflichen Ebene. Die Faszien, kollagene Eiweißfasern, sind die alles miteinander verbindenden Hüll- und Trennschichten des Körpers. Die Verteilungsmuster der Störungen im feinstofflichen Feld entsprechen Spannungsmustern, Stressmuster in den Faszien. Klärt sich das feinstoffliche Feld, ist auch der Stress in den Faszien gelöst.
    Ich beobachte, dass durch meine Behandlung das Fasziensystem in Bewegung kommt, es beginnt sich neu zu organisieren. Im Laufe der Zeit kommen neue Spannungspunkte, Stressmuster zum Vorschein. Im feinstofflichen Feld zeigen sich dann erneut Störungen. Dies kann innerhalb von Minuten der Fall sein oder auch Wochen dauern. Im Verlauf mehrerer Behandlungen werden alle fünf Stressmuster durchlaufen. Meiner Erfahrung nach wird der Körper so von altem Stress befreit, er wird empfindsamer, durchlässiger für Energie, feinstofflicher und die Klienten empfinden Aufrichtung, Weite und Leichtigkeit.
    Die Faszien stellen für mich das Bindeglied zwischen dem feinstofflichen Energiekörper und dem grobstofflichen Körper dar. Sie stehen zwischen den noch feineren Energien und den noch dichteren Körperstrukturen. Ich erlebe den feinstofflichen Energiekörper und den grobstofflichen Körper in einer Wechselbeziehung. Die Behandlung der Faszien und die Behandlung des feinstofflichen Körpers ist für mich äquivalent.
    Mein Scannen ist das Ergebnis von viel Zweifel, Erfahrung und dann doch Vertrauen in meine Wahrnehmung. Die Grundlagen dazu stammen aus den Arbeiten des Amerikaners Saul Goodman, dem Shin Tai.
    Bei meinem Energiekonzept orientiere ich mich an hinduistischen Schriften, da diese Darstellungen zu meinen Erfahrungen passen. Der feinstoffliche Energiekörper beinhaltet danach auch Energiezentren (Chakras) und Energiebahnen (Nadis). Mehr dazu in einem späteren Newsletterbeitrag.

    2. Energiequalitäten von Körpergeweben
    Bei weiteren Behandlungsschritten in der PostFascialTechnik (PFT)® übe ich mit meinem Daumen Druck direkt auf die Körperoberfläche aus. Meine Aufmerksamkeit ist dabei auf den Kontakt fokussiert.
    Dabei zeigen sich zwei grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten, wie das Körpergewebe darauf reagiert.
    a) Bei der einen Möglichkeit ist meine Druckrichtung zunächst senkrecht zur Körperoberfläche. Mein Daumen beginnt, durch mein Körpergewicht verursacht, fast ohne Widerstand sanft einzusinken. Es fühlt sich an wie ein Loch, ich kann einsinken und einsinken, als ob es kein Ende gibt, ein Tunnel. Oft fängt mein Daumen dabei an sich zu drehen und die Richtung ändert sich leicht, geführt von den Kräften des Körpergewebes. In der Tiefe erweitert sich dann der Raum im Gewebe, das Gewebe fängt an einen leichten Gegendruck aufzubauen. Noch ein Stückchen, dann sind der Druck meines Daumens und der des Gewebes im Gleichgewicht, ich sinke nicht mehr weiter ein, obwohl es durch stärkeren Druck noch weiter gehen würde. Ich bin im Zentrum des Kontakts angekommen und verharre dort nur, bis ich wieder vom Gewebe heraus gedrückt werde. Eine adäquate Berührung in der Tiefe reicht als energetischer Kontakt aus, damit der Körper reagiert. Manchmal, wenn das Gewebe nur träge reagiert, muss ich den gesamten Kontakt mehrmals wiederholen, wobei sich das Loch dann mehr und mehr füllt, ich immer weniger tief hineingelassen werde.
    b) Bei der zweiten Möglichkeit fängt das Körpergewebe bereits zu Beginn an, einen leichten Gegendruck aufzubauen. Ich muss mehr von meinem Körpergewicht aufwenden, um tiefer eindringen zu können. Als ob ich einen Gummiball vor mir hätte, das Gewebe will mich wieder heraus drücken. Trotzdem wird dieser Kontakt, bis zu einer bestimmten Druckstärke, vom Klienten als angenehm empfunden. Die als angenehm empfundene Druckstärke ist von Klient zu Klient sehr unterschiedlich und erfordert vom Therapeuten viel Einfühlungsvermögen. Beispielsweise verhält es sich bei einer sehr starken muskulären Verspannung so.

    Diese beiden Möglichkeiten werden in der Behandlungsmethode Shiatsu als Kyo und Jitsu beschrieben. Kyo und Jitsu sind Begriffe der traditionellen japanischen Medizin und beschreiben im Shiatsu die energetischen Qualitäten des Kontakts. Sie erfassen den Klienten in seiner Ganzheit, obwohl der Kontakt sehr körperlich erscheint.
    Die erste Möglichkeit, Kyo, steht beim Klienten für Leere, für Unteraktivität, für Schwäche. Kyo steht für das Verborgene, das sich vor dem Therapeuten verstecken will. Die zweite Möglichkeit, Jitsu, steht beim Klienten für Fülle, für Überaktivität, für Stärke. Jitsu steht für das Offensichtliche, das dem Therapeuten sofort ins Auge springt.
    Kyo und Jitsu bedingen sich gegenseitig, verändern sich und sind ein notwendiger Ausdruck des Lebens. Probleme können entstehen, wenn Kyo und Jitsu sich nicht mehr verändern, wenn Stagnation entsteht oder Kyo und Jitsu ins Extreme gehen. Im Shiatsu wird ein Ausgleich von Kyo und Jitsu angestrebt.
    Bei meinen Behandlungen sind die Kyo-Bereiche sehr wichtige Stellen. Meiner Erfahrung nach erleichtert ihre Behandlung dem Fasziensystem, sich neu zu organisieren. Aber auch Jitsu-Stellen lösen sich nach ihrer Behandlung leichter.

    Ausbildung in PostFascialTechnik (PFT)®
    Energie wahrzunehmen ist eine Fähigkeit, die jeder Mensch besitzt. Voraussetzung für energetische Wahrnehmung sind Vertrauen in das Wahrgenommene und Übung.
    Meiner Erfahrung nach können energetische Phänomene jedoch um so leichter wahrgenommen werden, je mehr ein Therapeut seine eigenen Stresspunkte abgebaut hat, auf allen Ebenen seines Wesens, da er dadurch feinstofflicher wird, weniger dicht, durchlässiger für Energie. Auch kann ein Therapeut seine Klienten nur bis zu dem Punkt begleiten, wo seine eigene Entwicklung endet. Selbsterfahrung und Meditation sind mögliche Wege zur eigenen Entwicklung.
    Ich bereite zur Zeit Kurse zu der von mir begründeten PostFascialTechnik (PFT)® vor. Darin werden die energetische Wahrnehmung geschult und alle nötigen Kenntnisse vermittelt, um mit der Methode erfolgreich arbeiten zu können.

    Behandlungen mit der PostFascialTechnik (PFT)®
    Die PostFascialTechnik (PFT)® bildet die Basis meiner Therapien. Ich kombiniere sie beispielsweise mit klassischen osteopathischen Techniken oder ausgewählten physiotherapeutischen Methoden. Schwerpunkte meiner Behandlungen liegen im Bereich des Stütz- und Bewegungsapparates und des Nervensystems, im Lösen von Spannungen und von gespeichertem Stress.

     

    Ralf Welti
    Diplom-Chemieingenieur (FH)
    Physiotherapeut und Heilpraktiker
    Faszientherapie
    Schwerpunkte: Orthopädie, Neurologie, Spannungen und Stress, Ernährung
    Tel. 0176 – 38 85 66 48, mail@ralfwelti.de
    www.RalfWelti.de | www.PostFascialTechnik.de

    Info-Abend: Faszien, ein Schlüssel zur Gesundheit?
    – Fragen und Praxis –
    Montag, 13. Juli 2015, 19:00 - 20:00 Uhr
    Eintritt frei

    zum Seitenanfang



    Clara Welten

    Die Wahrnehmung der Energie

    Energie ist wahrnehmbar. Energie ist fühlbar. Energie ist sichtbar.

    Clara Welten

    Als ich im Jahre 2011 in meiner Interdisziplinären Supervisionsgruppe das Thema „Bewusstsein und Heilung im 21. Jahrhundert“ zu diskutieren begann, waren wir uns alle darüber einig, dass in den letzten 20 Jahren in der therapeutischen Arbeit ein großer Wandel stattgefunden hat. Wir – das waren eine Coacherin, eine Gestalttherapeutin, eine Schamanin, eine Tiefenpsychologin, eine Künstlerin und Heilerin, eine Ergotherapeutin – und ich als psychoanalytisch und schamanisch ausgebildete Seelenbegleiterin.
    Worin lag und liegt dieser Wandel? Es fiel uns schwer, diese Frage rational zu beantworten. Wir nahmen jedoch wahr: Die Arbeit geht leichter und anders. Und Bewusstwerdung als Heilung und Gesundung seelischer und (in der Folge) körperlicher Symptome geschieht wirkungsvoller, schneller, öfter und sichtbarer. Die Einigkeit in der Beantwortung überraschte uns, kamen wir doch alle aus unterschiedlichen Zweigen der Therapiearbeit. Wir glichen unsere Erfahrungen miteinander und über die Grenzen unserer Gruppe hinweg ab und fanden Bestätigung des zunächst einmal Empfundenen: Wir alle arbeiten neben klassischen Diagnosen mit der Dimension der Energie, im Raum energetischer Heilarbeit. (1)

    Wie können wir uns Energie vorstellen?
    Der Tiefenpsychologe C.G.Jung präzisierte, dass Energie frei sei – wir Menschen transportieren sie in Gedanken, in Taten, in Wünsche und Begehren. WIR sind es, die entscheiden, bewusst oder unbewusst, was wir mit dieser Energie tun. Habe ich die ersten Jahrzehnte meines seit 48 Jahren dauernden Erdenlebens die Seele in ihrer tiefenpsychologischen Dimension des Bewusstseins und des Unterbewusstseins begriffen, so kann ich seit einigen Jahren in meiner Praxis (2) ganz deutlich die Dimension der Energie auf zwei verschiedenen Ebenen wahrnehmen – in der seelischen Heilarbeit und bei der Veränderung von Materie.
    So ist Seele meiner Erfahrung nach eine intelligente energetische Bewusstseinseinheit, die also aus Energie, nämlich feinstofflich besteht, aber all-wissend ist und kosmisches Bewusstsein vom Ursprung in sich trägt. Das ist mir vertraut, weil ich die Seele als Energieeinheit sich durch den Kosmos bewegen sah und weil ich dank Rückführungen in alle Gezeiten der Seele hinein reisen kann, nämlich in die Erinnerungen der Seele, in das Bewusstsein ihrer Existenzen – vom Schmetterling, Fuchs, Bär, Mensch und eben feinstofflichen Daseinsformen. Viele, die mit mir reisen, können die Erfahrung ihres Ursprungs machen, sich in der Mutter Erde, als Samenkorn oder beispielsweise im Energienetz der Eiche wiederfinden. Das Begreifen der Seele als eine mit Bewusstsein ausgestattete Energieeinheit hilft uns bei Fragen, was denn geschehe, wenn wir spirituell „reisen“: Wir verlassen unseren Körper nicht; wir reisen hinein in das Reservoir des Gedächtnisses der Seele. Dies ist eine energetische Erfahrungsdimension.
    Zum tieferen Verständnis ist es hilfreich, von physischem und feinstofflichen Dasein zu sprechen: Seele ist „vorher und nachher“ frei, wird im Menschen inkarniert (Fleischwerdung) und ist für diese gewisse Spanne an Zeit SIE, DU oder ICH. In vielen seelischen Bewusstseinsarbeiten haben wir den Zusammenhang von Körper und Seele verstehen können. Je weiter unser Rahmen für Bewusstsein ist, aus unserer körperlichen Hülle hinaus, um so stärker ist unsere Anbindung an das energetische Dasein.

    Was den physischen Raum betrifft, so geschieht es nicht selten, dass Menschen in meine Praxis kommen, die länger nicht da waren, und sagen: „Ach, der Raum hat sich ja wieder vergrößert!“ Man könnte sagen, dass der Praxisraum größer wirkt, je nach Sonnenlicht und Tageszeit. Komplexer gesehen handelt es sich um eine energetische Ausdehnung des Raumes von seiner Mitte aus. Wenn ich trommle, um spirituelle Reisen einzuleiten, ist diese Ausdehnung des Raumes für viele Reisende deutlich als Resonanzfeld zu spüren. Eine Patientin, die zu Beginn ihrer Seelenreise stand, nach Anrufung der vier Elemente, der vier Erzengel, der kosmischen Kraft-Vater und Mutter Erde, formulierte hinterher: „Als Du in der Anrufung bei Gott angekommen warst, öffnete sich der Raum von seiner Mitte her. Es erschien eine weite Lichtsäule, vom Boden in den Himmel ragend. Das Licht war sehr hell, eher weiß und in diesem Licht drehte sich eine Spirale, wie die DNA, in drei Dimensionen, um ihre eigene Achse, langsam, aber sichtbar. Das, was im Inneren des Raumes sichtbar war, war lebendig und in Bewegung.“

    Vielleicht denken Sie: „Na, das ist ja „ziemlich crazy“! Das kann ich verstehen. Tatsache ist, dass in der Dimension der Energieentfaltung Materie unwichtig(er), der physische Körper des Menschen durchdrungen wird und sich Blockaden der sieben Chakren, der Energieräder des Menschen, belichten. Genau so „crazy“ ist vielleicht, dass Heilung konkret sichtbar wird, nämlich dann, wenn das körperliche Symptom verschwindet (wie Neurodermitis, Lähmungserscheinungen, Zysten, Geschwüre ...). Energie eröffnet einen spirituellen Horizont, der den Raum der Tiefenpsychologie des Bewusstseins und Unterbewusstseins gewissermaßen umhüllt – eine andere, erweiterte Dimension, die von fast jedem Menschen telepathisch zu erleben ist, gleich welchen Bildungsgrades. Die Arbeit in und mit der Geistigen Welt bekommt hier ihre Bedeutung: Die Geistige Welt ist die feinstoffliche energetische mit all ihren Wesen, Landschaften, Begleitern.

    Heutzutage ist auch im Okzident die Dimension der energetischen Arbeit in den komplementären Heilmethoden nicht mehr wegzudenken. Heute wissen wir, dass Gedanken Energie sind, dass also Denken Energie ist, dass seelisch manifestierte Glaubenssätze Energie sind und dass psychosomatische Krankheiten ein Ungleichgewicht energetischer Verhältnisse im Körper darstellen. Energie IST – sie ist sichtbar in dem Aurafeld des Menschen, sie ist dort sogar messbar. Energie ist ganz konkret spürbar in seelischen Nöten, die mit Diagnosen wie Depression, Psychosomatik und Selbstmordgefährdung belegt werden. Sie ist ebenso in der Freude, in der Lust und in der Integralität des Menschen als ein ganzes Harmonisches zu fühlen.

    Stellen Sie sich einmal vor, Sie stehen auf der einen Seite neben einem Menschen, der sehr schwer leidet und auf der anderen Seite neben einem, der voller Freude schwingt. Auf der einen Seite wird das energetische Feld nach unten ziehen, schwer sein, dunkel. Leid tönt im übrigen in der untersten Oktave und ist behäbig, energetisch beladen. Stellen sie sich das Energiefeld ihres anderen Nachbarn vor, der in Freude lebt, so geht es energetisch weit nach oben hinaus – manchmal bis in die Felder der feinstofflichen Lichtwesen. Es tönt sehr hell in der dritten Oktave und noch weiter aufwärts erklingt ein Glockenspiel. Sie spüren Helligkeit, Vertrauen, Liebe. Die Gesänge der Engel, um das Glockenspiel näher zu bezeichnen, sind sehr hoch, wie wir es von der menschlichen Stimme nicht kennen. Es ist um diesen Menschen, der von Lichtwesen bewohnt wird, hell und beschwingt. Gleichzeitig spüren wir eine Stabilität, eine Achse bis in den Boden. Das liegt u.a. an der Ausgeglichenheit der Chakrenfelder, die vom Scheitel- bis zum Wurzelchakra harmonisch ausgebildet sind und welche die energetische Dynamik des Menschen bestimmen. Diese Chakrenfelder sind als Aurafotografie sichtbar zu machen. (3)

    Was ich für unser aller seelischen Zusammenhang betonen möchte, ist: Gedanken sind Energie. Negative Energie ist ebenso fühlbar wie positive. Das liegt daran, dass Energie ein Resonanzfeld bildet, das von ihrem Inneren nach außen wirkt und somit auch ihre Realität bestimmt: Wen sie treffen oder auf was sie treffen, der- und dasjenige ist ebenfalls von einem Energiefeld umgeben und geht somit mit Ihrem Feld in Resonanz. Wundern Sie sich also nicht, wenn ein guter Tag Gutes bringt und ein Tag voller Zweifel, Angst oder Wut sich auch im Außen, in der Realität abbildet. In diesem Sinne ist die Realität keine Wahrheit, sondern die äußere Realität die Abbildung ihrer inneren Realität. Das mag Angst machen. Ich hingegen finde es wunderbar, denn es ist das Zeugnis dafür, dass jeder Mensch, der Selbstarbeit leisten mag, in die tiefsten Tiefen seiner Seele, seiner seelischen Erinnerung hinein, Frieden und Glück finden kann. (Ich spreche hier von uns privilegierten Menschen, die nicht auf der Flucht sind, nicht in Krisengebieten wohnen oder derzeit keine Kriege erleben müssen.)
    Energie ist, wie die nonverbale Kommunikation, die mit dem Tag der Geburt als Erdenmensch zwischen Mutter und Kind beginnt, wahrnehmbar, auch ohne Akt und ohne Wort. Wir SIND – jeden Tag und jede Minute und somit die Möglichkeit der Veränderung. Wir sind als Menschen ein im Körper wohnendes feinstoffliches seelisches Sein. Und das strahlt aus, dank Ihnen, dank uns. Schön, wenn wir Menschen unsere Anbindung an Himmel und Erde als Geschenk begreifen können. Nicht Ihr Körper, nicht Ihre Worte sprechen zuerst. Was vor allem aussagekräftig, weil wahrnehmbar, fühlbar und sichtbar ist, ist Ihr Energiefeld. Und dieses ist jeden Tag unserer Erdenexistenz möglich zu bereinigen. Wir sind dabei nicht allein. Alle feinstofflichen Wesen um uns herum freuen sich über das immer reiner werdende Energiefeld, in das sie sprechen, es bewohnen und belichten können.

    Die Tibeter begreifen unsere Lebenszeit als einen Atemzug, ein „Ein- und Ausatmen“.
    Sei dieser Zug so tief als möglich ... .



    Anmerkungen:
    (1)   Aus der Erforschung des Energie- und Seelenraumes ist auch mein neues Buch entstanden: „Die Heilung der Seele. Mit Tiefenpsychologie und Seelenreisen gesund werden“.
    (2) Deutsch-Französische Praxis für Psychotherapie & Seelenbegleitung im Aquariana
    (3) siehe Aurafoto, Clara Welten, 2015

     

    Clara Welten                                                    Welten Aurafoto   Aurafoto Clara Welten
    Deutsch-Französische Praxis
    Psychotherapie, Seelenreisen, Rückführungen
    mobil: 0178 - 721 50 15, Tel. 030 - 46 99 87 61
    www.clarawelten.de

     

    zum Seitenanfang


    krauskopf

    „Den Hintern aus der Komfort-Zone ...“

    Dr. Karsten Krauskopf

    ... das war eine wichtige, immer wieder kehrende Aufforderung meiner Psychodrama-Lehrtherapeutin. Damit forderte Sie uns werdende TherapeutInnen immer wieder auf, uns in Bewegung zu setzen, um an unseren persönlichen Themen und therapeutischen Kompetenzen zu arbeiten. Zu Beginn der Ausbildung dachten wir TeilnehmerInnen: „Ich bin doch so müde ... Kannst du uns nicht einfach sagen, wie es geht und unsere Selbsterfahrung gleich mit erledigen!?“ Im Laufe der Jahre wendete sich das Blatt und wir konnten uns kaum noch auf den Stühlen halten, wollten endlich die Probleme, Sorgen und ungeklärten Fragen auf die Bühne zu bringen, um Wege zu finden, alles zum Besseren zu wenden. Das macht Psychodrama – es hilft uns, unsere Lebenslust und Kreativität wieder zu entdecken und – in der Gruppe oder in der Einzeltherapie – endlich den Mühlen des Alltags zu entkommen.

    Aber was ist Psychodrama?
    Das Psychodrama ist eine Individual- und Gruppenpsychotherapeutische Methode, die vom Arzt Jacob Levy Moreno (*1889 in Bukarest - +1974 in Beacon, NY) im Wien zur Zeit Freuds entwickelt wurde. Es basiert auf dem Ansatz, problematische Situationen nicht nur zu besprechen, sondern im Handeln in einem geschützten Rahmen – der „Bühne“ – neu zu erfahren und dadurch zu lösen. Besonders wichtig und besonders schön finde ich an dieser Methode, dass von Anbeginn ein soziales Menschenbild prägend war: Wir Menschen sind soziale Wesen und leben immer und überall in Beziehung zu anderen. Selbst wenn wir allein auf dem Sofa daheim sitzen, tragen wir alle möglichen Bilder, Stimmen und Meinungen anderer Menschen in uns. Moreno benutzt das Bild vom „Sozialen Atom“, das verdeutlicht, dass wir uns zwar auch als individuelle Personen sehen können – Kern dieses Atoms, dass aber Leben dort entsteht, wo wir uns ins Spannungsverhältnis mit anderen Menschen begeben. Dabei gilt, dass uns manche Menschen spontan eher anziehen und andere eher abstoßen. Das ist ganz natürlich.
    Es wird jedoch schwierig für uns Menschen, wenn sich Ungleichgewichte ergeben und wir uns gegenseitig nur noch verzerrt wahrnehmen. Das merken wir an Vorwürfen, die ungefähr so klingen: „Nie hörst du mir zu! ... Ich erkläre immer allen genau, was ich meine, aber die anderen geben sich keine Mühe! ... Ich verstehe genau, wie schwer du es hast, aber du hast mich noch nie verstanden!“ Dabei ist es nicht wichtig, ob wir solche Sätze denken oder sagen. Wir sind blockiert und nicht mehr wirklich in Kontakt mit unserem Gegenüber. Diese Lücken im sozialen Atom erzeugen Leid – rauben uns Lebensmut und -kraft.

    Wie hilft das Psychodrama, diese Wunden in unserem sozialen Geflecht zu heilen?
    Es gibt viele Techniken, die PsychodramatherapeutInnen einsetzen können. Das wichtigste aber sind aus meiner Sicht zwei Dinge:
    Es geht langsam los, und jeder kann sein oder ihr Tempo finden. Daher beginnt eine Psychodramatherapie und jede Sitzung mit einer Erwärmung. Ja, ganz richtig, wie beim Sport! Psychotherapie ist anstrengend und keine leichte Übung, darum achte ich darauf, genügend Zeit und Raum zu geben, dass sich die Fragen und Themen, die in der jeweiligen Sitzung bearbeitet werden können, durch sanften Einstieg an die Oberfläche „trauen“. Das klappt am besten, wenn sich die KlientInnen zuerst einmal wohl fühlen.
    Es kann nichts passieren – und trotzdem passiert ganz viel. Wir arbeiten auf der Bühne, d.h. ich biete einen Raum, in dem Sie so tun können „als ob“ ... Sie Ihrem Chef endlich einmal die Meinung sagen, Ihre Mutter Ihnen endlich die lang ersehnte Anerkennung schenkt oder Sie ausprobieren, wie es sich anfühlt, mit dem oder der neuen Geliebten in einer Wohnung zu leben. Klar, Sie tun „als ob“, aber Sie tun! Sie haben Ihren Hintern aus der Komfort-Zone bewegt.

    Als Psychodramatherapeut bin ich an Ihrer Seite – meinen sogenannten ProtagonistInnen – und biete Unterstützung, neue Verhaltensweisen auszuprobieren. Das schaffen Sie als ProtagonistIn, indem Sie z.B. die Position mit Ihrem Chef, Ihrer Mutter, der oder dem Geliebten tauschen und erleben, wie die Sätze, die Sie sonst sagen, sich aus der anderen Sicht anhören und anfühlen. Als Therapeut teile ich auch meine Empfindungen, die ich spüre, wenn ich mich in die verschiedenen Personen hineinfühle. Das alles hilft Ihnen als ProtagonistInnen, Ihre eigene Position besser zu verstehen und neue Wege zu gehen. Arbeitet man in der Gruppe, profitieren Sie zusätzlich von den geteilten Erfahrungen der anderen. Aber auch allein ist die Auseinandersetzung ebenso intensiv – hier nehmen wir Symbole, Stühle, Kissen und Decken zu Hilfe, um Ihre Bühne passend zu gestalten. Den Abschluss einer Sitzung bildet die Integration des Erlebens auf der Bühne im Gespräch.

    Am besten probiert man Psychodrama einmal aus, um es kennen zu lernen. Auch das Internet bietet inzwischen eine ganze Menge Quellen, in denen Sie weitere Informationen finden. Z.B. gibt es auf YouTube historische Aufnahmen, wie Moreno selbst gearbeitet hat. Seither hat sich jedoch einiges getan, und das sieht man z.B. in diesem Video. Mehr zur psychodramatischen Arbeit können Sie auf meiner Website oder dem Deutschen Fachverband für Psychodrama lesen.

    Dr. rer. nat. Karsten Krauskopf
    Diplom-Psychologe, Heilpraktiker für Psychotherapie
    Psychodrama, Coaching, Teamentwicklung
    Tel. 0177 - 480 36 74, www.krauskopf-therapie.de

     

    zum Seitenanfang


     

     

    Ralf Welti

    Faszien – ein Schlüssel zur Gesundheit?

    Manuelle Faszienbehandlung mit PostFascialTechnik (PFT)®

    Ralf Welti

    Faszien sind faserige, widerstandsfähige Gewebshäute, überwiegend durchscheinend dünn und von weißlicher Farbe, die den ganzen Körper durchdringen. Sie umhüllen, trennen und verbinden jede einzelne Struktur im Körper und bilden eine in sich geschlossene Einheit, ein dreidimensionales Netzwerk aus Eiweißfasern. Das Wort „Faszie“ weist auf das lateinische Wort „fascia“ für „Band, Bündel, Verbund“ hin.
    In der Alternativmedizin werden die Faszien schon länger beachtet. Die Schulmediziner haben die Faszien lange nicht berücksichtigt, weil sie nur ihren Blick auf die für sie wichtigen inneren Organe, Knochen und Muskeln verstellen. Heute sind auch die Mediziner dabei, die enorme Bedeutung der Faszien für uns zu entdecken.

    Spannungsnetzwerk Faszien
    Faszien bestehen vorwiegend aus kollagenen Fasern. Kollagen ist eine spezielle Eiweißsorte, von weißlicher Farbe und für Zugbelastung typisch, unter der die Faszien stehen. Die Dicke der Faser ist abhängig von der Stärke dieser Spannung, die auf die Faser einwirkt.
    Alle Faszienschichten sind miteinander verbunden und bilden ein Ganzes, ein Fasernetz durch den ganzen Körper hindurch. Es gibt keinen Teil im Körper, der nicht von einer Faszie umhüllt oder zumindest mit ihr verbunden ist. Würde vom Körper alles entfernt werden, außer seinen Fasern, so entstünde eine Blaupause, eine Vorlage für den gesamten Körper. Alle Teile des Körpers, wie beispielsweise einzelne Muskeln, Knochen und innere Organe, aber auch Nerven und Blutgefäße, wären in ihrer Form und inneren Strukturierung erkennbar.
    Ein Muskel z.B. ist von einer Faszienhülle umgeben. Und gleichzeitig sind die einzelnen Muskelschichten im Inneren des Muskels durch Faszienschichten voneinander getrennt. Wenn wir weiter in die Tiefe des Muskels vordringen, wird deutlich: von einzelnen Muskelbündeln bis hin zur kleinsten Einheit, der Muskelzelle, ist alles von Faszienhüllen umgeben. Die Faszien werden dabei immer zarter. Faszien können sich aber auch verdichten, zu einer Sehne zum Beispiel. Die Faszienhülle um den gesamten Muskel wird am Ende des Muskelbauchs zur Sehne und macht dann am Knochen fest.
    Der Knochen ist ebenso von einer Faszie umgeben, der Knochenhaut bzw. dem Periost. In den Muskel strahlen Nerven und Blutgefäße ein, die von einer Faszie umhüllt sind. Und zwischen all diesen Strukturen liegt ein feines Netz aus kollagenen Fasern.
    Alle Faszienstrukturen, und damit alle Teile des Körpers, stehen so in einer Verbindung zueinander. Spannungsänderungen werden über den gesamten Körper weitergeleitet.

    Funktionen der Faszien
    Die Faszien bilden ein Spannungsnetzwerk. Sie übertragen Zugspannungen, und ihre elastischen Anteile können Kräfte speichern, ähnlich wie ein Gummiband. Deshalb sind sie ein wichtiger Teil unseres Bewegungsapparates. Faszien umhüllen und stützen, polstern und schützen und geben so allen Teilen unseres Körpers Struktur und Form. Faszien ermöglichen die Beweglichkeit der einzelnen Körperteile gegeneinander.
    Die Fasern der Faszien sind von Wasser, Nährstoffen und beispielsweise Zellen des Abwehrsystems umgeben. Das Bindegewebe hat so wichtige Aufgaben beim Stoffwechsel und im Immunsystem.
    Faszien sind reich mit Rezeptoren des Nervensystems versorgt. Sie sind dadurch auch ein Sinnes- und Kommunikationsorgan. Die Faszien des Rückens beispielsweise sind dicht mit Schmerzrezeptoren besiedelt, und Veränderungen in diesen Faszien können die Ursache von Rückenschmerzen sein.
    In die Faszien sind Zellen eingelagert, die sich ähnlich wie Muskelzellen zusammenziehen können. In Bindegewebszellkulturen wurden rhythmische Bewegungen beobachtet und ein Zusammenhang mit Geweberhythmen, wie sie beispielsweise von Therapeuten in der Kraniosakralen Osteopathie wahrgenommen werden, wird diskutiert.
    Außerdem entstehen durch Be- und Entlastung von Faszien elektrische Spannungsänderungen im Bindegewebe, und dadurch verändern sich die elektromagnetischen Felder und elektrischen Potentiale des Körpers.
    Die Faszien gelten in der Alternativmedizin als das Bindeglied zwischen den Strukturen und den Energien des Körpers. Faszien zeigen ähnliche Verläufe wie die Meridiane der chinesischen Medizin.

    Störungen im Fasziensystem
    Bei Stress, Verletzungen oder Bewegungsmangel beispielsweise können Faszien miteinander verkleben und sich verdicken und dadurch verhärten.
    Es entstehen abnormale Spannungen in den Faszien, Bereiche mit zu viel Spannung und Bereiche mit zu wenig Spannung. Die Kontinuität der Faszien wird teilweise unterbrochen, einzelne Bereiche werden voneinander abgetrennt, die geschlossene Einheit des Fasziensystems geht verloren. Auf der strukturellen Ebene wird an dieser Stelle die Ganzheit des Menschen gestört.
    Die Beweglichkeit einzelner Körperstrukturen sowie des gesamten Körpers verändert sich. Aber auch der freie Fluss von Körperflüssigkeiten, wie Blut, Lymphe oder der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit, wird beeinflusst. Der Fluss der Körperenergien wird verändert. Die Nervenrezeptoren liefern andere Signale. Entzündungen können entstehen. Und durch das Netzwerk werden Störungen zu weit entfernten Körperstellen hin übertragen. Der gesamte Mensch wird beeinflusst und belastet.

    Einflussnahme auf Faszien
    Faszien können auf unterschiedlichste Weise positiv beeinflusst werden. Aktiv zum Beispiel mit Übungen wie Nervenmobilisationen, Dehnungen oder Sprungübungen. Passiv lassen sich Verklebungen und Verhärtungen oder abnormale Spannungen in den Faszien durch spezielle manuelle Griffe gut lösen. Auch über die Ernährung können Faszien günstig beeinflusst werden. Vitamin C ist zum Beispiel beim Aufbau der Faszienfasern sehr wichtig.

    Der Zentralkanal
    Eine besondere Faszienstruktur ist die Gehirn-Rückenmarkshaut, die Dura Mater oder, auf Deutsch, harte Gehirnhaut. Die Dura umgibt das Gehirn und das Rückenmark. Das besondere an ihr ist, dass sie im Wirbelkanal im Inneren der Wirbelsäule nicht festgewachsen ist, weil wir uns sonst nicht bewegen könnten. Wenn ich mich zum Beispiel nach vorne unten beuge, dann rutscht das gesamte Rückenmark etwas nach oben, und dies wäre nicht möglich, wenn die Dura im Rückenmarkskanal fest gewachsen wäre.
    Über die Dura können nun Spannungen direkt vom Beckenbereich in den Kopfbereich übertragen werden und umgekehrt. Auf der Höhe jedes Wirbels befinden sich links und rechts Nervenabgänge mit Faszienhüllen, die die Spannungen in den gesamten Körper hinein tragen können.
    Die Dura ist auch der Bereich, wo in den östlichen Konzepten die Lebensenergie fließt. Im chinesischen Meridiansystem ist die Dura der Bereich des Lenkergefäßes. Im Kundalinisystem ist die Dura der Bereich von Sushumna, dem Hauptkanal. Ich bezeichne diesen ganzen Komplex aus den Faszien und den Energiebahnen als den Zentralkanal.
    Meinem Verständnis nach entwickeln sich bei länger anhaltendem, starken Stress in den Faszien des Zentralkanals abnormale Spannungen. Es entstehen, je nach Stress, typische Spannungsverteilungen, verschiedene dauerhafte fasziale Spannungsmuster. Der Stress wird auf die fasziale Ebene verschoben und dadurch fixiert. Der ganze Mensch muss sich dann an diese Muster anpassen. Über das Lösen solcher Muster kann ich meiner Erfahrung nach tiefgreifende Veränderungen ermöglichen. Mehr dazu in einem späteren Newsletterbeitrag.

    PostFascialTechnik (PFT)®
    Faszien verbinden und umhüllen alle Körperstrukturen. Faszien stehen in enger Verbindung mit den Körperfunktionen. Für mich sind die Faszien deshalb ein wichtiger Schlüssel zur Gesundheit, sie stehen im Mittelpunkt meiner Behandlungen.
    Um dies auszudrücken, habe ich für den manuellen Teil meiner Arbeit den Namen PostFascialTechnik (PFT)® gewählt. Die PostFascialTechnik (PFT)® ist eine von mir begründete Behandlungsmethode mit dem Ziel, Spannungsmuster im Zentralkanal zu lösen und die Einheit der Faszien wieder herzustellen.
    Ich kombiniere die PostFascialTechnik (PFT)® mit klassischen Techniken der Faszienbehandlung aus der Osteopathie, passenden physiotherapeutischen Methoden und aktiven Übungen für Muskeln und Faszien. Schwerpunkte meiner Behandlungen liegen im Bereich des Stütz- und Bewegungsapparates und des Nervensystems, im Lösen von alten Blockaden und von gespeichertem Stress, sowie bei der Ernährung.


    Ralf Welti
    Heilpraktiker und Physiotherapeut
    Faszientherapie
    Schwerpunkt: Orthopädie, Neurologie, Blockaden und Stress, Ernährung
    Tel. 0176 – 38 85 66 48, mail@ralfwelti.de
    www.RalfWelti.de | www.PostFascialTechnik.de

    Infoabend Faszientherapie (Theorie und Praxis)
    Montag, 9. März, 19:00 - 20:00 Uhr
    Eintritt frei.

    zum Seitenanfang



    Karin Klepsch

    Faszientherapie und Perzeptive Pädagogik

    Meine Arbeit mit der Methode Danis Bois

    Karin Klepsch

    Ich erinnere mich noch sehr gut an meine erste Behandlung nach der Methode Danis Bois. Unter den Händen meines damaligen Therapeuten hatte ich plötzlich ein Körpergefühl, von dem ich sofort wusste, dass ich es lange, sehr lange entbehrt hatte. Erst zu Hause, als ich mich auf mein Bett legte, kamen mir die Worte zu meinem Gefühl: Ich bewohnte meinen Körper, war sozusagen in mich selbst eingezogen. Anstatt einen Körper mit mir herumzuschleppen, der nur widerwillig meinem Willen gehorchte, hatte dieser - zunächst wenigstens für ein paar Stunden - den Status des Leibes, des lebendigen Körpers als gleichberechtigten Partner meines Geistes eingenommen. 

    Wie war dieses neue Körpergefühl zustande gekommen? In der Ausbildung in Perzeptiver Pädagogik, die ich einige Monate danach begann, lernte ich, dass dieses wunderschöne Gefühl dann entsteht, wenn die innere Bewegung - eine organische, autonome Regulationskraft - in das Gewebe Einzug hält. In das Gewebe, insbesondere in die Faszien.

    Die Faszien umhüllen sämtliche Muskeln, Bänder, Gelenke, innere Organe.  Sie bilden eine Art multidimensionales Spitzengewebe, das sich kontinuierlich vom Kopf zu den Füßen und von der Tiefe zur Oberfläche des Körpers erstreckt. Die extrem filigranen Faszien, die also alle zusammenhängen, bewegen sich autonom und rollen sich in der tiefen, gedämpften Stille unseres Körpers nach eigenen Gesetzen ein und aus. Sie sind aber auch sehr stressanfällig. Beim geringsten Stress, Trauma, erstarren sie. Dauert der Stress zu lange an, dann nehmen sie ihre Bewegung nicht mehr auf, sondern verbleiben in ihrer Starre. Im Laufe unserer Geschichte werden so sämtliche Geschehnisse unseres Lebens in die Faszien eingeschrieben. Als Danis Bois dies erkannte, nannte er die Faszien das „psychische Skelett des Menschen“. 

    In der Ausbildung lernte ich, dass der Körper viel mehr ist als ein Unterbau, der den Kopf trägt, viel mehr als eine Maschine, die zu funktionieren hat, viel mehr ist als Gelenke, Organe und Knochen, die sich nur dann bemerkbar machen, wenn sie schmerzen. Ich erlebte, dass der Körper mehr ist als die Summe seiner anatomischen Teile. Je mehr ich mich traute, in ihn vorzudringen, um so mehr fand ich mich, den Teil von mir, der sich zwar zurückgezogen hatte, der aber in der tiefen verborgenen Stille des Körpers darauf wartete, sich wieder ausdrücken zu dürfen. 
    Ich lernte, dass ich keinen Körper berühren kann, ohne die Person, ohne ein Wesen zu berühren: ein Wesen mit seiner Geschichte, mit seinen Verletzungen, aber auch ein Wesen mit seinem Potenzial, mit seiner eigenen Intelligenz, mit seiner eigenen, tiefen Weisheit. Ich lernte diesen Körper so zu berühren, dass dieser unter meiner sanften, zuhörenden Berührung aus einer Erstarrung aufwacht. Er beginnt Stückchen für Stückchen, Schicht für Schicht, zu schmelzen, wird warm und geschmeidig. Es ist eine ganz besondere Berührung: eine Berührung, die, in ihrer Sanftheit, in ihrem Nichtwollen, in der Weite ihres Willkommenheißens, dem Menschen  sofort ein Gefühl von Vertrauen vermittelt. Er fühlt sich angenommen und gehört, und sein Wesen beginnt sich über sein Gewebe auszudrücken. Dann beginnt, jedes Mal neu für mich nach so vielen Jahren der Praxis, ein berührendes Geschehen: Der Körper unter meinen Händen beginnt zu „sprechen“. Diese Sprache ist eine Art Tonusdialog. Ohne auf der Kleidung zu rutschen (die Behandlung erfolgt in Straßenkleidung) folgen meine Hände der Bewegung der Faszien, der Richtung, die der Körper mir vorgibt. Sie führen mich unweigerlich, in einer sehr langsamen, sehr feinen Bewegung hin zu einer Stelle, die erstarrt ist, die aber im Stillen danach ruft, gehört zu werden. Dort warte ich, Zeit und Raum und Halt gebend, bis diese Stelle erkennt, dass sie sich zeigen darf, dass keine Gefahr droht, dass sie ihre Starre und Eiseskälte aufgeben und in die innere, sanfte, warme Liebkosung, der sie ausgesetzt wird, hineinschmelzen kann. Sie tritt aus ihrer Verkapselung aus und wird in das Gebilde der sich bewegenden Faszien wieder aufgenommen. Das daraus resultierende Körpergefühl ist voller, ganzer, wärmer. 

    Mit der Zeit beginnt sich die Person anders wahrzunehmen, in Kontakt mit diesem Körpergefühl, mit dieser inneren Bewegtheit zu kommen. Und sie lernt diesen Zustand zu schätzen, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie merkt, dass sie sich in diesem Zustand auch anders verhält, ihre Gedanken sie nicht mehr peinigen sondern kreativ werden, sie Stille und Frieden erfährt. So berichten Patienten sehr häufig, staunend, wie sie sich in einer bestimmten Situation, ohne es sich vorgenommen zu haben, unerwartet vollkommen anders verhalten haben: „ich habe mich gar nicht aufgeregt“; „ich konnte einfach nein sagen“; „ich sehe mein Problem gar nicht mehr als Problem an“. Leider fällt es den meisten Patienten erst mal schwer, diesen Zustand mitten im Alltagsstress über längere Zeit aufrecht zu halten. Dann entsteht häufig der Wunsch, sich auch selber helfen zu können. 

    Spätestens dann biete ich der Person eine meiner Bewegungsgruppen an. Dort lernen wir in kleinen Gruppen einfache Bewegungsabfolgen, die in einer Langsamkeit ausgeführt werden, die der Bewegung im Inneren unseres Körpers entspricht. Darüber wird der Körper an diesen Zustand erinnert, die innere Bewegung wird neu mobilisiert. Auch in diesen Übungen können erstarrte, unbewegliche Stellen in das Gewahrsein kommen und beweglich werden. So sagte vor kurzem eine Teilnehmerin einer Bewegungsgruppe nach einer Übung im Sitzen, während derer sie eine harte, unbewegliche Stelle im Hals gespürt hatte: „Diese Stelle ist umzingelt von Weichheit. Ich bin gespannt, wie lange sie dieser Weichheit noch widersteht“.

    Wenn die Person es möchte, bekommt sie, wie diese Teilnehmerin, die Gelegenheit, die Erfahrung, die sie während der manuellen Behandlung oder während der gestischen Bewegung gemacht hat, zu beschreiben. 

    Die Bewegungsgruppen sind also eine weitere Möglichkeit, zum Körper und also zu sich selbst eine andere Beziehung einzugehen. Die Patienten, die diese teils sehr einfachen, langsamen Bewegungen lernen und zu Hause üben, berichten davon, wie gut sie ihnen tun: Sie helfen, wieder einzuschlafen, wenn sie nachts wach liegen, ruhiger zu werden, wenn sie gestresst sind, wieder verbunden zu sein, dort, wo sie sich vielleicht zerrissen fühlen. 

    Meine Arbeit hier im Aquariana besteht aus Einzel- und Gruppensitzungen. Alle erfolgen in normaler Kleidung. Ich bediene mich fast ausschließlich der Werkzeuge der Methode Danis Bois, d.h. der manuellen Behandlung, der gestischen Bewegungen, der Meditation, des Gesprächs. Ob mit der Hand, wenn ich dem Gewebe folge, mit dem Auge, wenn ich Ihnen zuschaue, wie Sie die Bewegungsübungen machen, mit dem Ohr, wenn Sie sprechen, nehme ich immer mit meinem ganzen Wesen wahr, wobei es mir immer darum geht, Sie an den Ort in Ihnen zu bringen, wo Sie wieder in Kontakt mit dem Leben, mit dieser Wachstumskraft kommen. 

    Vielleicht haben Sie Lust, auf meiner Webseite weiterzulesen: www.karinklepsch.de
                                          oder mich anzurufen: 0151 - 19 44 67 46

    Karin Klepsch
    Heilpraktikerin
    Perzeptive Pädagogik
    Mobil: 0151 19446746
    KarinKlepsch@gmx.net | www.karinklepsch.de

    Meine Gruppenangebote "Gestische Bewegung", auch zum Kennenlernen:
    Dienstags, 11:30 - 13:00
    Donnerstags, 11:00-12:00
    Montags, 18.15 - 19:45 (Fortgeschrittene)

     

    zum Seitenanfang


    Christian Lisker

    Liebeskummer

    Die Weisheit der Traurigkeit und wie man sie nutzen kann, um wieder lieben zu können
    Christian Lisker

    Eine Geschichte, der ich in meiner Praxis häufig begegne, geht so:
    Zwei lieben sich. Sind glücklich. Wollen zusammen alt werden. Haben schon Namen für den Nachwuchs ersponnen in lauschigen Nächten auf Kreuzberger Dächern. Trinken Wein aus Flaschen. Im Soundtrack dazu erklärt einer seiner Liebsten, für sie höre er sogar Platten, die er nicht möge.

    Zwei Jahre später. Die Kinder sind schon da oder noch nicht. Der Kaffee, den er ihr früher noch ans Bett gebracht hat, ist längst eiskalt geworden. Die Rosen von einst sind nachhaltig mumifiziert. So wie der Rest von Verliebtsein. Romantik? Eine Anekdote von gestern. Die gemeinsamen Zukunftspläne für das andauernde Leben in Liebe und Leidenschaft: ebenso.

    Nicht, dass das immer die Story des Lebens wäre. Aber oft genug leider doch. Und wenn es so weit ist, mag man sich nur noch unter der Decke verkriechen, um den Flutwellen der eigenen Gedanken und Gefühle halbwegs trotzen zu können. Und das kann ganz schön heftig werden:

    Unsägliche Verzweiflung, weil man glaubt, nie wieder lieben zu können oder nie wieder geliebt zu werden – und auch noch selbst daran schuld zu sein;
    Zerstörtes Selbstwertgefühl, weil man Zweifel daran hat, ob man überhaupt liebenswert, geschweige denn attraktiv ist – oder jemals war;
    Der Drang, alle Einzelheiten der Beziehung und der Trennung in Gedanken genau zu durchleuchten – und sich gründlich dafür fertig zu machen, dass man dies zu jener Zeit besser nicht gesagt hätte, sonst wäre man jetzt ja noch zusammen…
    Das Gefühl, dass dieser Schmerz niemals enden wird.

    Das alles und noch mehr ist manchmal der Preis dafür, sich auf eine Liebesbeziehung eingelassen zu haben: zwanghafte Gedanken, wilder Selbsthass, unbezwingbare Unruhe, Angstzustände - und viele, viele Tränen. Und wäre das nicht schon schlimm genug, gelten Tränen hierzulande auch noch als Indiz für ein Problem, das gelöst werden muss. Wenig hilfreich. Dabei sind sie immer auch und vor allem Zeichen für authentische Gefühle. Und deshalb kommt hier Nummer 1 auf der Liste der Dinge, die man tun kann, wenn der Liebeskummer zuschlägt:

    Trage deine Tränen mit Stolz!

    Ich glaube: Wer alle Hemmungen hinter sich gelassen hat und außer sich vor Liebeskummer zitternd und bebend weint, hat sich auf das pralle Leben voll und ganz eingelassen, ohne Vorbehalte geliebt, mit offenem Visier gekämpft – und findet sich nun Auge in Auge mit einer unbequemen Grundwahrheit des Lebens wieder: Ein gutes Leben – jedes gute Leben – enthält immer auch traurige Momente. Die manchmal leider so traurig sind, dass man es kaum aushalten kann. So ist es. Man ist lebendig gewesen und wurde dabei verwundet. Man hat erkannt, dass es keinen Ausweg aus der eigenen Lage gibt und dass sie sich nicht reparieren, rückgängig machen oder ignorieren lässt. Und man ist nicht davor weggelaufen. Dafür hat man sich einen großen imaginären Tapferkeitsorden verdient. Zumindest aber wäre so etwas wie eine Haltung des Stolzes angesichts der eigenen Stärke durchaus hilfreich, die Tränen schließlich zulassen zu können. So erhält man Zugang zu heilenden Energien, die einem am Ende helfen, den einzigen Weg zu gehen, der wirklich hilft: nicht an der Traurigkeit vorbei. Sondern durch sie hindurch. Dieses Gefühl ist eine angebrachte und angemessene Reaktion auf den Verlust der Liebe. Und sie bietet einem die Möglichkeit, sich von allem, was nicht authentisch ist, zu befreien. Du findest heraus, wer du bist und was wichtig in deinem Leben ist. In echter Traurigkeit steckt eine tiefe innere Weisheit. Sie führt dazu, die Dinge, die man nicht ändern kann, so sein zu lassen, wie sie sind. Zu fühlen, was man fühlt. Man muss sich eines gebrochenen Herzens nicht schämen.

    Aber wie kriege ich das hin? Hilfreich ist - und deshalb die Nummer 2 auf der Liste der Dinge, die man gegen Liebeskummer tun kann:

    Entwickle Mitgefühl für dich selbst!

    Es hilft, sich die Frage zu stellen: Was würde ich tun, wenn mein bester Freund oder meine beste Freundin in einer solchen Situation wäre? Würde ich sie schief von der Seite ansehen, ignorieren, ihr Vorwürfe machen oder die Schuld an der ganzen Misere geben? Oder würde ich nicht viel eher versuchen, sie in die Arme zu nehmen, mich mit ihr solidarisch zu erklären und ihr irgendwie zur Seite zu stehen, egal wie? Es geht darum, sich selbst dieselbe Liebe und Freundschaft entgegenzubringen. “Ich bin mir selbst wie ein bester Freund, eine beste Freundin” – dass dies wirklich verinnerlicht werden kann, ist mir deshalb eines der wichtigsten Anliegen in meinen Beratungen. Und: Sei sanft zu dir selbst. Nimm deine eigenen Erfahrungen an, ohne sie zu beurteilen und ohne sie reparieren zu wollen. Sanftheit ist eine Form von Mut. Wenn man die Dinge anerkennt, wie sie sind, werden sie sich früher oder später beruhigen.

    Hilfreich kann da sein, an den eigenen Kummer wie an ein kleines Baby zu denken, das völlig durcheinander ist – ein Kind, dass man über alles liebt. Sicherlich würde man kaum sagen: “Na, da bist du aber selber schuld daran, wenn du hier schreiend aufwachst! Ich habe dir zigmal gesagt, du sollst nicht auf dem Bauch schlafen! Jetzt reiß dich zusammen!” Man wird auch nicht analysieren, was vorher war oder was später sein wird. Alles, was du tust, ist: das Baby in Liebe in deine Arme zu nehmen und bei ihm zu bleiben, bis die letzte Träne getrocknet ist.

    So, wie man auch bei sich selber bleiben kann, wenn man an Liebeskummer leidet. Du nimmst mit dir selber Kontakt auf, genauso, wie du bist, beobachtest dich sanft und ohne zu urteilen – und bleibst so lange an deiner Seite, wie es eben dauert, egal, was andere meinen, was gut für dich sei. Ein gebrochenes Herz muss man genau wie ein schreiendes Baby akzeptieren, wie es ist. Dann beginnt es, sich zu beruhigen.

    Sehr hilfreich ist die Einübung einer Form von Sitzmeditation und Achtsamkeitspraxis. Darin kann man lernen, seinen Emotionen nicht als Feinden zu begegnen, die es zu überwältigen gilt, sondern als verwundeten Freunden, die der liebevollen Zuwendung bedürfen. Dabei benutzt man den Atem als Anker und verfolgt achtsam, wie er ein- und ausfließt, immer wieder. Dazwischen funkende Gedanken werden einfach zur Kenntnis genommen, dann kehrt man sanft und ohne sich zu verurteilen zur Selbstverständlichkeit seines Atems zurück, immer wieder. Du bemerkst einen Gedanken – berührst ihn kurz mit deiner Aufmerksamkeit – und lässt ihn dann wieder gehen. Meditation kultiviert Gelassenheit, Freude, Vitalität und Liebe und hilft uns, mit Angst, Wut und Verzweiflung umzugehen. Ein Wandel wird herbeigeführt, der unsere eigene, angeborene Fähigkeit zu innerem Frieden und Entspannung wieder zutage bringt.

    Ich helfe Ihnen gerne dabei, mit dem eigenen Liebeskummer gut leben zu können. Dafür wie auch zu allen möglichen anderen Fragen rund um das Thema Beziehung und Zweisamkeit biete ich Einzel- und Paarcoachings an. Eine gute Veranstaltung, um dem Thema Meditation und achtsames Selbstmitgefühl näher kommen zu können, ist mein dreiteiliger Kurs “Selbstliebe. Einübung in die Freundschaft mit sich selbst”, der am 19.11. beginnt (weitere Termine: 3.12., 17.12.) und zu dem ich Sie herzlich einladen möchte.

     

    Christian Lisker
    Systemisch-integrativer Beziehungscoach
    www.liebenszeichen.com | kontakt@liebenszeichen.com
    Tel. 030 - 57 70 02 88


    Selbstliebe. Einübung in die Freundschaft mit sich selbst
    Mittwochs, 20:00-22:00 Uhr
    Termine: 19.11., 3.12., 17.12.14
    Kosten: € 60,- / 3 Abende

    zum Seitenanfang

     


     

    Dr. Jochen Meyer

     

    Wozu Liebeskummer gut sein kann

    Dr. phil Jochen Meyer

    Liebeskummer: Wer kennt es nicht, dieses zersetzende, brennende Gefühl von Verlust, Entbehrung und Schmerz. Wer kennt sie nicht, diese unerfüllte Sehnsucht nach Liebe; nach einer Liebe, die da war oder fast erreichbar schien. Dieses emotionale Loch, das scheinbar niemals mehr gefüllt werden kann. Dieses permanente Kreisen der Gedanken um den nicht mehr erreichbaren Partner, die zerbrochene Beziehung, das verlorene Liebesglück. Dieses verzweifelte, immer wiederkehrende Rufen des inneren Kindes: „Komm zurück! Gib' mir deine Liebe! Lass mich nicht allein!“

    Wer an Liebeskummer leidet, hat vermutlich gerade keine gute Zeit. Doch er hat die einmalige Chance, zu wachsen und einen großen Schritt in seiner seelischen Entwicklung zu machen. Er hat die Chance, liebesfähiger und beziehungskompetenter zu werden.

    Liebeskummer entsteht, wenn wir nicht in Kontakt sind; wenn wir weniger eine reale Person lieben als vielmehr unsere eigenen, idealen Bilder, die wir uns von einem begehrten Menschen oder einer Beziehung machen. Sind wir wirklich in Kontakt, leben wir auf Augenhöhe und sehen den anderen mit seinen Licht- und Schattenseiten, dann trauern wir, wenn wir verlassen werden oder wenn eine Liebe zu Ende geht. Aber wir verzehren uns nicht vor Liebeskummer. Wir trauern dann um das Verlorene, aber wir grämen uns nicht oder entwerten uns bis hin zur Selbstaufgabe.

    Liebeskummer entsteht, wenn wir ein dynamisches Geschehen – und Liebesbeziehungen sind immer dynamisch – in einen statischen Zustand verwandeln wollen, um daran festzuhalten. Wir tun dies aus Angst, etwas zu verlieren, das uns einzigartig und unwiederbringlich erscheint. Die Quelle für Liebeskummer ist somit Angst – Angst, verlassen zu werden; Angst, nicht zu kriegen, wonach wir uns sehnen; Angst, die schönen Gefühle von Begehren und Begehrtwerden zu verlieren und damit genau das, was uns in diesen wundervollen, entrückten Zustand des Verliebtseins versetzt ...

    Was für eine Illusion! Hier haben wir die Chance, mit einem großen Missverständnis aufzuräumen: Liebe ist nicht etwas, das wir kriegen müssen und von dem wir abhängig werden – Liebe ist etwas, das wir geben können. Liebe ist etwas, das wir hervorbringen und fließen lassen können, wenn wir im Gebemodus sind. Und: Liebe ist immer da, wenn wir imstande sind, sie zu sehen.

    Liebeskummer geht oft einher mit Gedanken wie „Nur du kannst mich glücklich machen! Nur unsere Beziehung kann mir Erfüllung geben! Nur mit dir kann ich mich ganz fühlen!“ Glaubenssätze wie diese führen uns jedoch unweigerlich in die Sackgasse. Wir delegieren unser Glück an andere, die dafür zuständig sein sollen, dass wir uns glücklich oder ganz fühlen. Dieser Versuch kann nur scheitern, denn damit geben wir die Macht über unser Glück an andere ab. Liebeskummer ist dann vergleichbar mit einer Sucht: Nur was uns von außen zugeführt wird, scheint uns Erfüllung geben zu können. Nur was wir von jemand anderem bekommen, scheint uns von unserem gefühlten Mangelzustand erlösen zu können. Im einen Fall ist das Suchtmittel eine Droge; im anderen die Bestätigung oder Zuwendung von Seiten des geliebten Partners. Das Ausmaß meines Liebeskummers zeigt mir allerdings nicht die Größe meiner Liebe, sondern die Stärke meiner Abhängigkeit.

    Zum Glück ist der Ausweg aus dieser Sackgasse relativ einfach. Drehen wir den Glaubenssatz doch einmal um: „Nur ich kann mich glücklich machen – und nur ich selbst kann mich ganz fühlen.“ Finden wir Wege, mit uns selber glücklich zu sein so brauchen andere nicht länger unsere emotionalen Löcher stopfen. Finden wir das Glück in uns, werden wir unabhängiger und weniger bedürftig. Wir haben mehr zu geben und werden allmählich wirklich liebesfähig. Wir sind dann innenverbunden, und um so mehr wir dies werden, desto größer wird unser Vertrauen. Wir können die Angst loslassen, wir könnten unsere Liebe verlieren, unseren Liebespartner, unser Erfülltsein, weil wir spüren, dass wir im tiefsten Innern längst erfüllt sind.

    Aus meiner Erfahrung als Singlecoach und Paarberater und meiner eigenen Lebenserfahrung kann ich bestätigen: Erfüllende Liebesbeziehungen entstehen aus einem erfüllenden Leben, das wir unabhängig von einem Partner führen. Dieses erfüllende Leben entsteht aus einem inneren Reichtum, der sich in äußeren Momenten des Erfülltseins spiegelt. Es entsteht, weil ich das Glück in mir suche und finde und aufhöre, es von anderen kriegen zu wollen. Es entsteht, weil ich mehr auf meine Liebes- und Gebefähigkeiten achte und diese behutsam und kontinuierlich weiterentwickele. Es entsteht, weil ich Liebe als Seinszustand begreife und versuche, immer mehr darin zu leben.

    Auch wenn die Hinwendung nach Innen der Weg ist, bedeutet dies nicht, dass wir dies allein tun müssten. Im Gegenteil: Wir brauchen Menschen, die diesen Weg vor uns gegangen sind genauso wie Menschen, die ihn mit uns gehen. Wir brauchen andere, die uns dabei unterstützen, ermutigen und begleiten. Wir brauchen Gleichgesinnte und den Austausch mit anderen Übenden, wenn wir wirklich bei uns selber ankommen wollen. Nur in Kontakt mit anderen lernen wir, wie Beziehungen gelingen. Deshalb sind achtsam geleitete Gruppenangebote so wertvoll, weil wir hier im Kleinen erfahren können, was wir in unseren Liebesbeziehungen auf Dauer verwirklichen wollen. Nähren wir uns selbst und bewegen uns in einem unterstützenden Feld von liebevollen Menschen, so fühlen wir uns verbunden und getragen. Dann haben wir auch genügend Halt, den Verlust eines Liebespartners zu verschmerzen, sollten wir tatsächlich einmal verlassen werden. Leben wir auf solche Weise aus uns selbst heraus, dann spüren wir unser Verbundensein. Wir fühlen uns auch vom Leben geliebt und nicht von ihm bestraft oder alleingelassen. Leben wir in einem Feld von Liebe, dann entziehen wir dem Liebeskummer den Boden, und wenn eine Liebe zu Ende geht oder unser Partner uns verlässt, ist immer noch genügend Liebe in unserem Leben da.

     

    Dr. phil. Jochen Meyer
    CoreDynamik-Trainer und -Therapeut
    Single-Coaching und Paarberatung
    Tel. 030 – 77 90 61 27, www.jochen-meyer-coaching.de

    Vortragsreihe für Singles
    „Die sechs Schritte zur erfüllenden Partnerschaft“
    Termine: Freitag, 7. und 21.11.14, 20:00-22:00 Uhr
    € 12,-/Abend

     

    zum Seitenanfang


     

     

    welti

    Die Bedeutung des Beckenbodens als Teil des tiefen Muskelsystems.

    Über manuelle Therapiemethoden, Rückenprobleme und Inkontinenz, für Frauen und Männer.

    Ralf Welti

    Der Beckenboden ist Teil des tiefen Systems aus kleinen Muskeln, die den Rumpf und die Wirbelsäule stabilisieren. Oft liegt eine Schwäche in diesem System vor und Probleme wie Rückenschmerzen und Inkontinenz können entstehen. Ein Training des Beckenbodens stabilisiert das gesamte tiefe System an kleinen Muskeln und die Beschwerden bessern sich dann.
    Beckenbodentraining ist auch für all diejenigen wichtig, die über manuelle Therapiemethoden oder Körperarbeit Blockaden und Verspannungen abbauen wollen.

    Die muskuläre Situation des Körpers
    Kein Mensch besitzt nur schwache Muskeln. Normalerweise liegt eine muskuläre Dysbalance vor, das heißt manche Muskeln sind zu schwach und andere Muskeln sind zu stark. Oft sind die tiefen, kurzen Muskeln, die direkt am Knochen anliegen, schwach und die darüber liegenden oberflächlichen, langen Muskeln stark. Diese oberflächlichen, starken Muskeln können die Schwäche der tiefen Muskeln kompensieren, sind aber dadurch, dass sie nicht nur ihre normale Funktion erfüllen, überlastet, verspannen und können schmerzen.
    Oberflächliche und tiefe Muskeln besitzen unterschiedliche Aufgaben. Generell lässt sich sagen, dass die oberflächlichen Muskeln für die Kraftentwicklung zuständig sind und die tiefen Muskeln für Stabilität und die Gelenkmechanik. Die Gelenkmechanik ist das Zusammenspiel der einzelnen Teile eines Gelenkes während einer Bewegung.

    Das „innere Korsett“
    Die tiefen Muskeln bilden ein zusammenhängendes System, bestehend aus den kurzen Muskeln die der Wirbelsäule anliegen, dem innersten Bauchmuskel, der den Bauch wie einen Gürtel umgibt und dem Beckenboden, der den Rumpf nach unten hin abschließt. Dieses System wirkt wie eine Art „inneres Korsett“. Reagiert ein Muskel dieses Systems, so spannen normalerweise alle Muskeln dieses „inneren Korsetts“ an. Bei der Anspannung eines Muskels verkürzt sich dieser, so dass bei der Anspannung des „inneren Korsetts“ sich alles in Richtung Körperinneres bewegt, also Bauchwand, Rücken und Beckenboden. Muskeln haben immer eine gewisse Grundspannung, die je nach Situation vom Körper automatisch angepasst wird. Dadurch werden der Rumpf und die Wirbelsäule stabilisiert, und die inneren Organe werden an ihrem Platz gehalten.

    „Zivilisationskrankheit“: Muskelschwäche der tiefen, kurzen Muskeln
    Die tiefen Rückenmuskeln und der innerste Bauchmuskel sind oft schwach, das heißt, sie besitzen eine zu geringe Grundspannung. Bei Frauen ist der Beckenboden durch den zusätzlichen Durchgang der Scheide gegenüber dem männlichen Beckenboden anfälliger für eine Schwäche. Bei der Geburt eines Kindes wird der Beckenboden überdehnt wie bereits während der Schwangerschaft die gesamte Bauchwand, so dass Rückbildungsgymnastik ein Muss ist. Aber auch Männer zeigen muskuläre Schwächen im Bereich des Beckenbodens.
    Bei einer Schwäche des „inneren Korsetts“ sind durch Instabilitäten an der Wirbelsäule Rückenprobleme typisch oder zum Beispiel kann durch die Absenkung der Harnblase eine Inkontinenz entstehen. Das muskuläre Training des „inneren Korsetts“ ist dann die erste Wahl.
    Wichtig ist, dass alle Therapiemethoden, die Blockaden oder Verspannungen abbauen, diese muskuläre Dysbalance noch weiter verschärfen können. Die Wirbelsäule wird durch diese Therapie beweglicher und muss vom Körper zusätzlich muskulär stabilisiert werden. Die oberflächlichen Muskeln kompensieren die Schwäche der tiefen, stabilisierenden Muskeln und verspannen jetzt noch mehr. Werden dann auch diese oberflächlichen Verspannungen abgebaut, geht die Kompensation verloren und die Schwäche der tiefen Muskeln kommt zum Tragen.
    Deshalb ist das muskuläre Training des „inneren Korsetts“ auch für all diejenigen sinnvoll, die über manuelle Therapiemethoden oder Körpertherapie an sich arbeiten.

    Der Beckenboden im Yoga
    Interessant finde ich, dass auch östliche Methoden mit Kontraktionen des Beckenbodens arbeiten. Manche Yoga-Traditionen wollen über spezielle Meditationstechniken mit Anspannung des Beckenbodens die schöpferische Lebensenergie Kundalini aktivieren. Diese Lebensenergie ruht nach ihrer Vorstellung im Bereich des Beckenbodens und steigt dann entlang der Wirbelsäule nach oben auf.
    Nach westlichen Erkenntnissen verursacht eine stärkere Muskelspannung im Beckenboden eine stärkere muskuläre Anspannung der kleinen Muskeln an der Wirbelsäule und damit auch höhere elektrische Potentiale in den zugehörigen Arealen für Beckenboden und Wirbelsäule im Gehirn.
    Parallelen zwischen östlichen Konzepten und westlichen Vorstellungen sind für mich unverkennbar.

    Muskeltraining
    Oberflächliche, lange und tiefe, kurze Muskeln besitzen unterschiedliche Aufgaben. Dieser Sachverhalt ist für das Muskeltraining entscheidend, da durch die unterschiedlichen Aufgaben der Muskeln diese auch unterschiedlich trainiert werden müssen. Würde zum Beispiel versucht, die tiefen Muskeln mit großen Kräften (Gewichten) anzusprechen, so kann das nicht gelingen, da die tiefen Muskeln nicht für Kraftentwicklung zuständig sind und die oberflächlichen Muskeln würden automatisch reagieren, da dies ihre Aufgabe ist.
    Zum selektiven Training der tiefen Muskeln, ohne die oberflächlichen Muskeln anzusprechen, müssen die tiefen Muskeln entsprechend ihrer Funktion trainiert werden, das heißt, als Stabilisatoren. In der Praxis bedeutet dies, dass vor allem mit kleinen Kräften gearbeitet werden muss, dass vor allem ein gedankliches Ansprechen der tiefen Muskeln über Visualisierung erfolgt.

    Training des „inneren Korsetts“ über den Beckenboden
    Das „innere Korsett“ lässt sich schwerer trainieren, als oberflächliche Muskeln, wie zum Beispiel der Bizeps am Oberarm. Die tiefen Muskeln können zur Kontrolle ihrer Anspannung nicht direkt getastet werden und die tiefen Muskeln reagieren normalerweise unwillkürlich. Andererseits reagiert das gesamte „innere Korsett“ wenn ein einzelner Teil davon angesprochen wird. Wird zum Beispiel der innerste Bauchmuskel angesprochen, dann reagieren auch der Beckenboden und die tiefen Muskeln an der Wirbelsäule. Prinzipiell ist es egal, über welchen dieser drei Teile das „innere Korsett“ aktiviert wird. Das Training des „inneren Korsetts“ über den Beckenboden lässt sich verhältnismäßig einfach durchführen und hat sich bewährt.

    Bei Schwächen im Bereich des „inneren Korsetts“ meiner Klienten leite ich deshalb Beckenbodenübungen an.
    Das Ansprechen des Beckenbodens erfolgt über die geistige Vorstellung der Bewegung, die der Beckenboden während der ersten Anspannungsphase durchführt. Der Beckenboden bewegt sich während dieser Phase in Richtung Körperinneres, wo er dann während der gesamten Anspannung verbleibt.
    Da es sich um eine geistige Vorstellung handelt, muss ich zuerst ein möglichst plastisches Bild über die Anatomie des Beckenbodens vermitteln. Dieses Bild beinhaltet die Lage des Beckenbodens als Abschluss des Rumpfes nach unten hin mit seinen knöchernen Begrenzungen, den beiden Sitzbeinhöckern links und rechts, dem Steißbein hinten und der Schambeinfuge vorne. Sowie die verschiedenen Muskelschichten des Beckenbodens mit dem Dammbereich, der sich durch die Übung in Richtung Körperinneres bewegt.
    Ich beginne in Rückenlage. In dieser Ausgangsstellung lässt sich der Beckenboden am leichtesten wahrnehmen, da die Muskeln des Körpers dann eine geringe Grundspannung besitzen. Mit Übung verbessert sich dann die Wahrnehmung für die Lage und das Gefühl der Anspannung des Beckenbodens. Dann kann dazu übergegangen werden, den Beckenboden auch im Sitzen oder bei Aktivitäten anzuspannen.
    Bereits nach kurzer Zeit können sie selbständig üben und Beschwerden bessern sich meiner Erfahrung nach dann schnell.

    Ralf Welti
    Heilpraktiker und Physiotherapeut
    Strukturelle/ energetische Körperarbeit:
    PostFascialTechnik (PFT)®, Osteopathie, Shin Tai
    Tel. 0176 – 38 85 66 48, mail@ralfwelti.de
    www.RalfWelti.de | www.PostFascialTechnik.de

    Mehr bei meiner Veranstaltung und den Demonstrationen am Tag der Offenen Tür:

    Samstag, 6. September 2014, 15:15-16:00 Uhr:

    PostFascialTechnik (PFT)®
    Faszien, die Hüll- und Trennschichten des Körpers als Schlüssel zur Ganzheit –
    strukturelle/ energetische Körperarbeit.

     

    zum Seitenanfang


    Heiner Pithan

    Entscheidung zur Lebendigkeit

    Heiner Pithan

    In der Gestalttherapie ist die bewusste Selbstwahrnehmung ein wichtiger Zugang, um Bedürfnisse und Erstarrungen in Körper und in den Gefühlen zu entdecken. Diese Wahrnehmungen können Sie als Wegweiser zu mehr Lebendigkeit in Ihrem Leben nutzen.

    Über Lebendigkeit schreiben – geht das überhaupt?
    Während ich diesen Text schreibe male ich mir aus, in welcher Situation Sie ihn wohl lesen werden. Vielleicht sitzen Sie irgendwo in einem Cafe, trinken hin und wieder von Ihrem Kaffee, essen ein Stück Kuchen. Vielleicht sind Sie zu Hause und sitzen vor Ihrem PC? Oder Sie sind gerade im Zug und vertreiben sich die Zeit mit Lesen?

    In welcher Situation auch immer Sie sich befinden: Was sehen, hören, schmecken, riechen und tasten Sie? Nehmen Sie sich mal kurz Zeit, um zu spüren, sehen, fühlen, was Sie innerlich und von Ihrer Umgebung wahrnehmen.

    Phantasie wirkt anregend
    Wenn ich das Wort Lebendigkeit höre, entsteht in mir spontan eine Flut von Assoziationen: Begeisterung, Lebenslust, Lachen, Begegnung, Körperlichkeit, ausgelassen tanzen, singen oder schreien, Sex, Bewegung und nochmal Bewegung ...
    Und dann schaue ich mir das an und frage mich, was ich denn jetzt im Moment davon erlebe? Wenn ich ehrlich bin, nicht viel. Ich sitze vor meiner Tastatur, denke über Lebendigkeit nach, während ich, äußerlich nahezu unbewegt, möglichst schnell meine Finger bewege. Bin ich jetzt nicht lebendig? Was bin ich denn dann? Ich atme, mein Herz schlägt, mein Blut fließt durch meine Adern, ich spüre den kühlen Boden unter meinen Füßen, die warme Kleidung auf meiner Haut, ich schaue durchs Fenster auf die Straße und beobachte die Leute ...

    Vermutlich ist es egal, was ich tue oder was geschieht – das Entscheidende ist meine Beteiligung daran. Phantasien lösen Empfindungen aus. Die Vorstellung, dass mir jetzt in diesem Moment ein geliebter Mensch sanft über den Rücken streicht, fühlt sich toll an! Aber das bekomme ich nur mit, wenn ich dieses Bild aufsteigen lasse und mich den Körpererinnerungen ganz öffne, die dabei wachgerufen werden.
    Vor mir sehe ich die trockenen Balkonkästen. Ich stelle mir vor, in die Erde zu greifen und sie zu lockern. Ich spüre geradezu physisch die Wurzeln an meinen Fingern, rieche die alte, trockene Blumenerde ...
    Und dann fallen mir viele weitere Phantasiereisen dieser Art ein. In eine frische Zitrone zu beißen. Barfuß über ein Schotterbett zu gehen. Der Knall eines Gewitterdonners. Mich auf einer Tanzfläche austoben. Auf dem Rücken in einer Wiese zu liegen und in den Sommerhimmel zu blicken, den Geruch des frisch gemähten Grases in der Nase.
    Wenn ich mir Zeit nehme, mich wirklich in diese Bilder vertiefe und all' diese sinnlichen Erinnerungen in meinem Körper spüre, dann werde ich hier vor meinem Computer ganz wach und lebendig!
    Es ist im Grunde banal, weil wir alle das immer wieder erleben. Auch sexuelle Phantasien funktionieren so.

    Die Lebendigkeit in der Scham
    Ich stehe in der U-Bahn. Es ist nicht besonders voll. Ein paar Menschen reden miteinander, die meisten sinnieren vor sich hin. Manche beschäftigen sich mit ihrem Handy, spielen oder schreiben irgendwas.
    Dann stelle ich mir vor, den Mund zu öffnen und laut und vernehmlich ein Lied zu singen, irgendein Lied. Am stärksten ist die Wirkung, wenn ich auf Deutsch singe, weil mir diese Sprache am nächsten ist. Ich stelle mir vor, was die Menschen tun werden. Die meisten werden hören und sehen, wie ich singe und auch den Text verstehen. Ich lasse meinen Blick durch den Wagen schweifen, bleibe an dem einen oder anderen Augenpaar hängen. Ich nehme Kontakt mit einzelnen Menschen auf, während ich singe, zeige mich, bin schutzlos dem ausgeliefert, was gemeinhin Peinlichkeit genannt wird. Ich habe gelernt, daß man hierzulande so etwas nicht tut. Ich tue so etwas nie. Ich traue mich nicht, aus der Reihe zu treten und Außenseiter zu werden.
    Scham. Bewusst erlebte Scham, die Scham, für die ich mich jetzt entscheide, kann elektrisieren. Alles in mir ist in Aufruhr. Ich bin hellwach und total präsent. Dabei ist es zunächst egal, was die Menschen um mich herum tun. Die meisten werden irgendwie auf mich reagieren. Und vermutlich werden die meisten versuchen, mich zu ignorieren.
    Ich kann jederzeit aufhören und wieder in die Unscheinbarkeit zurücktreten. Bei der nächsten Station verlasse ich den Zug, und alles ist wie vorher. Ich bin wieder in der Anomyität geschützt und kann mich ausruhen, wieder „runterkommen“. Und vielleicht irgendwann das nächste Experiment wagen.
    Wichtig ist dabei, daß ich mich diesen Gefühlen öffne ohne mich zu überfordern. Die Lebendigkeit entsteht, wenn ich ganz und gar beteiligt bin, und das geht nur, wenn es nicht zu viel ist. Zunächst kommt es gar nicht drauf an, ob ich tatsächlich in der U-Bahn singe. Es beginnt damit, was allein meine Phantasie für eine Körperwirkung hat. Und es ist zunächst nur wichtig, diese Wirkung bewusst wahrzunehmen, sie auszukosten, alles zu spüren und dabei ganz im Kontakt mit mir selbst und meiner Umgebung zu bleiben.
    Probieren Sie es aus! Was ist Ihr „Singen in der U-Bahn“? Was erschreckt Sie und zieht Sie gleichzeitig an? Lassen Sie sich Zeit für solche Phantasien. Bleiben Sie dran, finden Sie Ihr eigenes Tempo und gehen Sie innerlich weiter, geben Sie dem, was Sie erleben, immer mehr Raum. Vielleicht stoßen Sie auf Erfahrungen, durch die Sie bis heute Ihrem Sehnen nach Ihrer ganz eigenen Lebendigkeit nicht nachgehen. Stellen Sie sich vor, innerlich vor einer Tür zu stehen, mit einem Schild, auf dem ein Wort oder ein Satz für diese Erfahrung steht. Das kann eine tiefe Überzeugung sein, warum „es nicht geht“, das zu tun, was Sie sich wünschen ... Die Tür mag verschlossen sein, dennoch kann sie der Eingang zu etwas sein, das Ihnen fehlt, um sich ganz zu fühlen. Und wenn Sie den Drang verspüren, diese Tür zu öffnen – was brauchen Sie dafür? Versuchen Sie herauszufinden, was oder wer Ihnen dabei helfen kann.

    Lebendigkeit in wahrhaftiger Begegnung
    Wir stehen oder sitzen voreinander und unterhalten uns. Auf einer Party, auf der Straße, egal. Wir reden Belangloses, erzählen uns aus unserem Alltag und was wir in der letzten Zeit getan haben. Hin und wieder begegnen sich unsere Blicke, doch ansonsten passiert nicht viel zwischen uns.
    Plötzlich merke ich, dass ich mit meiner Aufmerksamkeit schon seit einiger Zeit woanders bin und dass ich nicht mehr wirklich zuhöre. Ich ermüde und beginne, mich zu langweilen. Das schleicht sich an. Wenn Sie möchten, stellen Sie sich auch hier wieder vor, sie wären jetzt in so einer Situation. Wie fühlen Sie sich? Wie reagiert Ihr Körper? Wie atmen Sie? Was sagt die Höflichkeit, Ihr Sicherheitsbedürfnis zu der Situation?
    Und dann machen Sie in Ihrer Vorstellung das, was Sie aus Ihrem Bauch heraus wirklich, wirklich tun möchten.

    Ich entscheide mich. Ich sage meinem Gegenüber, daß ich unser Gespräch verändern will. Wir hören auf zu plaudern und stattdessen entsteht ein Raum zwischen uns, der erst einmal leer ist. Da kann so etwas wie Verlegenheit oder Peinlichkeit entstehen. Wie geht’s denn jetzt weiter? Was passiert denn jetzt hier? Es kann sein, daß mein Gegenüber froh darüber ist, endlich nicht mehr plaudern zu müssen („Konversation machen“), sondern mit mir in echten Kontakt treten kann. Wir beziehen uns direkt und offen aufeinander. Es kann auch sein, dass dieser Mensch zurückweicht, befremdet reagiert und nichts mit meinem Angebot anfangen kann.
    Was auch immer geschieht – bin ich bei diesem Gespräch wirklich anwesend, bin ich „bei mir“, bin ich ganz bei dem, was ich im Augenblick tue? Selbstverständlich kann ich mich in einer Plauderei sehr wohl fühlen. Wichtig ist nicht die Art des Gesprächs oder der Situation. Wichtig ist, welche Wahl ich treffe, wenn ich mich unwohl fühle oder wenn ich mich so gut fühle, dass ich Lust auf irgendeine Veränderung bekomme.
    Denn es kann ja so sein: Es geht Ihnen so gut mit diesem Menschen, dass Sie sich mehr Nähe wünschen. Und Sie möchten ihr oder ihm das einfach sagen. Sie haben diesen Menschen zum ersten Mal gesehen und wollen ihn oder sie schon anfassen. Vielleicht nur ganz kurz, ganz leicht ... einfach so ... Und Sie wissen nicht, wie das ankommen würde und ob diese Berührung willkommen ist oder wie es dann weitergeht.
    Oder im Gegenteil fühlen Sie sich abgestoßen von Ihrem Gegenüber. Er oder sie sagt Dinge, die Ihnen völlig gegen den Strich gehen, kommt Ihnen zu schnell zu nahe, vielleicht auch körperlich, hat einen sehr unangenehmen Mundgeruch oder stinkt nach altem Schweiß, benimmt sich in einer Lautstärke, die Kontakt schier unmöglich macht. Sie wollen sich abgrenzen und haben den Impuls, etwas dazu zu sagen.
    Spricht etwas dagegen? Wenn ja, was ist „es“? Und was genau sagt „es“?
    Lassen Sie sich in Ihrer Vorstellung das Risiko eingehen und Ihrem Impuls folgen. Sie überschreiten eine Grenze in der „normalen“ Begegnung mit Worten oder einer Geste. Wie fühlen Sie sich dabei?

    Die Spannung zwischen Bedürfnis und Schutz
    In den hier beschriebenen Beispielen wird deutlich, dass wir immer wieder wie Kinder Impulse aus unserer Lebendigkeit heraus erleben und dass es zu diesen Impulsen auch Gegenspieler geben kann. Aus irgendwelchen Gründen halten wir uns zurück, das zu sagen oder zu tun, was wir wollen. Bisweilen gibt es sehr gute und vernünftige Gründe für diese Zurückhaltung, und sie kann eine ganz wichtige Schutzfunktion haben. Doch wenn Sie dadurch vor Ihrem Bedürfnis stehenbleiben, werden Sie immer unzufriedener.

    Vielleicht kennen Sie den einen oder anderen Satz:

    „Wenn du so bist, bist du böse!“
    „Brave Kinder tun so etwas nicht!“
    „Wenn du sowas sagst (oder machst), bist du peinlich!“
    „Ich bin zuviel!“
    „Wenn die anderen wüssten, wie ich wirklich bin, würden sie sich abwenden!“
    „Wenn ich sage, was ich will, werde ich bestraft!“
    „Wenn du das tust, dann hab ich dich nicht mehr lieb!“
    „Wer mir nahe kommt, wird mir weh tun, und das ertrage ich nicht!“

    Sie stehen vor einer inneren Polarität: Sie wollen etwas sagen oder tun und spüren gleichzeitig, dass Sie sich zurückhalten, weil Sie nicht können. Oder weil Verbote dagegen sprechen. Oder weil Sie in einer ähnlichen Situation zu sehr verletzt worden sind. Oder weil Sie das schon kennen und wissen, wie es ausgehen wird. Oder, oder, oder ...

    In einem gestalttherapeutischen Prozess werden solche Polaritäten deutlich und spürbar.
    Das Bedürfnis und der Schutz vor der erfüllenden Handlung werden gleichermaßen beleuchtet und gewürdigt. Oder, um genau zu sein, Sie selbst beleuchten und würdigen Ihr Bedürfnis und Ihren Schutz. In diesem Prozess lernen Sie sich immer besser kennen und übernehmen Verantwortung dafür, wie Sie mit sich selbst und mit dem, was Ihnen widerfährt, umgehen. Wenn Sie Ihre ganze Bandbreite an Gefühlen und Erlebnissen willkommen heißen und Sie dort wieder Bewegung zulassen, wo Sie vielleicht vor Schreck erstarrt sind, verändern Sie sich selbst. Dazu gehört auch die oft unterdrückte und körperlich erlebte Spannung zwischen den beiden Polen. Der Schmerz, der in dieser Spannung gebunden ist, kann sich auflösen; die festgehaltene Lebenslust und Energie steht Ihnen wieder zur Verfügung. Sie können sich für eine Handlungsoption entscheiden und aus der Frustration in Ihre Lebendigkeit zurückfinden.

    Passen Sie auf sich auf! Schützen Sie sich! Doch wenn Sie sich zu sehr schützen, opfern Sie Ihre Lebendigkeit. Machen Sie sich auf in das Unbekannte, und suchen Sie sich die richtige Unterstützung dafür.

    Als Gestalttherapeut biete ich Ihnen einen Raum, in dem Sie respektvoll von außen geschützt werden. Hier haben Sie die Möglichkeit, sich selbst zu betrachten, Ihren inneren Schutz zu benennen und wahrzunehmen. Ich begleite Sie dabei, wenn Sie Schritt für Schritt und in Ihrem Tempo entscheiden, wann Sie sich schützen und wann Sie Ihren Schutz beiseite legen und etwas Neues wagen. So begegnen wir beide dem verletzten Teil von Ihnen, den Sie verbergen. Ich lade Sie ein, Ihre Grenzen und Ihre Bedürfnisse kennen zu lernen. Steigen Sie aus automatischen Schutzreaktionen aus und finden Sie, was Sie brauchen, um in Ihrem Alltag bewusst zwischen Offenheit und Rückzug wählen zu können.

    Heiner Pithan
    Gestalttherapeut

    Tel. 0163 - 743 46 16
    www.lebendiger-kontakt.de | hallo@lebendiger-kontakt.de

     

    Heiner Pithan ist ab Juli 2015 (leider) wieder in München und dort in seiner Praxis zu erreichen. Ggfs. sind jedoch auch Termine in Berlin möglich.

     

    zum Seitenanfang

     


    Sirkka Arad

     

    Lebendigkeit – die verborgene Energie in uns

    Sirkka Arad
     
    Lebendigkeit ist die Fähigkeit, mich auf das Leben einzulassen, es zu integrieren und zu gestalten. Authentisch aus meiner Mitte heraus zu leben, mutig, beherzt, mitfühlend. Nicht aus dem zögernden, abwägenden Verstand mit seinen Konzepten und Ängsten zu reagieren, sondern die Intelligenz und Weisheit des Bewusstseins im Herzen zu fühlen und zu leben.
    Als Körpertherapeutin und Yogalehrerin konnte ich zu Beginn meines Weges am eigenen Leib erfahren, was es heißt, sich blockiert und unlebendig zu fühlen. Zu ahnen, dass da etwas in mir steckt, das gelebt werden möchte und von Ängsten und Unwissenheit an seiner Entwicklung gehindert wird.
    Doch die Sehnsucht im Herzen, die innere Stimme und das Erinnern waren stärker und führten mich durch diese Zeit. Mir war immer klar, dass ich leben möchte, und zwar kreativ, spontan, menschlich. Einfach nur auf den Tod zu warten, der Routine anheim fallen und diese durch künstliche Events aufzuhübschen war nicht mein Ding. Ich wollte das pure Leben.

    Als ich aufhörte, im Außen zu suchen und den Blick nach innen richtete, änderte sich alles. Alles, was ich gesucht hatte, war bereits da, und ich hielt den Schlüssel zur Heilung in meinen Händen.
    Zugegeben, die ersten Sitzungen in Bodywork, die ersten Yogastunden oder Meditationsretreats waren alles andere als nur angenehm. Körper und Geist aus der konditionierten Starre wieder in die natürliche Bewegung, Geschmeidigkeit und Transzendenz zu bringen, kostete oftmals Überwindung, und der Lohn waren Muskelkater, emotionale Prozesse und manches mal auch Zweifel, warum ich mir das eigentlich antue. Mein Leben veränderte sich zusehends.
    Die Unterstützung durch Körpertherapie, Meditation und Yoga war für mich die Basis auf diesem Weg. Der Körper diente als Resonanzraum und lebendiges Wunder voller Sinnlichkeit, Weisheit und Intelligenz. Der Raum aller Erfahrungen, Raum für Bewusstsein, der mir eine direkte, fühlende Begegnung mit dem Hier und Jetzt ermöglichte.
    In der Körpertherapie begann ich, mich wieder zu fühlen, meine Blockaden zu erkennen und mich berühren zu lassen. In mir wieder Raum entstehen zu lassen und mich mehr und mehr der Urkraft des Lebens hinzugeben. Zu spüren, wie lebendig oder starr die Elemente in meinem Körper sind und wieder neu atmen zu lernen. Im Ansatz des Ayurveda stehen die fünf Elemente und unsere Sinnesorgane im Mittelpunkt. Über die Sinne regte ich bewusst meine Lebendigkeit und Lebenskraft an, fand über Farben, Klänge und Aromen tiefen sinnlichen Kontakt mit der Welt.
    Als dann Yoga in mein Leben trat, konnte ich neu lernen, mich organisch zu bewegen. In Verbindung mit dem Atemfluss, präsent, flexibel, entspannt. Und auch erleben, wie sich durch den Flow im Körper Lebenskraft, Gelassenheit und Humor im Geiste ausbreiteten, Widerstand vermindert wurde. Die Balance zwischen Aktivität und Stille hat sich durch die Praxis neu sortiert und mir die Einsicht geschenkt, dass ich manches ändern und gestalten kann und manches einfach annehmen muss.

    Im Laufe der Jahre wurde der Weg leichter, meine Aufmerksamkeit richtete sich allmählich weniger auf meine persönlichen Prozesse, und ich begann, das Leben mit allen Höhen und Tiefen wieder zu fühlen. Dieser Weg endet nicht, sondern entwickelt sich im Alltag immer wieder weiter. Jede Situation, jede Begegnung ist dazu angelegt, mich zu berühren, aufzuwecken, mich an die Lebendigkeit in mir zu erinnern, auf den Wellen des Lebens zu reiten, mal mehr, mal weniger anmutig. Eindeutig ist die natürliche Intelligenz gestärkt, und ich vertraue den Regungen in meinem Körper, wenn ich Entscheidungen zu treffen habe.
     
    Inzwischen hat sich meine eigene Arbeit entwickelt, indem sich meine Erfahrungen und Ausbildungen in Körperarbeit, Meditation und Yoga verbinden.
    Ob in der Massage oder im Yogakurs: Die KlientInnen / TeilnehmerInnen sind eingeladen, sich selbst zu begegnen, den Blick nach Innen zu richten und sich berühren zu lassen. Klarheit über das eigene Befinden, Stärken und Schwächen zu erlangen und zu beginnen, sich selbst anzunehmen und sich dabei nicht zu wichtig zu nehmen. Die Unterscheidung zwischen dem, was ich bin und dem, was ich glaube zu sein, fällt zunehmend leichter.
    Körperlich wirkt sich die Berührung / Bewegung in einem verbesserten Stoffwechsel, Flexibilität, Stabilität und Wohlbefinden aus. Altes wird losgelassen und schafft Raum, in dem sich Lebenskraft bewegen darf.
    Stille schenkt schließlich den Raum für Gewahrsein, Regeneration. Dadurch, dass Körper und Geist zur Ruhe kommen, kann sich das Bewusstsein, unsere ursprüngliche Lebenskraft, wieder entfalten und Körper und Geist durchdringen.
    Je mehr Raum Bewusstheit bekommt, umso wacher, lebendiger und freudiger kann das Leben erfahren und gestaltet werden.
     
     
    Sirkka Arad
    Körpertherapeutin
    Yoga- & Mediationslehrerin
    Tel. 030 - 92 27 98 59, www.vedaya.eu

    Regelmäßige Gruppe:
    Heil-Yoga – sanft und lebendig
    Mittwochs, 18:00 - 19:30 Uhr

     

    zum Seitenanfang

     


    Ganzheitliche Physiotherapie        langner

    Interview mit Annette Langner

    Annette, du bist als Heilpraktikerin seit einem halben Jahr im Aquariana, und du hast gleichzeitig noch deine eigene (weithin bekannte!) Physiotherapiepraxis. Da interessiert mich als Erstes: Was "kann" eigentlich Physiotherapie?

    Gute Frage … ich hole aber erst einmal etwas aus: Seit 1980 arbeite ich als Physiotherapeutin, und ich liebe diesen Beruf – und je mehr Fortbildungen ich gemacht habe, umso mehr! Was du wissen wolltest: Die Physiotherapie behandelt alles, was das Thema körperliche Bewegung und Beweglichkeit angeht, d.h. um die so genannte strukturelle Arbeit mit Muskeln, Knochen, Gelenken, Sehnen. Der organisatorische Rahmen dafür sieht so aus: Damit die Krankenkasse meine Behandlung zahlt, wird ein Rezept vom Arzt benötigt, auf dem steht, wie ich behandeln soll. In meinem Vertrag mit der Krankenkasseist der zeitliche Rahmen geregelt, den ich für eine Behandlung habe. Dank vieler Fortbildungen haben wir inzwischen jedoch Möglichkeiten, die in diesem zeitlichen Rahmen nicht mehr realisierbar sind. Außerdem: Für fast jede Änderung des Rezeptes oder der Behandlung muss ich erst mit der Arztpraxis telefonieren. Es entsteht immer mehr bürokratischer Aufwand den ich nicht bezahlt bekomme und den wir in unserer Freizeit erledigen –um genug Zeit für die Therapie zu haben.

    Ich ahne, dass du daher zusätzlich Heilpraktikerin geworden bist?
    Genau – als Heilpraktikerin können die Patienten direkt zu mir kommen. Ich kann auf Grund meiner Diagnose eine geeignete Therapiemethode und den geeigneten zeitlichen Rahmen wählen, Die Bürokratie ist deutlich geringer. Weil ich direkt bezahlt werde (oder durch eine private (Zusatz-) Versicherung, sind die „Fronten klarer“: hilft die Behandlung, kommen die PatientInnen gerne wieder. Hilft sie nicht, suchen sie sich etwas anderes, oder ich vermittle zu passenderen Therapien.
    Trotzdem ist es mir wichtig, mit Ärzten zusammenzuarbeiten, denn ich habe ja nicht deren Möglichkeiten der Diagnostik; im Zweifelfall sollten diese hinzugezogen werden.

    Darf ich vermuten, dass ihr mit den kurzen Physio-Behandlungen, die die gesetzliche Kasse zahlt, eh nicht weit kommt?

    In der Tat! Und leider unterliegen auch die Ärzte den Vorgaben der Krankenkassen. Es gibt genaue Angaben über die Anzahl der möglichen Behandlungen. NATÜRLICH darf eine Arztpraxis auch mehr verschreiben, wenn nötig …, aber das bringt sie in den Bereich, dass Regressforderungen gestellt werden. Für meinen Beruf ist z.B. auch absurd, dass von den offiziellen physiotherapeutischen Fortbildungsinstituten Zusatzqualifikationen wie Shiatsu, Osteopathie, Feldenkrais u.a. angeboten werden, die wir Physiotherapeuten in unserer Praxis juristisch gesehen gar nicht anwenden dürfen! Diese Therapien darf ich nur als Heilpraktikerin nutzen. Das ist unbefriedigend für alle, die ein wenig weiter denken als in dem regulierten Rahmen der Physiotherapie.

    Wie gehst du denn nun bei der Ganzheitlichen Physiotherapie – selbstverständlich in deiner Rolle als Heilpraktikerin – an eine Behandlung ran?

    Beispiel: Ich behandle das Knie einer Patientin. Eine Weile verläuft alles, wie erwartet, … und dann bleibt es plötzlich "stecken". In einem solchen Fall bleiben wir auch genau dort, beim "Steckenbleiben". Ich weiß nicht, WARUM die Bewegung stagniert, aber ich akzeptiere es als Symptom und begegne ihm auch so. Möglichkeit: Ich halte das Knie mit beiden Händen. Irgendwann beginnt sich eine leichte Tendenz abzuzeichnen, entweder ins Beugen oder ins Strecken hinein. Das genau sage ich der Patientin: „Ihr Knie möchte sich gern beugen“ – obwohl wir eigentlich das Strecken üben sollten. Was verbinden Sie selbst mit 'Beugen'"?
    Außerdem stelle ich gern die Meridianzugehörigkeiten aus der Chinesischen Medizin in den Raum. Beim Knie könnte es z.B. sein: Zugehörigkeit zum Magenmeridian. Dazu gehören die Themen Nahrungsaufnahme und Verarbeitung, die Fähigkeit sich zu erden, evtl. auch etwas „übers Knie zu brechen“; vielleicht lässt sich ein übertriebenes Nachgeben oder das Gegenteil erkennen … um nur Einiges zu nennen. Ich überlasse es aber ganz der Patientin, ob sie sich überhaupt darauf einlassen will, und wenn ja, wie tief.

    Du kannst also allein durch den Körper sehr viel wahrnehmen.
    Das ist richtig. Ich höre hauptsächlich auf den Körper und bringe das, was der Patient wahrnimmt und mir erzählt, in Relation dazu. Ich finde den Satz von Dianne Connelly sehr passend: "Jedes Weh ist ein Heimweh". Wir „denken“ unser Leben gerne GERADE; der Körper zeigt uns aber scheinbare „SCHIEFHEITEN“.
    Wenn unsere Wahrnehmung des Lebens, unsere Pläne und Vorstellungen wirklich zu uns passen, ist alles gut. Entsteht jedoch eine Diskrepanz über einen längeren Zeitraum, entstehen erfahrungsgemäß oft Symptome.
    Beispiel: Ich habe stärkere Kreuzschmerzen, die meistens auf Überlastungen zurückzuführen sind. Mein Rücken ruft nach Ruhe. Ich aber meine, mich mit Tabletten fit halten zu müssen. Das verstärkt leider meine Fähigkeit, der eventuellen Überlastung noch länger standzuhalten.
    Eigentlich möchte mir der Körper vielleicht helfen, mit den Kreuzschmerzen diese Überlastungssituation zu erkennen, um wieder zur authentischen Verfassung (also nach „Hause“), zurückzukehren.
    Ich helfe dabei, herauszufinden, um was es geht. Und schlage Möglichkeiten vor, anders mit sich umzugehen.

    Es kann also auch tiefer in deiner Behandlung gehen ...
    Ja. Das wird es gelegentlich, und damit bin ich vertraut. Allerdings kenne ich auch meine Grenzen und bin deshalb eine große Freundin des Netzwerkens. Zeigen sich z.B. Symptome, die eine medikamentöse Behandlung erforderlich machen, rate ich zu einem Arztbesuch. Oder kommt z.B. eine tiefe emotionale Krise zum Vorschein, deren Behandlung nicht mehr im Rahmen meiner Behandlung zu lösen ist, rate ich wahrscheinlich zu einer Psychotherapie.

    Machst du eigentlich noch "normale" Physiotherapie?
    Kaum ... Natürlich gebe ich auch Übungen mit , aber eigentlich gebe ich immer nur eine einzige Übung, zeige dazu Variationen und ermutige die Patientin, selbst zu spüren, was ihr gut tut. Und wenn sie dabei stecken bleibt, dann kommt sie wieder zu mir, und wir sehen weiter.

    Du bist auch Lehrtherapeutin für Shiatsu, die japanische Fingerdruckmassage. Welche Rolle spielt denn Shiatsu für dich?

    Shiatsu ist mein "Hauptding"! Ich habe schon bald nach meiner Ausbildung gespürt, dass es noch andere Zusammenhänge, jenseits der Physiotherapie, geben muss. 1986 dann habe ich Shiatsu kennen gelernt, und das hat mir die Zusammenhänge erschlossen und erklärt, die ich gesucht hatte. Ein Meridian berührt energetisch alles: Nerven, Knochen, Gelenke, Muskeln, Organe, Emotionen und mentale Einstellungen. Das habe ich während einer Behandlung immer im Hintergrund, ohne dass ich es unbedingt ausdrücken muss. Viele sind aber froh, wenn ich es anspreche, es verbessert das eigene Verständnis des Körpers. Ich sage dann immer, z.B. beim Phänomen "steife Schulter": Sie ist wie ein Briefträger, der einen „Brief“ (eine Nachricht) abgeben will. Schlag ihm nicht die Tür vor der Nase zu, sonst bekommst du den Brief nie.

    Du arbeitest auch mit Manueller Therapie. Was ist das?
    Die Manuelle Therapie ist eine Zusatzqualifikation der Physiotherapie und auch ein Teilgebiet der Osteopathie (einem fünfjährigen, intensiven Studium). Es ist ein manuelles Behandlungssystem, in dem osteopathische Zusammenhänge einbezogen werden, also Bewegungseinschränkungen des gesamten Körpersystems, Nerven, Organe, Faszien, Bindegewebe etc. Gerade das Bindegewebe verbindet, wie der Name schon sagt, alle Strukturen im Körper. Vielen Theorien nach ist in diesem unser Körpergedächtnis gespeichert. Diese Was ist "diese", nicht klar! nutze ich in meiner Arbeit… Im Grunde gehe ich in ein Gespräch mit dem Körper, warte auf Feedback, gehe weiter ...

    Und das vermittelst du dann wiederum an deine Patienten.
    Ja, ich schlage mehrere Brücken ... Grob gesagt, können wir sagen, dass im Bauchraum das Unterbewusstsein sitzt und im Brustkorb das Bewusstsein. Das Zwerchfell trennt beides voneinander, und ich schlage die Brücke zwischen den beiden Bereichen. Ich spreche etwas beim Patienten an und warte auf Resonanz. Kommt diese, können wir gemeinsam den „Weg“ weitergehen. Kommt sie nicht, dann respektiere ich das natürlich auch.
    Im Grunde genommen gehe ich in meiner Arbeit in ein Gespräch mit dem Körper, warte auf Feedback, gehe weiter…

    Du hast ja viele Jahre Erfahrung; wie reagieren denn die meisten?
    Den Begriff "Psychosomatik" haben viele schon gehört; das ist gesellschaftlich mittlerweile akzeptiert, beschränkt sich aber nur auf bestimmte Krankheitsbilder. Ich wiederum gehe vom Zusammenhang zwischen Körper, Geist und Seele bei ALLEN Symptomen aus. So mache ich denn aus meiner Erfahrung heraus Angebote. Wenn ich beispielsweise hängende Schultern bemerkt habe und die Person eigentlich wegen Spannungen im oberen Rücken bei mir ist, dann frage ich, ob vielleicht eine Überforderung (vor der sich die Person schützen muss) oder Traurigkeit da ist. Dann kommt schon oft ein "Jetzt, wo Sie das ansprechen ...".
    Lässt die Spannung daraufhin deutlich nach, weiß ich, die Richtung stimmt. Wenn nicht, suche ich weiter.

    Das gibt den Patienten viel Eigenverantwortung.
    Ja. Und genau diese Eigenverantwortung schätzen die meisten. Viele wollen ihre Gesundheit nicht mehr beim Arzt / Therapeuten „am Tresen abgeben“. Sie wollen mitreden, gehört werden. Höre ich genau zu, sagen mir viele bereits bei der Anamnese, worum es eigentlich geht.
    Das Symptom soll ja nicht einfach „weggemacht“ – es soll gesehen und gewertschätzt werden. Dann wird der verborgene, oft sehr wertvolle Hinweis erkannt und ermöglicht einen besseren Umgang mit sich selbst.

    Annette Langner
    Heilpraktikerin
    Shiatsu Lehrtherapeutin, Ganzheitliche Physiotherapeutin
    Schwerpunkt: Orthopädie, Chron. Schmerzen, Begleitung in der Krebstherapie, Burnout, Traumabewältigung
    Tel: 01573 - 692 33 10, www.privatpraxis-shiatsu.de

    zum Seitenanfang



    PostFascialTechnik (PFT)® –                    welti
    Strukturelle/energetische Körperarbeit

    Mit sich in Kontakt kommen, Blockaden und Spannungen lösen, das Herz öffnen, ganz werden.        

    Ralf Welti

    1. Die Konzepte der PostFascialTechnik (PFT)®
    Warum Körperarbeit?

    Der wichtigste Punkt bei der Arbeit mit Menschen ist für mich: „Wie finde ich den Zugang zu meinem Klienten?“ oder anders ausgedrückt: „Wie kann mein Klient sich öffnen und weiterentwickeln?“.

    Über die Arbeit an den anatomischen Strukturen und den Energiesystemen meiner Klienten erhalte ich den Zugang zu ihnen. Ich untersuche und behandle dabei mit meinen Händen und kann so meine Klienten in Bewegung bringen, es wird ein Entwicklungsprozess angestoßen. Wenn dieser Prozess ins Stocken kommt, werden so genannte “Schlüsselpunkte” sichtbar und können bearbeitet werden.

    Im Mittelpunkt des Wegs zur Ganzheit steht für mich die Öffnung des Herzens.

    Der wichtigste Schlüsselpunkt ist die Öffnung des Herzens. Zum Beispiel durch emotionale Verletzungen entstehen im Herzbereich Blockaden, und Emotionen, Kraft, Erinnerungen oder Wünsche werden abgespalten, die Entwicklung des Selbst ist behindert. Die Ganzheit wird dadurch gestört. Ich unterstütze dann die Öffnung des Herzens durch das Lösen dieser Blockaden. Die emotionalen Verletzungen können verarbeitet werden, die abgespaltene Lebensenergie wird frei, und die Entwicklung des Selbst schreitet weiter voran.
    Dann kommt die Kraft des Herzens hervor, Liebe, Hingabe und Mitgefühl. Daraus erwachsen innere Stärke und Fülle. Verbleibende Blockaden können sich nun leichter lösen, Ganzheit entsteht von innen heraus.

    Im Mittelpunkt der strukturellen und energetischen Körperarbeit stehen für mich die Faszien.

    Die Faszien bezeichnen ein bestimmtes Gewebe des menschlichen Körpers, die Hüll- und Trennschichten. Dieses Gewebe durchdringt den ganzen Körper als ein umhüllendes, trennendes und verbindendes Spannungsnetzwerk aus kollagenen Eiweißfasern. Jede einzelne Struktur im Körper ist von einer Faszie umhüllt, einzelne Bereiche sind durch Faszien voneinander getrennt, und gleichzeitig ist alles über die Faszien miteinander verbunden. Würde vom menschlichen Körper alles entfernt werden außer seinen kollagenen Fasern, so entstünde eine Blaupause, eine Vorlage für den gesamten Körper. Alle Teile des Körpers wären in ihrer Form und inneren Strukturierung erkennbar.

    Spannungsänderungen werden über den gesamten Körper weitergeleitet. Sämtliche Arten von Stress können Spannungsänderungen und Blockaden verursachen und dabei Spannungsmuster in den Faszien entstehen lassen.
    Auf der strukturellen Ebene wird an dieser Stelle die Ganzheit zerstört. Die Kontinuität der Faszien wird unterbrochen, einzelne Bereiche werden voneinander abgetrennt.

    Die Faszien sind für mich das Bindeglied zwischen der Lebensenergie und den anatomischen Strukturen des Körpers. Faszien lassen sich somit sowohl direkt, als auch indirekt über die energetische Ebene behandeln.

    Die Priorität in der Behandlung

    Ich gehe davon aus, dass sich die vielen Blockaden und Spannungsmuster in unserem Körper nur lösen können, wenn dabei eine bestimmte Reihenfolge eingehalten wird. Als Ursache dafür nehme ich die Kontinuität im Fasziensystem an, da alles miteinander verbunden ist. Die Reihenfolge wird vom Körper vorgegeben und kann je nach Situation wechseln. Es gibt immer eine Blockade, die Priorität vor allen anderen Blockaden hat. Ist die Blockade mit der Priorität gelöst, wird eine der verbleibenden Blockaden zur Priorität. Ich folge so der Priorität im Körper bis ein Spannungsmuster gelöst ist. Diese Reihenfolge herauszufinden, ist die eigentliche Herausforderung für mich.

    Um Faszien zu behandeln, verwende ich die PostFascialTechnik (PFT)®, eine von mir begründete Behandlungsmethode.

    Wie die PostFascialTechnik (PFT)® entstanden ist:

    Die PostFascialTechnik ist das Ergebnis meiner lebenslangen Suche danach, wie ich seelische und emotionale Verletzungen bei meinen Klienten und mir heilen kann.

    Als Behandlungstechniken sind in die PostFascialTechnik hauptsächlich Elemente aus der Osteopathie und aus den Arbeiten des Amerikaners Saul Goodman mit eingeflossen, dessen Arbeit in Deutschland unter dem Begriff Shin Tai (Quellenkörper) bekannt ist.

    Begriffserklärung PostFascialTechnik (PFT)®

    Das lateinische Wort „fascial“ steht für die Faszien, die im Mittelpunkt dieser Körperarbeit stehen. „Technik“ steht für die Anwendung der Methoden, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen: das Lösen von Spannungsmustern in den Faszien. „Post“ ist ein Wortteil aus dem Lateinischen mit der Bedeutung „nach, hinter, später“ und wirft die Frage auf: „Wo führt das Lösen von Spannungsmustern in den Faszien hin?“ - zur Ganzheit.

    2. Wofür setze ich die PostFascialTechnik (PFT)® ein?

    Ich verwende die PostFascialTechnik (PFT)® in Kombination mit anderen Methoden, wie zum Beispiel der klassischen Osteopathie oder ausgewählten physiotherapeutischen Methoden, unterstützt durch geeignete Körperübungen. Die Anwendungsmöglichkeiten liegen im Bereich des Stütz- und Bewegungsapparates (Rücken, Schulter-Nacken-Bereich, Becken, Gelenke) und im Bereich des Nervensystems.
    Ich begleite meine Klienten auf dem Weg zur Ganzheit, beim Lösen von Blockaden und Spannungen und bei der Öffnung ihres Herzens.

    3. Wie läuft eine Behandlung ab?

    Der Klient trägt lockere Kleidung. Jede Behandlung beginnt mit einem Gespräch, in dem ich mir ein aktuelles Bild von seiner Verfassung, seinen Wünschen und Beschwerden mache. Gegebenenfalls ergänze ich meinen Befund durch manuelle Tests, wie zum Beispiel einen Spannungstest für die Faszien des Nervensystems.
    Die eigentliche Behandlung beginnt meistens in Bauchlage. Der Klient liegt auf einer Behandlungsliege mit einem Kopfteil. Die Faszien des Halses dürfen nicht verdreht sein, da dies sonst meine Diagnostik beeinflusst.
    Um die erste wichtige Stelle herauszufinden, die oben beschriebene Priorität, scanne ich die
    Körperoberfläche mit meiner Handinnenseite im Abstand von ca. 5-10 cm über der Kleidung im Energiefeld auf Stellen ab, die sich zum Beispiel rau wie Schleifpapier anfühlen können. Die Stelle, die dabei am auffälligsten ist, stellt die Priorität dar.
    Jetzt muss ich entscheiden, welche Faszienstruktur dort betroffen ist und auf welcher Ebene, der strukturellen oder der energetischen, ich am besten behandeln kann. Ist diese Priorität durch meine Behandlung gelöst, gebe ich dem Körper einige Minuten Zeit zum Verarbeiten. Meistens zeigt sich dann eine neue Priorität, die ich durch erneutes Scannen finden und anschließend behandeln kann.

    Die Struktur einzelner Körperabschnitte, wie zum Beispiel Verdrehungen bestimmter Wirbel oder eine Beinlängendifferenz, geben mir weitere Hinweise auf die Behandlungspriorität. Bei Unklarheiten benutzte ich eine modifizierte Form des Armlängenreflex-Testes nach van Assche zum Auffinden der Priorität.
    Zeigen sich beim Scannen mehrere raue Bereiche, so hat ein globales Spannungsmuster Priorität. Es gibt verschiedene solcher übergeordneter Spannungsmuster und eine damit verbundene typische Verteilung der rauen Bereiche. Diese Spannungsmuster löse ich über Reflexpunkte an der Körperoberfläche, durch sanfte Berührung mit dem Daumen.
    Zeigt sich beim Scannen nur ein rauer Bereich so liegt eher ein lokales Spannungsproblem vor, für dessen Behandlung osteopathische Techniken besser geeignet sind.
    Die Behandlung endet erst einmal, wenn ein übergeordnetes Spannungsmuster gelöst ist. Der Körper benötigt dann einige Zeit zum Verarbeiten.
    Ich ergänze die Behandlung der Prioritäten durch kräftiges Lockern von verspannten Muskeln, zum Beispiel im Schulter-Nacken-Bereich oder durch die Behandlung von schmerzhaften Bereichen.
    Den Abschluss bilden meistens eine Körperübung, die auch zu Hause durchgeführt werden kann und ein kurzes, abschließendes Gespräch.

     

    Ralf Welti
    Heilpraktiker und Physiotherapeut
    PostFascialTechnik (PFT)®, Osteopathie, Shin Tai
    Tel. 0176 - 38 85 66 48, mail@ralfwelti.de
    www.RalfWelti.de | www.PostFascialTechnik.de


    zum Seitenanfang


     

    Psychotherapie als Weg zur Selbst-Bestimmung     

    Von der Psychoanalyse zur Seelenreise
    Teil II: Das Wie

    Clara Welten

    In der letzten Ausgabe des Aquariana-Newsletters, im Mai diesen Jahres, habe ich Ihnen schon einmal von meiner Arbeit erzählt: von der Psychotherapie als ein Weg zu Ihrer Selbst-Bestimmung dank meiner interdisziplinären Ausrichtung. Ich biete Ihnen verschiedene Zugänge zu Ihrer Seele an, auf dass die Arbeit der Seelenbegleitung (2) sich für Sie so fruchtbar als möglich gestalten möge.
    Es gibt den Zugang über das Wort in der Gesprächstherapie, die tiefenpsychologisch-analytisch ausgerichtet ist. (Ich habe eine fast 10 jährige Ausbildung in Psychoanalyse in Deutschland und Frankreich/ Paris absolviert.) Da diese verbale Arbeit zwar Tiefenerkenntnisse zulässt, die Heilung als ein Prozess der Bereinigung alter Wunden jedoch kaum ermöglicht, gibt es verschiedene Formen der nonverbalen medialen Arbeit, die wählbar sind: Rückführungen, Seelenreisen und Reisen in Ihre 3 schamanischen Welten. Auch Psychoanalytiker, mit denen ich auf Kongressen und in meinem Umfeld zu tun habe, geben Ihnen heute offenherzig zu, dass die Psychoanalyse als Therapieform ein Verstehen Ihrer seelischen Nöte erarbeitet, aber keine Heilung schafft. Als Ziel wird angegeben, dass Sie mit Ihren Wunden leben lernen.
    Es kam die Zeit, dass mir dieses Angebot als Lebensweg nicht genügte...

    Als ich selbst meine Wunden bereinigte und tatsächlich auf dem Weg nach Heilung war, ließ ich mich auf eine Schamanin ein, die innerhalb EINER nonverbalen Sitzung einen „Stein von meiner Brust“ zu er-lösen wusste – einen Stein, der über 40 Jahre lang mein Leben morgens bis abends verdunkelt hatte. Sogleich sendete mein Bewusstsein: „Heilung ist also doch möglich!“ Das hat mich dazu bewogen, eine 3 jährige Ausbildung als „Geistheilerin in schamanischer Tradition“ bei eben dieser Schamanin (3) zu absolvieren. Die Reichhaltigkeit der nonverbalen Arbeit, diesen wunder-vollen Weg des Zugangs zum Reich Ihrer Seele, stelle ich Ihnen hiermit kurz vor:
    Jeder nonverbalen medialen Arbeit geht eine Zeremonie, ein Ritual voraus, das uns und den Raum einstimmt und mit den Wesen in Verbindung bringt. In der Ruhe sind wir bereits im Modus der Eingebung, in dem ich die Kräfte - die Hüter der 4 Elemente, die Erzengel, Gott Vater und Mutter Erde – anrufe. Was ich formuliere, ist kein Resultat kognitiven Denkens, sondern es existiert lediglich exakt in diesem Moment, in diesem Raum, zwischen Ihnen und mir. Es ist zu keinem anderen Zeitpunkt wiederholbar. Der Anrufung der Kräfte folgt eine Trommelsession, die ich empfange, die bei jedem Menschen anders ist, und während dessen Sie sich schon auf Ihrer körperlosen Reise bewegen.
    Wenn das Wort Ihnen Klarheit bringen konnte, aber noch keine „Reinigung der alten Wunde“ erzielt wurde, können wir anhand von Rückführungen in das Reich Ihrer Seele schauen und in alle zuvor gelebten Leben, die mit diesem Thema zu tun haben. Ihre Seele ist eine energetische intelligente Bewusstseinseinheit, feinstofflich unterwegs, die sich in jeder Inkarnation ins Fleisch begibt – also Mensch wird. Die Rückführungen erlauben uns, die Wunde in dem Leben, in der Inkarnation zu bereinigen, in dem sie entstand! Dort, am Anfang sozusagen, Frieden zu schließen, hat zur Folge, dass Ihr Leben in der Aktualität ebenfalls Reinigung erfährt. Die Seelendimension kennt keine menschliche zeitliche Linearität. Sie „denkt und heilt in der kosmischen Dimension von Ewigkeiten“.
    Wenn wir mit Seelenreisen arbeiten, begeben wir uns ebenfalls in das Reich der Seele, lassen uns von allen Kräften führen mit dem Aspekt der Heilung. Immer, wenn es nicht „zurück“ gehen soll, sondern in Ihre Gefühle hinein, in Kräfte und in Zustände, lassen wir uns auf eine Seelenreise ein. Ziele dabei können dreierlei sein:

      1. Gefühle, in die Sie hinein reisen möchten, um sie aufzulösen - wie Ängste, Verstrickungen oder Dunkelheiten

      2. Gefühle, die Sie verstärken möchten - wie Kreativität, Kraft, Spiritualität, Freudvolles, Lichtigkeiten

      3. Heilung, die Sie von allen Kräften und Wesen erbitten, wenn Sie sich nicht zurück bewegen möchten.

    Die Reise in schamanische Welten beherbergt diese drei genannten Aspekte. Jeder Mensch, weil jede Seele hat eine Mittel- Ober- und Unterwelt, die sich bei jedem anders gestaltet. Keine gleicht der anderen. Es sind Ihre Welten, mit Ihren Landschaften, bevölkert von Ihren Krafttieren und Ihren Wesen, nämlich Begleitern. Diese Welten existieren praktisch „nebenan“, sind immer bereits da und freuen sich, besucht zu werden. Sie selbst sind, zu diesem Zeitpunkt als geistiges Wesen unterwegs, willkommen.
    Die Mittelwelt entspricht der feinstofflichen Realität, die zur Aktualität quasi parallel liegt, was bedeutet, dass alles, was wir dort vornehmen, sofortige Veränderungen in dieser Welt, in diesem Hier & Jetzt mit sich bringt. Wir können beispielsweise Schrecken in einem „Kästchen“ lagern und sie unter Ihren Lebensbaum legen – um sie dann anzuschauen, wenn sie bereit dazu sind. Sie können auch mit Ihren Krafttieren telepathisch kommunizieren und sie um Rat fragen, um Begleitung bitten, wenn sie es benötigen.
    Die Unterwelt eröffnet das Reich der Rückführungen. Die Oberwelt gibt Einblick in das Reservoir Ihres Selbstes: Was hält Ihr Selbst für Sie bereit? Welche Lichtwesen begleiten Sie? Was entspricht Ihrem Wesen-eigenen? Wie sieht Ihr Heiles Selbst aus, bzw. wie fühlt es sich an? All diese Welten liegen vor uns/ in uns ausgebreitet, zur Einsicht bereit. Ist das nicht Wunder voll?
    Die Seelenbegleitung liegt darüber hinaus auch in meiner bewusst gewählten Form des Settings: Ich arbeite zeitoffen. „Jede Séance geht, solange sie geht!“ und pendelt sich zwischen 60-100 Minuten ein. Was im Raum zwischen uns als empathische Gegenüber und im Einklang aller Wesen geschieht, benötigt meist keine Struktur des Zeitplans. Ein Thema der Séance, das sich an diesem bestimmten Tage zeigt, „macht seine Runde“ und findet Beginn sowie Ende in diesem Raum, an diesem Tage selbst... Jeder kann fühlen, wenn genügend gesagt und gesehen wurde – spürbar daran, dass wir mit Gedanken, Eingebungen und neuen Ideen „gefüllt“ diesen Raum wieder verlassen.
    Für mich beginnt Ihre Selbst-Bestimmung in der Praxis der therapeutischen Arbeit. Inhalt und Zeit finden sich – mit uns und im Einklang der uns umgebenden Energien und Wesen.

    Willkommen im Reich Ihrer Seele,
    in dem ich Sie begleite.

     

    (1) gleichnamiger Titel des neuen Buches von Clara Welten, Oktober 2014
    (2) Eine neue Ausbildungsgruppe als Seelenbegleiter/In startet im Mai 2014 im Aquariana.
    (3) Eva Bouizedkane, Berlin, www.dreiklang-spandau.de


    Clara Welten
    Deutsch-Französische Praxis
    Psychotherapie, Seelenreisen, Rückführungen
    mobil: 0178 - 721 50 15, Tel. 030 - 46 99 87 61
    www.clarawelten.de

    Nächste Veranstaltungen:
    Workshop „Der Weg des Künstlers“

    Ausbildung zum Seelenbegleiter / zur SeelenbegleiterIn
    Ausbildungsbeginn: Samstag, den 24.5.2014 (maximal 6 Personen)

    zum Seitenanfang


    schmid–dankward


    Zugang zu inneren Kraftquellen finden – Selbstheilungskräfte stärken

    Ute Schmid-Dankward

    „Wir meditieren, um unsere Identität zu entdecken und um unseren Platz in der Ordnung des Universums zu finden. Durch Meditation erkennen wir unsere Verbindung zu einer inneren Kraftquelle, die unsere äußere Welt transformieren kann. Mit anderen Worten: Meditation verhilft uns nicht nur zum Licht der Einsicht, sondern gibt uns auch die Kraft für weitreichende Veränderungen“.

    Wir alle sind immer wieder mit Wandel, Veränderung, Vergänglichkeit und Abschied konfrontiert. – Wenn krisenhafte Situationen uns aus dem Gleichgewicht bringen, der Alltag kräftezehrend ist oder uns das Großstadtleben erschöpft, sehnen wir uns nach einem Ort, an dem wir Kraft tanken können. – Wie wäre es, diesen Ort in uns selbst aufzusuchen, Bekanntschaft zu schließen mit sprudelnden Kraftquellen und uns fühlbar mit neuer Energie zu versorgen? Doch – wie finden wir Zugang zu diesem Ort, und wie sieht der Weg dahin aus? Diese Fragen sind wichtig und spannend und die Antworten darauf so vielfältig wie die Menschen, die in meine Praxis für Kinesiologie und Gestalttherapie kommen.
    Ich selbst blicke auf eine langjährige Meditationserfahrung zurück, und auch der Einsatz von Phantasiereisen und Imagination gehört zu m einem therapeutischen Handwerkszeug. In meiner Praxis wurde der Wunsch geäußert, allmonatlich einen Sonntag-Nachmittag zur Verfügung zu haben, um in einer kleinen Gruppe einen „nährenden Raum“ zu schaffen, Anspannungen loszulassen, Kraftquellen nachzuspüren und durch kinesiologische Übungen die Selbstheilungskräfte des Körpers zu stärken.

    Die Teilnahme setzt weder therapeutische noch kinesiologische Vorerfahrung voraus und ist nicht an Kontinuität gebunden. Jeder Nachmittag (4 Std.) ist in sich abgeschlossen, und zur Veranschaulichung skizziere ich einen möglichen Ablauf:

    Nach einer kurzen Vorstellungsrunde rahmen kinesiologische Übungen die jeweilige Meditation/Imagination/Phantasiereise ein.
    - spezielle Übungen, die die Verbindung zwischen Gehirn und Körper verbessern und den Energie- und Bewegungsfluss im Körper anregen (BRAIN-GYM-Übungen)

    - Klopfen von Akupunktur-Punkten für emotionales Gleichgewicht (Klopfakupressur)

    - Techniken zur Linderung von emotionalem Stress durch Berührung von neurovaskulären Kontaktpunkten auf der Stirn (Stress-Release)

    - Body-Talk-Übungen, in denen durch Halten und Klopfen von Kopfzonen die Kommunikation zwischen beiden Gehirnhälften über das Corpus Callosum gefördert wird. Dadurch erhöht sich die Widerstandskraft des Köpers und Schock- sowie Schockreaktionen werden abgebaut.

    - Massage mit Bällen (Eutonie)

    - Atemübungen

    In der angeleiteten Imagination begeben wir uns z.B. in unseren sicheren „inneren Garten“, in dem für alles in uns Platz ist… Diese Phantasiereise, die ich hier nicht weiter ausführen möchte, bietet eine gute Möglichkeit, eigene Vorstellungen von einer friedlichen Oase tief im eigenen Inneren entstehen zu lassen.

    Die gemeinsame Übungszeit eröffnet uns die Möglichkeit, in ein positives Wahrnehmungs- und Energiefeld einzutauchen. Wir nehmen Kontakt auf mit unserer inneren Weisheit. Wenn wir dann entdecken, dass wir mit der Zeit im Alltag den Blick mehr auf die positiven Aspekte der Dinge richten und so mehr Freude und Gelassenheit entwickeln, hat sich der Nachmittag gelohnt.

    Ute Schmid-Dankward
    Kinesiologin und Gestalttherapeutin, Heilpraktikerin für Psychotherapie
    Info und Anmeldung: Tel. 618 47 71

    Die nächsten Termine:
    Kraftquellen-Meditation und heilsame Übungen
    Ein Verwöhn-Nachmittag – Sonntags, 14-18 Uhr

    12.1.14 / 16.2.14 / 16.3.14 / 6.5.14 / 18.5.14.
    Kosten: 50 Euro pro Nachmittag.

    zum Seitenanfang

     


     

     

    Psychotherapie als Weg zur Selbst-Bestimmung       welten

    Von der Psychoanalyse zur Seelenreise (1)
    Teil I: Das Warum

    Clara Welten

    Seit ich 13 Jahre alt bin, beschäftige ich mich mit theoretischen Schriften zur Psychoanalyse und Philosophie, aus Lust am Denken und der Notwendigkeit, mich und die Welt besser zu verstehen. Ich wuchs in der Diktatur der DDR auf und litt sehr an dem Bruch, was ich (werden) wollte und was die Welt „da draußen“ von mir erwartete, nämlich Gehorsam. Durch das Lesen und Denken verband ich mich mit denjenigen, die über Existenz nachdachten und die Leiden „am Leben“ analysierten.
    Heutzutage habe ich selbst meinen Wunschberuf zur Realität gemacht und arbeite mit vielen verschiedenen Möglichkeiten des Zugangs zur Seele. Was heißt das genauer? Ich arbeite mit der Gesprächstherapie und Rückführung, dank der verbalen und non-verbalen Kommunikation, mit dem Wort und der Eingebung, mit der (Psycho-) Analyse und den Wesen des Lichts, mit Erkenntnis und den telepathischen Reisen in Ihre vergangenen Leben, mit Konfrontation und Empathie... Wie wir uns einstimmen, liegt „meistens in der Luft“, wenn der Ruf Ihrer Seele hör- und sichtbar wird.
    Ich bin Meisterin meines Fachs, nämlich der Seelenkunde (2). So wie es Zen- und Yogameister gibt, so bin ich im Gegenüber Meisterin im Erkennen und Wahrnehmen Ihrer seelischen Beschaffenheit, die sich anhand Ihres Körpers, Ihres Geistes und Ihrer Seele, in Ihren Gesten, in Ihrem Wort und in dem Unausgesprochenen ausdrückt: Wir drücken uns immer aus, ob wir wollen oder nicht.

    Oft hat das Gesagte nichts mit der Wirklichkeit zu tun, nicht mit dem tatsächlichen Zustand unserer Bedürftigkeit, mit unseren Ängsten, Sorgen, Wünschen und Leiden. Das spüren wir, diese Dissonanz zwischen Schein und Sein und sie verunsichert uns. Wir ahnen, dass da etwas nicht stimmt. Bloß, weil wir etwas behaupten, heißt es nicht, dass uns das gesprochene Wort von der Wahrheit unserer Seele erzählt. Manchmal wollen wir ganz stark etwas, mit aller Kraft und Überzeugung – und dann verweist die Stärke der Behauptung auf ihr Gegenteil: die Wut auf die Verletzung, das Laute auf das still Dahinterliegende, der Hass auf unsere Sehnsucht – nach Liebe. Wenn der Moment gekommen ist, wo Leiden zwischen dem, was Sie wollen und dem, was Sie tatsächlich fühlen, steht, dann suchen Sie professionelle Hilfe bei mir als SeelenbegleiterIn, in der Hoffnung, ich möge etwas verstehen von diesem Ungesagten, das schwelt, für andere nicht sichtbar, für Sie aber täglich spürbar ist.

    Weshalb vereine ich verschiedene Disziplinen in meiner Arbeit, Ihre Seele zu begleiten? Der Weg des Wortes beginnt in unserem 2. Lebensjahr, ungefähr. Viele Leiden liegen noch vor dieser Zeit, im Moment selbst, als wir auf die Welt kamen (Geburtstrauma). Manche Leiden fühlten wir bereits, als wir noch im Leib unserer Mutter schwammen, beschützt und getragen durch das fließende Element Wasser, durch Wärme und Struktur. Andere Verletzungen jedoch bringt unsere Seele hinein in diese Realität, von all Ihren Reisen, die sie als Mensch (oder auch anderswie) gemacht hat, unterwegs... Die Seele ist eine Reisende, die – wenn das Haus des Menschen verfällt, unser Körper – sich wieder auf den feinstofflichen Weg machen wird, raus aus der Materie, hinein in das energetische Feld, das uns alle umgibt und miteinander verbindet. Die Seele ist eine energetische, mit Bewusstsein ausgestattete Einheit, die für sehr begrenzte Zeiten Ihres Daseins MENSCH wird. Wir.
    Nun offenbart sie sich nicht nur im Wort, die Seele. Grundlegend tiefe Wortarbeit, wie ich sie verstehe, bedeutet: Wir sind in der Lage, Denken, Fühlen und Eingebung aus dem Zustand des Immateriellen, nämlich Gedanklichen in Verbalität zu bringen, hinaus aus dem Inneren in die Außenwelt. Wenn verbale Kommunikation auf Empathie beruht, auf diesem unsichtbaren, aber fühlbaren Band zwischen Ihnen und mir, dann gibt es Erkenntnis – Erkenntnisarbeit ist wunderbar, weil treffend und schafft Erleichterung: Wenn Schwere in zutreffende Worte gefasst werden kann und Analyse Ihres Lebens Wahrheit ans Licht bringt, erleichtern Sie sich von Ungesagtem, Drückendem und empfinden: „Jetzt hab ichs! Jetzt weiß ichs! Jetzt ist es klar!“ Klarheit durchdringt den Nebel und wird (reine) Freude.
    Dann gibt es diesen Moment, wo das Wort nichts mehr auszurichten vermag, wo wir die Grenzen und die Begrenzung des Wortes verspüren. Das Entscheidende in unserem Leben ist nicht, was wir formulieren, sondern was IST – und es IST, gleich welchen Wortes. Wenn eine Mutter beim Stillen zu ihrem Kinde sagt: „Ich bin ganz bei Dir!“, liest aber Zeitung und trübt sich den Kopf mit Annoncen und Umzugsgedanken, ist sie eben nicht da. Das, was das Kinde abspeichern wird, ist zweierlei: „Mama ist da, aber nicht wirklich da!“ Und: „Mama sagt etwas, was nicht stimmt. Komisch!“ Der französische Psychoanalytiker André Green, den ich bei meinen psychoanalytischen Forschungsstudien in Paris kennenlernte, hat diese Dissonanz zwischen Wort und (energetischer) Präsenz gut formuliert als „Abwesenheit in der Anwesenheit.“ (3)
    Was entscheidend ist, ist nicht, was wir sagen, sondern was wir sind und tun. Sind wir tatsächlich da? Lieben wir? Freuen wir uns? Oder sind wir abwesend, traurig, schwer... Das Wort Ehrlichkeit bekommt hier seine Tiefen-Dimension. Die Seele sucht nach Wahrheit und möchte erkannt werden. Wenn sie leidet, möchte sie aufklären. Sie ruft. Wenn unsere Ohren taub sind, meldet sie sich anhand des Körpers. Weshalb? Sie möchte Frieden schließen. Ob die Verletzung von gestern, von vorgestern oder von vor 12.000 Jahren vor unserer Zeitrechnung wirkt, ist ihr nicht wichtig. Seele erinnert sich solange, bis Heilung geschieht. Und da die Linearität der Zeit eine Erfindung des Menschen ist, um den Kosmos besser zu er-fassen, gibt es bei Seelenreisen keine Begrenzung zeitlicher Dimension. Manche Frauen finden sich als Männer, manche Menschen als Tiere und manche als Amöbe zu Anbeginn der Entstehung der Erde wieder...
    Glücklicherweise sind wir Menschen als Wesen aus Seele und Körper eben auch und insbesondere Wesen der Seele – und daher in der Lage, telepathisch zu reisen. Wir verlassen unsere körperliche Hülle und bewegen uns als Geistwesen in Zeiten, Leben, in Zuständen und Dimensionen: in Seelenreisen. Wir erfahren, was die Seele gesehen, erlebt und wahrgenommen hat. Heilung geschieht hier: Wenn Erkenntnis nicht (mehr) reicht, um zu klären, warum Sie sich wie fühlen, dann reist Ihre Seele mit mir als Begleiterin zum Ursprung der Entstehung – Ihres Leidens. Dort Frieden geschlossen, verändert sich das Heute praktisch in Lichtgeschwindigkeit. Wir lösen 12.000 vor Christus und wissen 2013, wie wir die Beziehung zu unserem Liebsten er-lösen können... Wie das? Die Verletzung, wirkend als Blockade des energetischen Licht-Flusses, ist aufgehoben. Wir sind wieder Teil des Ganzen, des Universellen. Wir fühlen uns (irgendwie) angebunden:

    Willkommen im Augen-
    Blick Ihres Selbstes.

    Nächste Newsletter-Ausgabe, Teil II: Das Wie

    (1) gleichnamiger Titel des neuen Buches von Clara Welten, Oktober 2014
    (2) dank meiner Beschäftigung mit der Seele seit dem 13. Lebensjahr durch Literatur/ Studien/ Fortbildungen und Praxis
    (3) André Green, Die tote Mutter, Psychosozialverlag, 2003

     

    Clara Welten
    Deutsch-Französische Praxis
    Psychotherapie, Seelenreisen, Rückführungen
    mobil: 0178 - 721 50 15, Tel. 030 - 46 99 87 61
    www.clarawelten.de

    Workshop: „Der Weg des Künstlers“
    Ausbildung: Seelenbegleitung
    Termine bitte erfragen!

     

    zum Seitenanfang

     



    steinmetz

    Gestalttherapie – eine kleine Entdeckungsreise für Neugierige

    Christoph Steinmetz

    Gestalttherapie ist eine lebendige Form von Psychotherapie (und hat nichts mit Gestaltungstherapie zu tun!). Sie gleicht einer Entdeckungsreise, bei der Sie gemeinsam mit dem Therapeuten bzw. der Therapeutin am Steuerrad sind. Sie sitzen also beide sozusagen in der ersten Reihe und halten mit freundlichem und wachem Blick Ausschau auf das, was vor bzw. in Ihnen auftaucht. Das, was dann zum Vorschein kommt, können wir nie genau vorhersehen und manchmal werden Sie vielleicht überrascht über Ihre Entdeckungen sein. Eine Klientin formulierte es neulich so: „Was ich gerade wahrnehme und erlebe, fühlt sich unheimlich schön an und gleichzeitig neu, ungewohnt und ganz schön aufregend. Ich hätte nicht gedacht, dass das möglich ist.“

    Was Sie alles in einer Gestalttherapie entdecken können, hat viel damit zu tun, wie Sie sich selbst und die Welt wahrnehmen und erleben und was Sie daraus machen. Sie können entdecken, wie Sie selbst dazu beitragen, nicht zu dem zu kommen, was Sie sich eigentlich wünschen. Das ist manchmal ernüchternd, gibt Ihnen aber mehr Klarheit für ihren weiteren Weg. In diesem Prozess können Sie ihre wahren Bedürfnisse entdecken und wie es sich anfühlt, wenn Sie diesen nachgehen - wenn Sie etwas tun, was Sie sich bisher vielleicht nicht getraut und es daher lieber vermieden haben. Sie können beim konkreten und bewussten Ausprobieren entdecken, wie sich neue Wege bahnen, die sie bisher vielleicht nur erahnen konnten.

    Wir reden nämlich nicht nur in einer Gestalttherapie, sondern probieren viel aus. Wenn mir beispielsweise im Gespräch mit Ihnen eine Geste auffällt, die Sie gemacht haben, als Sie mir davon erzählten, wonach Sie sich in Ihrem Leben schon lange sehnen, können wir diese aufgreifen und damit experimentieren. Dann können Sie entdecken und bewusster erleben, welche Qualität dahinter steht und welche Bedeutung dieser Aspekt für Sie hat.

    Vielleicht fällt mir im Gespräch mit Ihnen auch auf, dass Sie auf einmal leiser und undeutlicher sprechen, wenn Sie von Ihren Wünschen erzählen. Oder vielleicht bemerke ich, dass Sie meinem Blick an diesen Stellen ausgewichen sind. Ich würde Ihnen meine Wahrnehmung dann zunächst zurückmelden und Sie fragen, welches Gefühl Sie dabei hatten. Dann wird Ihnen vielleicht bewusst, dass Sie sich oft irgendwie klein und unsicher fühlen, wenn es darum geht, Anderen Ihre Wünsche und Bedürfnisse mitzuteilen.

    Wir könnten dann damit experimentieren, wie es sich für Sie anfühlt, wenn Sie Ihre Wünsche einmal laut aussprechen und dabei mich oder eine andere phantasierte Person direkt ansprechen. Ihre Befürchtungen können Ihnen dabei bewusst werden und Sie können entdecken, dass diese doch eigentlich in Ihrer heutigen Realität gar keine Relevanz mehr haben. Vielleicht erinnern Sie sich auch an Zeiten, in denen Ihre Zurückhaltung wichtig war, um bestimmte Situationen überhaupt irgendwie möglichst schadfrei zu überstehen. Mit diesem Bewusstsein können Sie dann besser trennen zwischen dem, war früher war, und dem, was heute ist.

    In dem Beispiel oben ging es der Klientin um ihr Bedürfnis, Ihren (seelischen) Schmerz, den sie aufgrund von verletzenden Erfahrungen empfindet, auszudrücken und mitzuteilen, statt sich zurückzuziehen und sich an das Verhalten der Anderen anzupassen, so wie sie es schon als Kind gelernt hatte. Sie entdeckte in der Therapie, wie sie selbst den Schmerz unterdrückt, manchmal mit einem Lächeln überspielt und so nicht zu dem Trost kommt, den sie eigentlich dringend bräuchte.

    Als ihr das bewusst wurde, spürte sie das starke Bedürfnis, ihren Schmerz mitzuteilen. Sie ging das Risiko ein, etwas Neues auszuprobieren und den Schmerz bewusst zu spüren, statt ihn wegzudrücken. Unweigerlich kamen ihr in dem Moment die Tränen, und sie wurde sich ihrer Angst bewusst, sie könnte verlassen oder verurteilt werden, wenn Sie sich so zeigt. Wegen dieser großen Angst behielt sie ihren Schmerz bisher - verständlicherweise - immer lieber bei sich und war dann damit alleine.

    Nun machte sie aber in der Therapie (im Rahmen einer Gruppentherapie) die Erfahrung, dass weder jemand wegging, noch sie verurteilte. Nachdem sie sich im Kreis umgeschaut hatte, sah sie in den Blicken der anderen TeilnehmerInnen sogar ein Mitgehen und Mitfühlen. Sie machte also eine ganz wichtige neue Erfahrung und entdeckte, dass ihre phantasierten Befürchtungen nicht eintrafen und ihre Bereitschaft, ihrem Bedürfnis zu folgen, sie zu einer wichtigen Erfahrung geführt hat, die ihr Vertrauen in sich selbst und in andere Menschen gestärkt hat.

    Die Entdeckung, dass wir nahezu alles, was wir im Leben brauchen, im gegebenen Moment in uns selbst finden, ist wohl eine der größten, die wir in einer Gestalttherapie machen können. Dass wir uns dazu gegenseitig brauchen, ist kein Nachteil, sondern bedeutet eine Bereicherung, da wir uns dabei immer näher kommen. Das ist vielleicht die größte Entdeckung.

    Wenn Sie herausfinden wollen, ob eine Gestalttherapie für Sie der richtige Weg ist, um Ihre persönlichen Probleme zu meistern und sich selbst und Ihr eigenes Potential mehr und mehr zu entdecken, können wir uns gerne zu einem kostenlosen Vorgespräch in meiner Praxis treffen.

    Christoph Steinmetz
    Heilpraktiker für Psychotherapie
    Gestalttherapie, Musiktherapie
    Einzel- und Paartherapie, Männergruppen
    Tel. 030 - 39 877 977

    Infoabend Männergruppe "Männer gestalten ihr Leben"
    Dienstag, 13. August 2013, 19:30 Uhr, kostenlos, Aquariana.
    Beginner Gruppe: Di, 20.8.13, 19:30-21:30

    zum Seitenanfang

     


     

    Yoga der lebendigen Stille        Sirkka Arad

    Sirkka Arad

    Yoga begleitet mich seit meiner Zeit in einer spirituellen Gemeinschaft 2001 auf dem Weg. Ich arbeitete dort als Ayurveda-Körpertherapeutin und Meditationslehrerin und nahm bald die heilende Kraft der Yogapraxis wahr, die mir bis heute geistig-emotionale Gelassenheit und körperliche Lebendigkeit schenkt, mich bewusster im Alltag sein lässt und mich immer mehr in meine Mitte, Kreativität und Lebensfreude bringt.
    Pranayama, Asanas, Visualierungen und Meditation, entspannt und unkompliziert praktiziert, aktivieren die Marma-Vitalpunkte des Körpers, stärken das Immunsystem und verfeinern die Kommunikation zwischen Körper, Seele und Geist.
    Jeder, der in einem atmenden Körper lebt, kann yogieren und sich aufmachen, seinem Herzen zu folgen.

    Yoga und Meditation werden im tantrischen Buddhismus weniger als philosophisches Konzept betrachtet sondern dienen als Weg durch den Dschungel des menschlichen Geistes hin zu klarem Bewusstsein und herzlicher Liebe. Der Körper wird mit all seiner Sinnlichkeit bejaht und in diesen Weg mit einbezogen, der Kopf von Gedanken befreit, Überzeugungen ü¨ber mich und die Welt umgestoßen und so jener innere Raum erfahren, der auch noch da ist, wenn das Denken längst aufgehört hat.
    Yoga führt mich zu mir selbst. Da ich bereits ich selbst bin, ist Yoga eigentlich überflüssig. Da ich aber nicht ständig in meinem Selbst verweile, angekommen bin, macht es Sinn und Freude zu yogieren und zu meditieren.

    Das Leben wird nicht durch Konzepte und Denken erkundet, sondern in jedem Moment erlebt, die Realität als solche bewusst erfühlt. Das wichtigste Instrument ist hier die Atmung, die ein natürlicher Körpervorgang ist. Die Bewusstheit des Atmens bringt meine Aufmerksamkeit in den Körper und zieht sie von den mentalen Vorgängen ab. Der Atem hat keinen Anfang und kein Ende. Er begleitet mich vom ersten Atemzug nach der Geburt bis zum Totenbett, ich kann mich jederzeit auf den Atem konzentrieren. Der Atem ist ein Spiegel meines emotional-seelischen Zustandes und hält mich so in Verbindung mit meinen Gefühlen und meiner Lebendigkeit. Je mehr ich mit meinem Atem verbunden bin, um so bewusster und feinfühliger erlebe ich den jeweiligen Moment.
    Während der Yogapraxis mit den Asanas bringe ich meinen Körper sanft in ungewohnte Positionen, Dehnungen, Öffnungen, verändere und erweitere dadurch meine Perspektive und Wahrnehmung. Erforsche spielerisch Grenzen auf physischer und psychischer Ebene und bringe durch bewusstes Atmen Prana (Lebensenergie) in den Fluss und belebe meinen Leib. Ich mache mich geschmeidig und verbinde mich mit meinem in mir angelegten kreativen Potential. In unterschiedlichen Asanas werden die Chakren (Kraftzentren der fünf Elemente) harmonisiert und richten mich in meiner Mitte aus.

    Lebendiges Yoga heißt, dass ich nicht stur einer bestimmten Abfolge folge, sondern im Moment spüre, welche Asana, welches Tempo stimmig für meinen Geist-Körper ist. Brauche ich jetzt mehr Erde, oder mehr feurige Energie? Mag ich mich weit oder eher tief und langsam bewegen? Möchte ich mich anregen oder beruhigen? Will ich passende Musik als Begleitung oder Stille?
    Als Unterstützung dient mir zu Anfang eine einfache Abfolge wie z.B der Sonnengruß oder die Rishikesh-Reihe, die ich nach und nach für mich lebendig gestalten kann.
    In der Tiefenentspannung entspannt sich der Geist, und der Leib verweilt unbeweglich. Körper und Geist sind zwei Seiten derselben Medaille. Wenn der Geist ruhig ist, schwingt der Leib in dieser Stille mit, getragen vom gleichmäßigen, tiefen Atem. Wenn Geist und Körper gleichermaßen weit werden, verschwindet die Grenze zwischen ihnen, und das Bewusstsein öffnet sich. Der Atemfluss ist meine Konstante. Mit diesem roten Faden bewege ich mich in meine Herzensmitte, lausche Akash Shakti, der Urschwingung meiner Seele und komme dann wieder genährt zurück in die Welt.

     

    „Wenn dein Körper vollkommen
    vom Bewusstsein durchdrungen wird,
    löst der einsgerichtete Geist sich im Herzen auf
    und du bist in der Wirklichkeit angekommen.“
    Vijñana-bhairava-Tantra

    Sirkka Arad
    Ayurveda-Therapeutin, Yogalehrerin
    Körpertherapie und Yogaunterricht
    Tel: 0162 - 365 13 91
    www.vedaya.eu | sirkka@vedaya.eu

    Yoga der lebendigen Stille im Aquariana:

    Mittwochs 18:00 - 19:30
    Offene Gruppe

    Individualunterricht 90 Minuten - 30 €

    Die Kurse sind für Anfänger und Fortgeschrittene geeignet und werden teilweise durch die gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst.

    Probestunde: € 10,-  – bitte kurz anrufen!


    zum Seitenanfang


     

    Hatha-Yoga                        Cárol Varga 2013

    Cárol Varga

    Für viele Menschen ist der erste Bezug mit Yoga verbunden mit dem Wunsch, körperlich oder gesundheitlich eine Veränderung zu bewirken. Auch für mich war eine krankheitsbedingte Einschränkung meiner Beweglichkeit Ausgangspunkt für meinen Yogaweg.
    Im Laufe der Jahre meiner Yogapraxis sind dann auch spirituelle Praktiken wie Meditation und das Erkunden philosophischer Hintergründe bedeutsamer geworden.
    Für uns im Westen wohl ein weitverbreiteter Entwicklungsprozess. Wer länger ernsthaft Yoga übt, wird in jedem Fall eine Yogageschichte mit einer ursprünglichen Motivation und den sich dann einstellenden Veränderungen erzählen können. Eine Entwicklung meist vom Gröberen hin zu feineren, vertiefenden Aspekten.
    Es ist diese faszinierende Entwicklungsmatrix, die den Yoga zu einem so großartigen Geschenk machen.
    Das Bedürfnis, den jetzigen Status – seien es nun Rückenschmerzen, eine traurige Erschöpfung oder das Gefühl innerer Zerrissenheit – überwinden zu wollen, ist etwas zutiefst Menschliches.

    In den advaita- (nicht-dualistisch-)philosophischen Grundlagen des Yogaverständnisses, in dem ich praktiziere, gehen wir davon aus, dass alles, was Befreiung bedeutet, bereits in uns unvergänglich angelegt ist (Aham Brahma asmi – ich bin das göttliche Wissen – ich bin brahman). Das Erkennen und Ruhen in diesem Wissen ist uns zunächst aus vielen, meist in äußerlichen Handlungen und gemachten (traumatisierenden) Erfahrungen bedingten, Gründen, die Schmerzen, Leiden und einen unruhigen Geist verursachen, schlecht möglich.

    Ich möchte den Menschen in meinen Stunden zunächst über das körperbezogene Üben im Hatha-Yoga und das Praktizieren von Atemtechniken mit diesen Zentrierungsmöglichkeiten des Yoga vertraut machen als ein Weg, um in Kontakt mit sich zu kommen, um auf diese Weise Stabilität und Befreiung aus sich selbst heraus entfalten zu können.

    Cárol Varga

    Yoga-Lehrer (BYV), Dipl.-Psychologe
    Systemischer- / Familientherapeut
    Tel. 030 - 27 57 49 02
    www.gesundheitskurse.net | info@gesundheitskurse.net

    Hatha-Yoga im Aquariana:

    Mittwochs, 18:00-19:30
    Donnerstags, 19:45-21:30
    Offene Stunden
    € 10,-/Termin

    Donnerstags, 18:00-19:30:
    Durch Krankenkassen geförderter Kurs, € 100,-/8x

     

    zum Seitenanfang


     

    Vagyoga Kundalini                              Susie Trubel

    Susanne Trubel

    Der traditionelle Yoga ist eine eigenständige Philosophie, nach der die Essenz, die Seele oder das "ATMAN" vom Ego überdeckt ist. Das Ego heisst in Sanskrit "AHAMKAR": "AHAM"= ich, "KAR" = macher. Folglich gilt es diesen "ICH-MACHER" abzubauen oder zu transformieren und das wahre Selbst zu erkennen.
    Wörtlich übersetzt bedeutet YOGA Vereinigung, überwiegend denkt man: die Vereinigung von Körper, Geist und Seele – klingt einfach, ist aber rein elementar nicht möglich, denn der Körper ist grobstofflich, der Geist feinstofflich und die Seele frei von Qualitäten.
    Vagyoga Kundalini definiert den Begriff "grobstofflich" als einen Zustand, der mit unseren fünf Sinnen wahrgenommen werden kann, d.h. alles was wir riechen, schmecken, sehen, fühlen und hören können, bezeichnenen wir als "grobstofflich."
    Diese fünf Sinne sind an die fünf Elemente gebunden, und diese Elemente sind in unserem Körper als Chakren präsent.
    Wiederum ist unser Verstand an die Sinne gebunden, da er die Sinne benutzt, um die äussere Welt wahrzunehmen. Je mehr Sinne wir bei der Wahrnehmung befriedigen können, umso stärker ist die Bindung, deswegen sind wir am meisten an materielle Dinge gebunden, da alle fünf Sinne zum Einsatz kommen. Aus jeder Sinnesinformation kreiert der Verstand ein annehmendes-oder ablehnendes Begehren, und sobald dieses befriedigt ist ,folgt schon eine neue Sinnesinformation und ein neues Begehren. Es scheint, ein ewiger Kreislauf von Sinnesbegehren und Befriedigung hat mit unserer Geburt begonnen.

    Das grobstofflichste aller Elemente ist das Erdelement und befindet sich in unserem "MOOLADHARA CHAKRAM".
    Unsere schlafende Kundalini-Energie verschlißst dieses Chakram und lässt uns damit im materiell limitierten"ICH-BEWUSSTSEIN".
    Vagyoga Kundalini hat zum Ziel, diese schlafende Energie zu erwecken, damit die Chakren zu reinigen und zu aktivieren, uns aus dem ewigen Kreislauf von Begehren und Befriedigung zu befreien und unser wahres Potenzial zu nutzen.

    Susie Trubel
    VagYoga Kundalini nach Dr. Vagish Shastri
    Tel. 030 - 34 65 34 04
    susie@vagyogakundalini-berlin.de | www.vagyogakundalini-berlin.de

    Offener VagYoga Kundalini Kurs

    Im offenen VagYoga Kurs werden alle Bereiche des Yoga unterrichtet, d.h. wir beginnen mit Hatha Yoga Asanam, gehen über zu Pranayam und Mudra Bandha und enden mit einer Meditation.
    mittwochs, 18:00 - 19:30
    € 14,40 / Unterichtseinheit

    März 2013

    zum Seitenanfang


     

    15 Jahre Aquariana – A Work in Progress        km

    Ein Gespräch mit Kristina Messerschmidt

    Wie kam es dazu, das Aquariana zu gründen?
    Ich hatte schon lange eine eigene Heilpraxis und wollte nun gerne mit anderen zusammenarbeiten. Ein Jahr lang suchte ich mit einer Kollegin zusammen andere, doch alle, und wirklich alle, sind immer wieder abgesprungen. Während einer Meditationswoche in Stille habe ich all meine Vorstellungen bezüglich der Praxisgemeinschaft einfach losgelassen. In einer Meditation hatt ich das sehr deutlich Empfinden, es alleine zu machen und gleich ein größeres Zentrum zu gründen mit Praxis- und zugleich Seminarbetrieb, statt eine Praxisgemeinschaft zusammenzusuchen. Ich verließ die Meditationswoche mit einem tiefen Gefühl des Vertrauens zu dieser Vision. Auch als Freunde mich für meinen Mut bewunderten, war es doch immer mehr Vertrauen als Mut. Die Idee war nicht von außen gekommen, sondern hatte sich von innen nach außen entwickelt. Interessanterweise lief es von da an rund: Meine Kollegin hatte die Etage hier in der alten Brauerei angeboten bekommen. Ihr war das Projekt schließlich zu groß, für mich jedoch war es genau richtig. Kurze Zeit später hatte ich den Mietvertrag in der Tasche, meine Mutter und Tante gaben mir bedingungslos mein Erbe, meine damalige Lebensgefährtin war ganz an meiner Seite,  und die Umbauarbeiten liefen in vollem Gange. Auch war es plötzlich kein Problem mehr, interessierte Kolleginnen für die Anmietung der Räume zu finden.

    Du warst also die Chefin des neuen Aquariana-Zentrums und hast die Räume an Therapeutinnen, Heilpraktikerinnen etc. vermietet?
    Die Verträge liefen zwar alle auf meinen Namen, doch "Chefin" – niemals! Am Anfang stand die Idee, dass es ein Gruppenprojekt ist, in dem alle gemeinsam entscheiden und in dem wir ein gemeinsames Energiefeld aufbauen. So hatten wir in den ersten Jahren zum Beispiel jeden Montag 2 Stunden Plenumssitzung und zweimal im Jahr ein Wochenende Klausurtagung mit Meditation, Gruppenübungen und viel Reden.

    Was wurde auf diesen Sitzungen und Wochenenden denn besprochen?
    Alles wurde gemeinsam besprochent: von der inhaltlichen Ausrichtung des Aquarianas und Werbung über die Preisgestaltung für die Raummieten, Einrichtung der Bibliothek bis zur Organisation des Tages der offenen Tür. Wir waren 10-12 Kolleginnen, und alle waren richtig engagiert. Es gab Arbeitsgruppen zu den einzelnen Bereichen und jede Menge Meetings. Auch die Gruppenprozesse spielten eine große Rolle, insbesondere auf den Klausurtagungen. Durch die konkreten Entscheidungsnotwendigkeiten ergaben sich grundsätzliche Fragen. Eine wichtige Frage war zum Beispiel: Wer darf über was entscheiden? Kann jemand Entscheidungsmacht haben ohne entsprechend Verantwortung zu übernehmen? Diese grundsätzlichen Fragen mussten diskutiert werden, denn es gab ständig Wichtiges – und auch Unwichtigeszu entscheiden

    Wie seid ihr mit diesen Konflikten umgegangen? Habt ihr die Machtfrage gestellt? Und in welcher Form?
    Wir sind eigentlich recht kreativ mit allen Fragen und auch Konflikten umgegangen. Die Frage "Wer hat Macht bzw. Einfluss?" brachte z.B. sehr interessante Ergebnisse: Diejenigen, deren Autorität am meisten anerkannt war bzw. den größten Einfluss hatten, waren gleichzeitig diejenigen, deren Praxis am besten lief und die ein insgesamt entspanntes Verhältnis zu Geld hatten, d. h. am ehesten das Gefühl hatten, immer genügend Geld zu haben.
    Eine der zentralen Fragen - Wer darf entscheiden? - wurde immer wieder diskutiert: sollte das abhängig von der angemieteten Raumgröße sein oder der Höhe des Mietanteils oder …? Mit der Unterstützung einer Supervisorin klärten sich unsere Beziehungen untereinander, und mit einer Organisationsberaterin wurde noch klarer: Wer die letztendliche Verantwortung hat, vor allem in finanzieller Hinsicht, muss auch entscheiden dürfen.

    Und das warst du?
    Ja, das war ich. Alles lief auf meinen Namen: der Mietvertrag, die Angestellten, Werbemaßnahmen, Telefonverträge, ALLES. Die anderen konnten mit einer dreimonatigen Kündigungsfrist gehen, ich hatte einen unkündbaren Gewerbemietvertrag über fünf Jahre. Ich konnte mir uneffektive Entscheidungen und zu lange Prozesse eigentlich nicht leisten.

    Diese Erkenntnis hat doch bestimmt die Strukturen im Aquariana-Gruppenprojekt verändert.
    Ja, sehr. Diese erste Phase dauerte ca. vier Jahre. Dann gab es zwei Jahre, in denen sich alles stark umstrukturierte. Viele verließen das Aquariana, und parallel dazu veränderte sich viel in meinem persönlichen Leben, so dass ich meine Heilpraxis immer mehr aufgab und zunehmend die Leitung, Verwaltung und Organisation des Aquarianas übernahm. Rein physisch zeigte es sich daran, dass ich vom einen Ende des Aquarianas, meiner Heilpraxis in Raum 7, ans andere Ende, ins Büro, zog. Die Quadratmeterzahl verringerte sich von dreißig auf knapp neun, dafür wurden die Leitungsaufgaben immer umfangreicher.

    Fühlst du dich dort am richtigen Platz?
    Absolut! Ich habe festgestellt, dass ich sehr gern [… und gut! - sagt die Interviewerin] organisiere, ich habe viele Begegnungen und gleichzeitig mein Büro für mich. Organisation heißt für mich, Dinge ins Fließen zu bringen.

    Lass uns noch mal zurückgehen zu den verschiedenen Phasen. Nachdem sich alles umstrukturiert hat, wie hat sich das Aquariana geändert?
    Je mehr ich die Verwaltung übernahm, desto mehr stellte sich bei den anderen KollegInnen Erleichterung ein, weil sie ihre Energie in ihre eigene Praxis stecken konnten.
    Damit ist das Aquariana ein Dienstleistungsunternehmen geworden. Das Konzept sieht so aus, dass ich die acht Praxisräume und die beiden Seminarräume vermiete und außerdem die gesamte Infrastruktur: Dazu gehören zwei Teilzeitangestellte, die Nutzung der Ausstattung (Sitzkissen, Stühle, Matten, Zeitschriften, Blumenschmuck, Tee, WC-Papier, Bibliothek, Werbung etc.), die Pflege der Ausstattung und der Räume. D.h. auch neue KollegInnen können kommen und einfach anfangen, es ist alles da.
    Was mir Spaß macht: Mit z.B. neu dazukommenden KollegInnen herausfinden, welche Bedürfnisse sie für ihren Praxisaufbau haben und dann die richtigen Möglichkeiten für sie schaffen: der passende Raum, das passende Mietmodell. Für unsere BesucherInnen diesen Raum von Stille, Entspannung, Heilung gut zu pflegen (still ist es seit dem Kindertanz nicht immer ...).
    Was übrigens geblieben ist: zweimal im Jahr ein Tag der Offenen Tür, an dem alle zeigen, was sie können. Da ist immer viel los, und das Bad in der Menge finde ich klasse.

    Was hat sich inhaltlich verändert?
    Zunächst einmal ist der früher dezidiert spirituelle Aspekt jetzt mehr integriert in die verschiedensten Therapien und Workshops. Man spricht offen über Spiritualität, vielleicht eher in Form von Ganzheitlichkeit. Yoga war z.B. früher esoterisch, heute ist es im Mainstream angekommen. Das gleiche gilt für Feldenkrais oder für MBSR. Yoga und MBSR (Stressbewältigung durch Achtsamkeit) werden heute zur gesundheitlichen Prävention von den Krankenkassen bezuschusst. Das war vor 15 Jahren noch undenkbar.
    Auffällig ist ebenfalls, dass deutlich mehr Männer hier sind, sowohl als Kollegen als auch als Teilnehmer/Besucher/Klienten.

    Wie hatte sich ausgewirkt, dass Du die Leitung nun "hauptberuflich" machst?
    Dadurch, dass ich mich ganz auf die Leitung des Aquarianas konzentriere und auch verstärkt an der Bewerbung gearbeitet habe, hat sich der Bekanntheitsgrad weiter vergrößert. Wir haben eine Vielzahl von TherapeutInnen, HeilpraktikerInnen, Kurs- und Seminarleitern hier, die ein großes Spektrum an Behandlungs-, Beratungs- und Weiterbildungsangeboten abdecken. In dieser Vielfalt lag allerdings von Anfang an die Stärke des Aquarianas. Menschen, die etwas für Ihre Gesundheit und Heilung im weiteren Sinne suchen, können hier etwas für sich finden. Wir beraten sie gerne dabei, denn eine Vielzahl an Angeboten kann ja auch sehr verwirrend sein. Die Vielfalt zeigt sich auch an den Menschen, die zu Kursen und Behandlungsangeboten hierhin kommen: Babys (Rückbildungsyoga für Mütter mit Babys, Homöopathie, Osteopathie), Kinder (Kindertanz, Lernberatung), Erwachsene, alte Menschen. Männer und Frauen. Aus der Nachbarschaft und mit weiter Anreise.

    Zu jedem Jubiläum gehören auch ein paar Zahlen. Welches sind denn die wichtigen Aquariana-Zahlen?

    3 Anzahl der Kolleginnen, die seit Anfang an dabei sind: Gabriele Janke, Alice Kohl und Susanne Kukies („Super und danke an dieser Stelle!")
    10 (fast) Anzahl der Jahre, die Kai an der Rezeption dabei ist. ("ohne ihn ginge es gar nicht!")
    30 Anzahl der Programmhefte. Am nächsten Tag der Offenen Tür hängen sie wieder alle aus!
    35 (mind.!) Anzahl der Tage der offenen Tür
    2000 das Jahr, an dem das Aquariana eine Webseite bekam
    2006 das Jahr, in dem dieser Newsletter gestartet wurde.

     

    … und last but not least
    Samstag, 5.1.2013     Tag der Offenen Tür zum 15. Aquariana-Geburtstag.
    Sie sind herzlich eingeladen!


    zum Seitenanfang


    Ziele können Opium sein...

     

    Ynez Neumann

    ...sie können uns euphorisieren und beflügeln. Sie können uns zur Entwicklung erstaunlicher Fähigkeiten motivieren. Uns wachsen und gedeihen lassen.

    Sie können uns aber auch zu Boden drücken, uns die Luft nehmen und um den Schlaf bringen. Sie können zum Albtraum werden und dafür sorgen, dass wir in uns zusammenschrumpfen und unsere Handlungsfähigkeit verlieren.
    Ziele zu definieren, zu verfolgen, zu verfehlen und neu anzupassen ist ein ewiger Prozess. Er gehört zum Leben wie die Jahreszeiten. Allerdings, manchen Ärger kann man sich durch das Überprüfen der eigenen Orientierungen -im unangenehmen Falle: Fixierungen- ersparen. Manchen Umweg vermeiden.
    Nur ist das nicht immer so einfach. Stellen die Menschen sich doch Ziele nach bestem Wissen und Gewissen. Und doch bleibt man manchmal irgendwo hängen, kann einen bestimmten Vorstellungsraum nicht verlassen.

    Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel geben.
    Ein junges Mädchen, Schülerin einer Realschule, steht am Beginn der 9. Klasse vor der Berufswahl. Sie hat verschiedene Ideen im Kopf. Sie interessiert sich für die Arbeit im Restaurant oder Hotel und könnte sich eine Ausbildung zur Hotelfachfrau vorstellen. Ausserdem liebt sie Musik, ist ein lebenslustiges und redegewandtes Mädchen und würde eigentlich unglaublich gerne Radiomoderatorin werden.  Da sie bei einem Schulpraktikum bei einem angesehen Konditor als besonders talentiert aufgefallen war, hat sie bereits eine Lehrstelle als Konditorin angeboten bekommen.
    Für Schule hat sie sich nie besonders interessiert. Jede Art von Leistungsanforderung setzte sie unter Druck, dem sie sich durch mittelmässigen Anspruch an sich selbst entzog. So konnte sie Stress und Verunsicherung vermeiden.
    Ihre Mutter war der Ansicht, dass ihre Tochter in der Regel hinter ihren Möglichkeiten zurück blieb. Sie schätzte das schulische und soziale Umfeld in dieser Hinsicht als ungünstig ein. Sie nahm die anstehende Weichenstellung für das Leben ihrer Tochter zum Anlass und suchte meinen Rat. Ich bot ihr an, zu dem Thema mit ihrer Tochter zu arbeiten.

    Das Mädchen willigte ein. Ich führte ein langes Gespräch mit ihr und wir betrachteten die Angelegenheit aus verschiedenen Perspektiven. Ihr Zensurendurchschnitt war mittelmäßig. Er lag unterhalb der Grenze, die ihr einen Zugang zum Oberstufenzentrum für ein Abitur ermöglicht hätte. Allein den Gedanken an das Abitur lehnte sie vollkommen ab.
    Die Optionen, die für eine Berufswahl im Raum standen, waren für sie aus unterschiedlichen Gründen nicht wirklich wünschenswert. Konditorin wollte sie nicht werden, auch wenn ihr das Gestalten und Arrangieren sehr viel Freude machte. Radiomoderatorin zu sein erschien ihr zwar traumhaft, aber sie war realistisch genug, um zu wissen, dass dieses Ziel nicht so ohne weiteres zu erreichen sein würde. An einer Tätigkeit als Hotelfachfrau schreckten sie die Nacht- und Wochenenddienste.

    In einem weiteren Gespräch beleuchtete ich die mögliche Erweiterung ihres Handlungsspielraumes, die sich mit einem Abitur für sie ergeben würden. In diesem Gespräch zeigte sich, dass hinter der Ablehnung dieser Vorstellung ein emotionales Thema steckte. Wir vereinbarten eine wingwave-Sitzung, um damit zu arbeiten. Wingwave ist eine Kombination aus einer traumatherapeutischen Methode, Skalierungsfragen und dem Myostatik-Test (ähnlich kinesiologischen Tests). Die Methode kann zügig und tiefgreifend Dinge zum Fließen bringen und bietet einen sicheren Rahmen für die ausgelösten Prozesse. Die Sitzung verlief sehr intensiv. Das Mädchen durchschritt und löste die starke emotionale Blockierung, die auf der Leistungsthematik lag.

    Bei unserem darauf folgenden Gespräch erzählte mir die junge Dame, dass sich etwas in ihr verändert habe. Sie könne jetzt frei über die Möglichkeit des Abiturs nachdenken. Sie schien geradezu euphorisiert bei dem Gedanken, sozusagen über sich selbst hinaus zu wachsen, indem sie sich mit dem Abitur ganz neue Horizonte schaffen würde. Konkret hieß das alledings, dass sie nun hart arbeiten musste, um die Zensuren entsprechend zu verbessern. Viel Zeit blieb nicht.

    Dies ist eine Erfolgsgeschichte, natürlich.
    Den Zugang zur Abiturstufe hat sie mit viel Engagement geschafft. Der Zuwachs an Selbstvertrauen und Mut, den ihr das gebracht hat, ist enorm. Dazu kommt die Erfahrung, dass Anstrengung sich lohnt und zu gewünschten Veränderungen führt. Der Wechsel an die neue Schule hat diesem Mädchen ein neues Umfeld gebracht, in dem sie sich akzeptiert und  gewertschätzt fühlt - weitaus mehr als an der alten Schule. Ihr Auftreten und ihre Sprache haben sich auf angenehme Art entwickelt. Sie ist inzwischen eine interessierte und leistungsbereite Schülerin und lernt nach und nach, mit dem Stress umzugehen. Seit kurzem hat sie einen Nebenjob in einem kleinen gemütlichen Café. Auch das ist etwas, das sie sich schon lange  gewünscht hatte.

    Dieses junge Mädchen konnte durch das Coaching bei mir ihre Wahrnehmung der Situation und ihr Ziel verändern. Die daraus resultierenden Konsequenzen machen ihren Weg um vieles erfreulicher und befriedigender für sie selbst - und für ihr Umfeld.

    Die Ursachen für inadäquate, oder sagen wir: ungünstige Zielformulierungen können vielgestaltig sein. Wie wir eben gesehen haben, spielen Konditionierungen eine Rolle dabei, dass ein bestimmter Rahmen nicht überschritten werden kann. Oder aber: Bedürfnisse, die noch nicht als solche wahrgenommen werden, verlagern sich in große Aufgabenstellungen hinein, die aber nicht bewältigt werden können.

    Besonders, wenn eine Entscheidung schwer fällt, ist das Ziel einer genauen Betrachtung zu unterziehen.
     
    Hierfür ein weiteres Beispiel aus meiner Praxis.
    Ein 35-jähriger Mann kam zu mir mit folgendem Anliegen: Er sehnte sich danach, sich entspannt und vertrauensvoll in Berlin niederzulassen und eine Wohnung zu kaufen. Bei der Wohnungssuche beschlichen ihn jedoch immer wieder Zweifel, ob das wohl die richtige Entscheidung sei. Es war nicht absehbar, ob er beruflich in Berlin Fuss fassen würde. Sollte er nun den Wohnungskauf vorantreiben oder besser erst einmal abwarten, wie sich alles entwickeln würde? Dem entgegen stand seine Sehnsucht, anzukommen und sich ein gemütliches Zuhause zu schaffen. Er wünschte sich mehr Klarheit in dieser Angelegenheit.

    Nachdem wir die Sache von allen Seiten betrachtet hatten, schlug ich ihm die Klärung der Fragestellung durch eine „Schriftliche Problemaufstellung“ nach Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd vor. Diese Methode bietet die Möglichkeit, Schwierigkeiten rational wie emotional transparent und erfassbar zu machen. Sie ist hervorragend dazu geeignet, Lösungsdynamiken anzustoßen.

    Die derartige Aufstellung der relevanten Aspekte (Ziel, Hindernisse, dahinter liegende Aufgabe etc.) führte in Bereiche, die wir beide nicht vermutet hätten. Es kamen Beziehungsthemen der Vergangenheit zum Tragen. Das Fazit bestand darin, dass der Kauf der Wohnung nicht der entscheidende Schritt für ein „Wurzeln“ in Berlin war.
    Statt dessen ging es darum, sich vertrauensvoll dem Leben gegenüber zu zeigen, sowie die eigene Identität und Handlungsfähigkeit zu spüren. Das Ergebnis war mehr Selbstvertrauen und Mut, in alltäglichen Situationen Dinge zu wagen, die die eigene Identität unterstrichen. Somit hatte sich der Fokus von dem ganz großen, übermächtigen Ziel auf viele kleine Zielsetzungen in greifbarer Nähe zurück verlagert. Im Moment lebt dieser Mann sehr glücklich in seiner neuen behaglichen Mietwohnung - ohne das Kaufvorhaben ad acta gelegt zu haben.

    So ist es mit den Zielen. Sie sind Orientierungsfähnchen in unwegsamem Gelände, innerer Kompass - und nicht zuletzt ein Versprechen gegenüber sich selbst, das großen Einfluss hat.
    Sie sind Ausdruck von Sehnsüchten und Idealen. Wenn jedoch die Erfahrungen der Vergangenheit mit den Sehnsüchten der Gegenwart nicht in gleicher Richtung galoppieren können, wird es „spannend“. Heute „hüh“ und morgen „hott“, Gas geben und Bremsen gleichzeitig - schwierig. Der Wagen kommt nicht vom Fleck. Entwicklungsdynamik ist nur möglich, wenn die inneren Zugpferde sich einig sind. 

    Sind sie es? Falls nicht, hier mein Tipp: Man kann mit ihnen „reden“...

    Wünschen Sie meine Unterstützung oder haben Sie Fragen, dann kontaktieren Sie mich per email oder rufen Sie mich an.

    Ynez Neumann – zwischenzeitlich nicht mehr im Aquariana
    Personal Coach, Künstlerin, Kunst * Heilung
    wingwave® , Strukturaufstellungen,
    systemisches Coaching und NLP

    Tel: 0178 557 97 27 | www.heilung.wahrnehmungskompetenz.de

    ´

    zum Seitenanfang


     

    Coaching oder Therapie?                                     christiane knoess

    Ein Gespräch mit Christiane Knöß

    Kristina Messerschmidt: Viele gehen leichter zum Coaching als zur Therapie. Der Ausgangspunkt ist dabei immer gleich: Es gibt ein Problem. Wie unterscheiden sich nun Coaching und Therapie voneinander?
    Christiane Knöß: Mit dem Coaching kommt man schneller auf den Punkt, hier will man eine Lösung. In der Therapie dagegen geht es um Selbstfindung und lässt sich mehr Zeit. Beides hat seine Berechtigung, jedoch ist es mir immer wichtig, dass bei den Klienten die eigene Person mit herein kommt.

    Was wird dadurch anders?
    Fangen wir mal so an: Der Wunsch "Ich habe ein Problem – bitte machen Sie es weg!" ist sehr verständlich. Im Coaching geben wir diesem Wunsch i.A. nach, d.h. wir versuchen eine Art Reparatur von etwas, das nicht mehr funktoniert. Dafür gibt es verschiedene Techniken. Bewährt hat sich z.B. EMDR 1) oder, was ich selbst in meiner Praxis anwende, Wingwave® 2)

    Ein Beispiel:
    Eine Frau kommt in die Praxis, und wir identifizieren schnell den Glaubenssatz "Ich krieg das nicht hin", einhergehend mit dem Gefühl eines Kloßes im Bauch. Der Kinesiologische Stresstest dazu bestätigt: Ja, das ist ein Gedanke, der die Klientin schwächt. Durch die Anwendung von Wingwave wird das Gehirn angeregt, wieder beide Gehirnhälften zu benutzen, unter Stress bleibt man quasi auf einer Seite hängen, der Horizont erweitert sich, neue Perspektiven tauchen auf, und – wichtig – das Körpergefühl ändert sich ebenfalls. Dies ist der Effekt, den die Klientin sich wünschte: Sie spürt, dass sich etwas in ihr verändert hat, und sie geht beschwingt nach Hause. 

    Meine Erfahrung zeigt, dass Menschen, die bereits viel an sich selbst "gearbeitet" haben, mit dieser Behandlung – oder eher: Coaching! – gut zurecht kommen. Sie kennen sich in ihren Strukturen, in ihrer Persönlichkeit und auch ihren Begrenzungen recht gut aus und können die neu gewonnene Veränderung integrieren. Bei Menschen hingegen, die sich selbst nicht so gut kennen, tritt zwar zunächst derselbe Effekt auf, aber die Stunde wird keine nachhaltige Wirkung zeigen. Die alten Strukturen sind stark und werden bei der nächsten Gelegenheit wieder an die Oberfläche kommen. Diese Techniken sind also wirkungsvoll, aber unter Umständen begrenzt. Dies gilt übrigens auch für gewisse Techniken der Theapie, doch dazu später.

    Machst du deine Klienten darauf aufmerksam?
    Ja, durch meine langjährige Berufserfahrung bemerke ich es natürlich sehr schnell, wenn machtvolle Strukturen die Lebensrealität eines Menschen stark bestimmen. Mit dem "systemischen Auge" vermute ich, dass es sich, um in unserem Beispiel zu bleiben, um einen übernommenen Gedanken eines Elternteils oder eines anderen Ahnen handeln könnte. Hinweise können beispielsweise seiin, dass sich der Satz im Raum lokalisieren lässt. Also ich frage "aus welcher Richtung hören Sie das?" Da mache ich meine Klienten schon darauf aufmerksam, dass es noch andere Gründe für diesen Glaubenssatz geben könnte. 
    Was die Therapiemethoden angeht: Mir ist wichtig, dass im therapeutischen Prozess immer der Bezug zur Gegenwart hergestellt wird. In manchen Therapien fehlt das; die Klienten lernen gründlich ihre Kindheit kennen, und kommen mit der Wirklichkeit dennoch nicht zurecht.
    Ich glaube eigentlich, das ist eigentlich mehr eine Frage der Haltung als der Methode. Und du sagst ja auch, dass du aus verschiedenen Methoden wählst, je nachdem, was für die Klienten am besten geeignet ist.

    Wie alt sind eigentlich deine Klienten?
    Das geht durch fast alle Altersgruppen. Ich habe oft junge Leute in meiner Praxis, sogar Jugendliche. Die kommen dann meistens mit Traumatisierungen, und da kann ich mit Wingwave gut helfen. Jugendliche sprechen unmittelbar darauf an, und die Wirkung ist deshalb so nachhaltig, weil die Problematik noch nicht alt ist, noch nicht "Fleisch" geworden ist.
    Ich beobachte allerdings eine Regelmäßigkeit: Viele fangen mit 28 Jahren an, sich entdecken und klarer sehen zu wollen. Das ist der bekannte 7-Jahres-Rhythmus: Mit 21 sind sie ausgezogen, mit 28 ziehen sie – oder "das Leben" eine erste Bilanz und brauchen dann eine Zeit, sich selbst zu ergründen. Mit 35 kann man sich dann etablieren. 

    Noch etwas zu Methoden: Du arbeitest auch oft mit NLP ....
    Beim NLP geht es im ersten Schritt darum, Gedankenstrukturen zu erkennen. Allein die Erkenntnis, dass ich das denke und v.a. immer wieder und immer wieder gleich denke, ist schon verblüffend. Dadurch wiederum entsteht die Möglichkeit, sich "umzuprogrammieren". Durch eine Kombination mit Winken/Augenbewegungen (die künstliche REM-Phase im Wingwave) wird der Körper mit einbezogen: eingefahrene Muster lockern sich, und ich kann anders denken. Als Bild können wir uns eine Autobahn ohne Ausfahrt vorstellen, auf der unsere Gedanken dahinrasen – durch das therapeutische Winken wird eine Ausfahrt geschaffen.

    Auch hier können wir einschränkend sagen, dass diese Manipulation hilft, jedoch für eine langfristige Veränderung mehr getan werden muss. Wie nimmst du nun die Familienaufstellung dazu?
    Systemische Aspekte drängen sich immer ins Leben, entweder innerhalb der realen Familien oder in den Konstellationen meines Umfeldes. Auch und gerade unbekannte Geschehnisse in einer Familie haben eine Wirkung auf den Einzelnen. Wenn jemand mit einer bestimmten Symptomatik in die Praxis kommt, seine Geschichte erzählt und dabei z.B. immer wieder nach links unten schaut, dann lege ich als "Stellvertreter" ein Kissen hin und frage, Wer kann das sein? Dann kommen weitere Kissen dazu, so dass sich eine Situation mit mehreren Personen aufbaut. Sie stehen als Personen in verschiedenen Positionen zueinander – Beziehungen werden sichtbar, Gefühle werden benannt, Vermächtnisse werden deutlich, und wir sind Familienmustern auf der Spur.
    Zu dieser Arbeit gehört auch die so genannte "Teile-Arbeit", der Arbeit mit einzelnen Aspekten innerhalb einer Person. Da ist das Kind, die Zweiflerin, die Ängstliche, die Große, die sich gegenseitig behindern, aber auch unterstützen können. Wir splittern also erst einmal auf, dadurch öffnet und lockert sich die Konstellation und wird übersichtlich. Dann können  die Teile neu zusammengebracht werden.
    Aufstellungen sind sehr ergiebig, liefern viel Material für die Diagnose und gute Einsichten für die Klienten. Nach diesem kognitiven Prozess wende ich entweder noch in der Aufstellung oder aber ganz zum Ende der Sitzung Wingwave an. Das hat sich als sehr effizient herausgestellt und rundet das Geschehen ab, um die Weichen neu stellen zu können.

    Nun sich wir vom Coaching ganz schön tief in Prozesse eingestiegen. Ist das immer so bei dir? 
    Alles kann, nichts muss ... Warum nicht gleich zur Sache kommen?!

     

    1) Eye Movement Desensitization and Reprocessing – therapeutische Methode zur Bearbeitung von Traumata.
    2) Ebenfalls hochwirksam in der Behandlung von Traumatisierungen; siehe auch Artikel von Ch. Knöß, "Winken hilft", 25. Aquariana-Newsletter, Aug. 2009

    Christiane Knöß
    Diplom-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin
    Coaching, Wingwave®, Aufstellung
    Integrative Körper-Psychotherapie

    Tel. 030 - 612 78 99 und 0163-974 55 82
    www.christianeknoess.de, Oktober 2012


    zum Seitenanfang


     

    Diary Dance                                           

    Interview mit Eve Neeracher

    In deiner Gruppe lädst du dazu ein, die persönliche Lebensgeschichte zu bewegen. Was passiert, wenn ich montags um 18:00 Uhr zu dir ins Aquariana komme?
    Wir beginnen mit einem Warm-up! Zuerst frage ich natürlich, wie es allen geht, ob Verspannungen da sind oder körperliche Beschwerden, da ich Unterrichts-Elemente spontan danach ausrichte. Um anzukommen und in den Körper zu kommen, leite ich einige Yoga- oder Atemübungen an, auch mit Elementen einfacher zeitgenössischer Tanzbewegungen. Der Alltags-Stress darf draussen abgelegt werden, wir kommen von außen nach innen, und die Körperübungen geben außerdem Halt und Struktur. So kommen wir z.B. vom Liegen über's Stehen zum Gehen ... durch den Raum und ehe man sich's versieht, bewegt man sich schon!

    Das war das Warm-up – und was kommt dann?
    Der mittlere Teil: Da wird das Experimentierfeld eröffnet! Freier Tanz, Improvisations-Übungen, Elemente des Körpertheaters, ein Spiel-Raum, wo alles Mögliche an persönlichen Geschichten und Bewegungssequenzen entstehen darf.

    Wann kommt denn das Schreiben ins Spiel?
    Genau hier. Die Idee ist, dass alles aus dem inneren Bewegen entsteht. Bewegung ist immer da, z.B. im Gedankenfluss. Gedanken sind ein Motor, ein Beweg-Grund, ebenso wie Gefühle und Emotionales, was vom Tag da ist. Das, was uns innerlich bewegt, bringen wir auf's Papier und von da mit dem Körper in den Raum. Das ist abwechselnd mit Stift und Körper schreiben.
    Konkret bringen alle ein Tagebuch mit, vielleicht eines, das jedes Mal benutzt wird. Wir geben ca. 5 min. unserem Gedankenfluss nach und lassen alles in den Stift fließen: Wörter, Assoziationen, Bilder, Rhythmen. Was ist jetzt da? Gefühle, vielleicht Unklares, Unausdrückbares? Manchmal bringe ich auch Fotos mit oder Zeitungsausschnitte. Oder ich stelle ein Thema in den Raum, z.B. der Blick von außen auf mich.

    Das ist ja recht anspruchsvoll!
    Ich schaue natürlich ganz genau, an welchem Punkt die einzelnen Teilnehmer sind und bringe spontane Anregungen und Impulse intuitiv aus meiner Erfahrung ein. Sehr wichtig für diese Arbeit ist ein geschützter, sicherer Gruppen-Raum.

    Wie stellst du diesen Raum her?
    Er entsteht durch meinen wertschätzenden Umgang mit den Teilnehmern, dadurch, dass ich individuell auf die Einzelnen eingehe, sie unterstütze, sie locke, ihnen Mut mache. Und Sie auf eine Reise mitnehme, wo alles möglich ist und Begriffe wie "falsch" und "richtig" keine Bedeutung haben.

    Sprecht ihr auch untereinander?
    Ja. Nach der Phase des Schreibens setzen wir uns zusammen und editieren. D.h. alle wählen aus ihrem entstandenen Textmaterial einen Hauptsatz heraus. Damit wird dann weiter gearbeitet. Spannend ist übrigens, was sich ergibt, wenn Leute kontinuierlich kommen: welche Verknüpfungen entstehen, welche Antworten auf frühere Fragen zu finden sind. Das vertieft sich alles sehr.
    Zurück zur Frage: Es gibt zwischendurch immer wieder kurze Austauschrunden. Auch dies trägt zum geschützten Rahmen bei, denn die Teilnehmer entdecken, dass alles wichtig ist, was eingebracht wird, dass ein Raum entsteht, eine wärmende Gruppenumgebung.

    Damit ist ja schon ein ganzer Prozess angestoßen. Wie geht es dann weiter?
    Wenn der "Hauptsatz" klar ist, frage ich, was brauchst du jetzt, was tut dir gut? Hast du einen Wunsch an die Gruppe? Vielleicht weiß es die Person auch nicht, das ist auch in Ordnung. Dann mache ich einen Vorschlag, ein Angebot. Es ist sehr individuell, was dann passiert, und alles darf sein. Wichtig für die Teilnehmer ist, zu spüren, was in ihnen vorgeht. 

    Was ist deine Rolle dabei?
    Dieser Teil ist stark tanztherapeutisch ausgerichtet. Ich bin mitten drin, und ich leite an. Ich beobachte genau und bringe weitere Ideen ein. Ich gebe mal ein Beispiel:
    Eine Teilnehmerin äußert Berührungsängste, will niemandem zu viel sein. Ich lade sie ein, bei einer Vertrauensübung zuzuschauen: Eine Person schließt die Augen, lässt sich leicht nach hinten fallen, während sie von anderen in der Gruppe aufgefangen wird. Die besagte Teilnehmerin darf dabei sein, ist nicht ausgeschlossen, muss aber nicht mitmachen. Irgendwann will sie zur Gruppe der Auffangenden gehören. Irgendwann will sie selbst die Übung machen. So kann sie sich tief berühren lassen und hat dabei alle Zeit, Raum und Vertrauen in sich aufzubauen.

    Wie wichtig sind dir gemeinsame Übungen?
    Die sind sehr wichtig. Und sie wirken sehr kraftvoll, vor allem Gruppentänze. Da entsteht viel Energie, viel Austausch. Und sie sind oft auch spielerisch, leicht und humorvoll. Partnerübungen sind eine gute Möglichkeit Vertrauen aufzubauen, sich zu erleben beim „Führen oder Geführt-Werden“.
    Und noch ein Beispiel für eine Partnerübung: Zwei Teilnehmer sollen sich gegenseitig beobachten, wie sie gehen und sich dann nachahmen. Auch das ist oft lustig und berührt gleichzeitig. Dabei passiert viel, und es schult außerdem die Wahrnehmung.

    Du sagtest mal, du verstehst dich als "Energiearbeiterin".
    Als Tänzerin erlebe ich es so, dass ich Energie als Welle empfange und sie forme, dass ich Energie dosiere, also den Körper wie ein durchlässiges Instrument begreife. Wichtig ist mir auch, dass ich nichts vertreibe oder verdränge – denn das kostet Kraft, erzeugt Widerstand und Blockaden. Vielmehr erforsche ich die Schattenseiten, nütze die darin gespeicherte Kraft und lasse den Tanz als ausgleichende Energie wirken. Gerne zeige ich den Teilnehmern einen Weg auf, sich selbst ganzheitlich anzunehmen und wie körperliche Blockaden mit tanztherapeutischen tools oder anatomisch orientierter Körperarbeit aufgeweicht werden und der Körper wieder in den Fluss gebracht wird.

    Es scheint wirklich unglaublich viele Möglichkeiten in der Bewegungsarbeit zu geben.
    Gleich noch ein paar mehr: Tanz der Elemente, Feuer, Erde, Luft und Wasser. Verschiedene Bewegungsqualitäten erfahren: Slow motion, schnell, sichtbar oder unsichtbar sein, rund oder quadratisch, laut oder leise. Relation von Körper im Raum, Bilder malen und bewegen …

    Ich vermute, es gibt noch einen dritten Teil an einem Abend?
    Genau, da wird "heruntergefahren". Ich leite eine Entspannung oder eine Fantasiereise, während alle zugedeckt auf Matten liegen: Es nachklingen lassen….Wie habe ich mich anfangs gefühlt, wie jetzt? Welche Erkenntnisse hatte ich? Das geschieht in der Stille, manche schreiben etwas auf, manchmal gibt es noch einen Austausch.

    Was habe ich davon, wenn ich zu dir in die Gruppe komme?
    Du schulst deine Wahrnehmung, du kannst kreativ werden, du sensibilisierst dein Körperempfinden, machst leichte tänzerische Entdeckungen, fügst vielleicht kleine Bewegungssequenzen zusammen bis hin zu einer gruppenvereinigenden Gesamtsequenz. Bei Übungen mit geschlossenen Augen werden alle deine anderen Sinne wach. Letztlich ist es ein wunderbares Selbststudium!

    Ich vermute, das "Diary" aus dem Kurstitel, das bringe ich gar nicht fertig mit?
    Du trägst alles in Dir und lässt aktuelle Geschichte entstehen… Wir schreiben und bewegen unsere Leben an diesen Abenden ... neue Aspekte werden sichtbar … !


    Eve Neeracher – zwischenzeitlich nicht mehr im Aquariana
    Dance-teacher / choreographer
    Einzelstunden und Bewegungs-Coaching
    Tel. 0176 - 23 747 207 | www.neeracher.de

     

    zum Seitenanfang



    Pilates und Freie Bewegung                     

    Interview mit Eduard Martin Colomer

    Diese Kombination von Pilates und freier Bewegung finde ich speziell. Warum kommen die Leute zu dir?
    Viele sagen, dass sie meine Ruhe sehr mögen – aber das merken sie ja erst im Kurs selbst. Und diese zwei verschiedenen Angebote, die ich innerhalb eines Kurses mache, sind einfach zwei verschiedene Seiten einer Münze.

    Erzähl mal genauer, was du da machst.
    Wir fangen mit Pilates-Training an, damit der Rücken stärker wird und die Kraft und Flexibilität aufgebaut werden. Das mache ich gleich mit sehr differenzierten Anweisungen. Ich gebe viel Feedback: mehr auf Erdung achten, die Schultern nicht hochziehen etc. Es geht also nicht um Teilbewegungen, sondern immer um den ganzen Körper, der sich mitbewegt. Ich sage also, roll mal den Körper nicht vom Hals aus auf, sondern von der Körpermitte her. Wir wiederholen die Übungen, und so merken die Teilnehmer, dass die Bewegung immer leichter wird. Nach dem Pilates-Teil gebe ich 15 Minuten freie Bewegung, damit meine Teilnehmer andere Bewegungsmöglichkeiten selbst entwickeln können.

    Den Körper vom Hals aus aufrollen??
    Viele Menschen fokussieren unbewusst auf Schultern und Hände, das ist nicht integriert. Viele sind auch darauf fokussiert, eine Bewegung zu "schaffen", also auf Leistung. Mir geht es nun darum, wahrzunehmen, warum ich diese Bewegung so mache und nicht anders. Und ich gebe den Impuls, es mal anders zu versuchen.

    Werden jedes Mal die gleichen Übungen gemacht?
    Ja, es ist immer der gleiche Ablauf: im Basics-Programm sind es reduzierte Übungen und so können die Teilnehmer ganz genau spüren, wie sie was eigentlich machen. Allmählich werden die Bewegungen flüssiger, das sehe ich daran, dass die Verspannungen aus Gesicht und Waden verschwinden. Dann nehme ich neue Bewegungen und neue Prinzipien des Pilates dazu, das Repertoire erweitert sich. Schließlich entsteht eine ganze Choreographie auf der Matte: die Übungen werden ohne Pausen durchgeführt, gehen mit einer Zwischenbewegung ineinander über, und das wird dann richtig schweißtreibend!

    Wie ist die Freie Bewegung dazugekommen? Ich nehme an, das hat mit deinem Studium der Tanz- und Bewegungstherapie zu tun?
    Ja, da spielen Bewegungsanalyse und die therapeutische Beziehung in der Einzelarbeit eine Rolle. Für diese Gruppe ist die Idee eigentlich so entstanden, dass wir nach einer Pilatesstunde noch 15 Minuten Zeit hatten, und ich sagte, bewegt euch doch mal aus dem Powerhouse heraus durch den Raum. Schaut mal, was passiert. Das war für alle sehr interessant. Pilates ist ganz direktiv, und die freie Bewegung ist ganz spielerisch, frei, manchmal auch mit Musik.

    Fühlen sich da nicht ganz unterschiedliche Menschen angezogen?
    Bei mir sind die Gruppen oft international. Vielleicht, weil ich neben Deutsch, Spanisch und Katalanisch auch Englisch spreche. Aber es sind oft junge Leute, die kreativ sind, neugierig sind auf Ungewöhnliches und sich ausprobieren wollen.

    Ich stelle mir vor, dass das auch herausfordernd ist, sich auf die Freie Bewegung umzustellen.
    Das stimmt, vor allem anfangs. Aber da gebe ich eine Struktur rein mit einigen Ideen: Zum Beispiel aus dem Powerhouse heraus den Arm in den Raum hinein bewegen. Oder einfach durch den Raum laufen in vielen verschiedenen Richtungen. Mal ausprobieren, die Schritte so groß, so klein oder so langsam wie möglich zu machen. Mal die Arme zur Balance mit dazu zunehmen oder wegzulassen.

    So hat die Freie Bewegung also einen hohen Selbsterfahrungscharakter?
    Auf jeden Fall. Wir sprechen über die Erfahrungen, ich frage zu Beginn, wie es allen geht, ob es Schmerzen oder Anspannungen gibt und wie es sich im Vergleich danach anfühlt. Reflexion und Veränderung der Bewegung sind sehr wichtig für mich. Da es eine offene Gruppe ist und damit kein therapeutisches Setting gegeben ist, achte ich auch genau auf Grenzen. Die Menschen öffnen sich, aber das hat einen Rahmen, auf den ich achte. Ich fokussiere mich auf die Bewegung, und die ist für mich nicht nur Medium, sondern zugleich auch ein Rahmen!

    Du sagst, dass dein spezielles Angebot auch zur Stressreduktion dient.
    Wir arbeiten zum Beispiel mit intensiver Anspannung und dann Entspannung. Und es gibt Spiel, Interaktion und Spaß, und das wirkt unglaublich entspannend!

    Interessant, dass es bei der Freien Bewegung so viel Struktur gibt! 
    Es geht schon darum, sich aus einem eigenen Impuls heraus, aus dem Gefühl heraus zu bewegen. Und es ist auch eine Tatsache, dass wir Menschen uns vor der Freiheit fürchten. "Freiheit" erzeugt oft ein Gefühl von Verlorenheit. Je unsicherer ich bin, desto mehr tut Struktur gut. Die Frage kommt immer wieder:  Was soll ich machen? Eigentlich aber geht es darum: Was will ich machen? Im Laufe der Zeit werden die Teilnehmer freier, erfinden Kombinationen, tun alles Mögliche und lassen sich von der Frage leiten: Was tut mir gut? 

    Es lohnt sich also, länger in die Gruppe zu kommen?
    Unbedingt! Wenn ich dann nur mal eine Minute richtig Freiheit erfahre - das ist toll!


    Eduard Martin Colomer
    Diplom-Sportwissenschaftler
    Pilates-Trainer, Tanz- und Bewegungstherapeut
    Tel. 0176 - 548 542 94
    www.ibewegung.de

    Kurs im Aquariana

    Pilates und Freie Bewegung
    Montags, 18:45 - 20:00

    zum Seitenanfang



    Liebe und Beziehungen – mit "The Work"     

    Ina Rudolph

    Im Laufe unseres Lebens haben wir uns zahlreiche Überzeugungen zugelegt. Wir haben gehört, was unsere Eltern oder Freunde gesagt haben, wir haben Zeitungen, Bücher und Journale gelesen und Nachrichten gesehen. Wenn wir heute mit irgendetwas Stress haben, wenn wir wütend oder verzweifelt sind, dann liegt das oftmals daran, dass etwas, was wir glauben (Überzeugung), nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt.

    THE WORK hilft uns, diese Stress auslösenden Glaubenssätze zu finden. Dann hinterfragen wir sie mit Hilfe von vier Fragen, und am Ende schauen wir, ob das Gegenteil von dem, was wir geglaubt haben und was uns so einen Stress bereitet hat, nicht auch wahr sein könnte (Umkehrungen).
    Dieser Prozess führt zu tiefem Frieden, Freiheit und Unabhängigkeit. Bei der WORK gibt Ihnen niemand gute Ratschläge oder versucht, Sie in eine andere Überzeugung hinein zu manipulieren. Sie geben Ihre eigenen Antworten und zapfen Ihre eigene Weisheit an.

    Ich möchte Ihnen hier die Kraft der Umkehrungen vorstellen und habe das Thema „sich verlieben“ ausgewählt.
    Als ich mich das letzte Mal verliebt habe, war ich in einer Beziehung, und das Objekt meiner Begierde war es auch. Nach unserem ersten zaghaften Kuss hat er es geschafft, sich eine lange, qualvolle Woche nicht bei mir zu melden (obwohl er meine Telefonnummer hatte) und selbst, als ich nach einer Woche eine Nachricht auf seinem Anrufbeantworter hinterlassen habe (und mich danach vollkommen erniedrigt gefühlt habe), hat es noch einige Tage gedauert, bis er mich zurückgerufen hat. Diese wertvollen Tage der Qual habe ich genutzt, um eine Liste zu erstellen. Was will ich von ihm? Was ist es, was ich so heiß ersehne, was ich zu brauchen glaube und was ich lieber jetzt gleich und auf der Stelle hätte als später? Was soll ER in mein Leben bringen?

    Ich nahm mir also ein A4-Blatt und schrieb los: Er ist so weich, er ist zurückhaltend und eindringlich zugleich, er ist so aufmerksam, er ist unabhängig und sich seiner selbst auf wunderbare Weise bewusst. Er kann schweigen, Blicke aushalten, hat nicht auf alles eine kluge Antwort und nicht den Drang, perfekt zu sein.
    Sie sehen, ich war hingerissen.

    Abgesehen davon, dass ich heute, da ich den Herrn etwas besser kenne, diese Eigenschaften nicht mehr so ausgeprägt in ihm sehe, wurde mir klar: Ich habe sie, aufgrund von ein paar schönen Momenten in ihn hineininterpretiert. Es waren MEINE Gedanken über ihn.
    Und doch hatte ich das Gefühl, all das haben zu wollen, ja, es zu brauchen. Sogar dringend.
    Er sollte alle diese herrlichen Eigenschaften in mein Leben bringen. Also habe ich alles, was ich über ihn (einen Mann, den ich ganze zwei Stunden kannte) geglaubt habe, zu mir umgekehrt. Die ganze Liste. Ich bin weich, ich bin aufmerksam, ich kann schweigen. Ich atmete auf. Ich konnte sehen, dass mir das in meinem Leben gefehlt hat. Ich wollte, dass es in meinem Leben mehr Aufmerksamkeit gibt, mehr Weichheit.

    Mir ging buchstäblich ein Licht auf. Ich begann, selbst aufmerksamer zu sein, mir weichere Reaktionen zu gönnen, mit mir selbst und anderen aufmerksamer zu sein und siehe da: Ich brauchte ihn nicht. Ich hatte den ganzen Stress von der Backe. Ich musste mich nicht von meinem Partner trennen, ich musste keine Affäre beginnen. Ich konnte mir das, was er in mein Leben bringen sollte, selber geben (und ihn dann in Ruhe kennen lernen).

    Das ist die Kraft der Umkehrungen. Und wie viel besser fühlt es sich an, mir etwas selbst zu geben, anstatt darauf hoffen zu müssen, dass jemand anderes bereit sein wird, es zu tun.
    Und meine Erfahrung hat mir gezeigt: Andere sind nicht immer bereit dazu. Sie sind beschäftigt, im Moment selbst in einer schwierigen Situation oder haben gerade keine Lust, sich meinen Kram anzuhören.
    Ich bin aber immer bei mir; und niemand kann so gut wissen wie ich selbst, was ich gerade brauche.

    Nun könnte der Einwand auftauchen:
    Aber wozu brauche ich denn dann noch andere Menschen, wenn sie nichts mehr für mich tun sollen?
    Sehr gut. Ich möchte Sie einladen, sich genau für diese Frage ein wenig Zeit zu nehmen. Wofür brauchen Sie andere Menschen, wenn die anderen nicht mehr verpflichtet sind, Ihnen Anerkennung zu geben, Sie mit Ihrer Weltsicht zu bestätigen oder alles toll zu finden, was sie machen (es ist ja schließlich ein Freund!)? Wie fühlt es sich an, die anderen Menschen frei zu lassen? Sie dürften sagen, was sie wirklich denken, dürften etwas anderes vorhaben, oder müde sein.
    Wie wäre das?

    Meine Antwort ist (und bitte, finden Sie ihre Eigene):
    Die Anderen müssen gar nichts. Das fühlt sich für mich wunderbar an, denn (und das ist wieder eine Umkehrung) ich möchte auch nicht unter dem Druck stehen, etwas müssen zu müssen. Das ist mir zu viel Stress, zu viel Verbiegen.
    Das Großartige ist: Wenn ich keine Forderungen an andere habe, keine Erwartungen, keine Bedingungen, dann kann ich mich zurücklehnen und in Ruhe warten, was den Anderen aus dem Herzen kommt. Frisch, ungefälscht und ehrlich. Kein Verbiegen, kein Stress. Das ist die Welt in der ich leben möchte. Und indem ich die anderen frei lasse, lebe ich schon dort.


    Ina Rudolph
    Coach für THE WORK und NLP Master
    Vorträge/ Einzelsitzungen/ Seminare mit THE WORK von Byron Katie

    Tel. 0173 - 602 68 82
    www.thework-in-berlin.de


    zum Seitenanfang


    Verbunden sein und freier werden               
    Wie können wir Beziehungen aufbauen, in denen wir uns gut entwickeln?      

    Dr. Jochen Meyer

    Paare, die zu mir in die Beratung kommen, bezeichnen ihre Beziehung häufig als unbefriedigend, weil sie nicht mehr richtig zueinanderfinden. Eine Frau beschreibt das so: „Mal ist mein Freund sehr offen und engagiert sich für unsere Beziehung, doch dann taucht er innerlich ab und ich fühle mich, als ob ich ihm nichts mehr bedeuten würde.“ Ein Mann berichtet über seine Partnerschaft: „Wir reden viel miteinander und versuchen, jedes Problem direkt anzupacken. Aber irgendetwas ist verloren gegangen, es ist nicht mehr so leicht wie am Anfang. Irgendwie fühle ich mich eingeengt, obwohl wir uns doch so sehr lieben.“ Und eine andere Frau erzählt: „Wir ziehen nicht mehr am selben Strang. Die Verständigung klappt nicht. Wir können uns nicht einigen, zermürben uns in Streitigkeiten und vergessen darüber, warum wir eigentlich zusammen sind!“

    Bindung und Wachstum: unsere beiden Grundbedürfnisse
    Die Schwierigkeiten, die Paare wie diese miteinander erleben, resultieren aus unerfüllten Bedürfnissen – einmal nach Bindung und einmal nach Entwicklung und Wachstum. Manche Paare sind ineinander verstrickt und wissen nicht, sich genügend abzugrenzen. Andere leben in eher lockeren, unverbindlichen Beziehungen, die ihnen zwar Freiräume gewähren, aber keine sattmachende Nähe. Noch andere leiden an immer wieder neu aufbrechenden Konflikten, die sie emotional auseinanderbringen. Hier werden die beiden grundlegenden Motive berührt, weswegen wir uns ineinander verlieben, die Partnerschaften heute aber auch zur permanenten Herausforderung werden lassen: Wir wollen miteinander verbunden sein UND wir wollen uns selbständig weiterentwickeln. Wir wollen verbunden sein, UND wir wollen freier werden.

    Meistens kommen Paare zu mir, die sich wirklich lieben, sich viel Mühe geben, die es richtig gut machen wollen mit ihrer Beziehung. Sie interessieren sich für ihre Themen, engagieren sich für ihre Partnerschaft und scheitern trotzdem immer wieder. Sie leiden, weil ihre Konfliktthemen zu unübersichtlich sind oder zu groß für zwei.

    Praktisch alle Paare wünschen sich mehr Miteinander, mehr gemeinsames an einem Strang ziehen, mehr Verständnis füreinander. Praktisch alle wünschen sich, vom Partner mehr gesehen zu werden und mit ihm auf eine liebevollere Weise verbunden zu sein. Viele Paare spüren, dass ihre Partnerschaft stagniert. Sie wünschen sich mehr „Leben in der Bude“, mehr Inspiration und neue Entfaltungsmöglichkeiten.

    Wann Beziehungen gelingen und wann nicht
    Ich beobachte bei meiner Arbeit mit Paaren, dass Beziehungen gelingen oder wieder in Bewegung kommen, wenn beide Grundbedürfnisse erfüllt werden: Wir brauchen eine sichere Bindung und wir brauchen Freiräume, um uns weiterentwickeln zu können. Wir brauchen beides, wenn wir uns miteinander wohlfühlen und gleichzeitig wir selbst sein wollen.

    Deutlich ist: Beziehungen, die darauf beruhen, einander zu benutzen oder auszunutzen, haben keine Zukunft. Beziehungen, in denen wir Druck ausüben, einander schlecht behandeln, abwerten oder angreifen, uns übermäßig anpassen oder klein beigeben, sind nicht nachhaltig. Sie bieten keinen Raum, in dem man sich verbunden fühlen oder gar wachsen kann. Immer weniger Menschen sind bereit, sich so behandeln zu lassen; und immer mehr Paare merken, dass sie so nicht weiterkommen.

    Wie müssen Beziehungen aussehen, in denen wir einander stärken?
    Erkennen, was uns schwächt
    Es ist oft nicht leicht, hinter die Muster zu kommen, durch die wir uns in unseren Liebesbeziehungen unbewusst voneinander entfernen. Hilfreich kann es sein, folgende Fragen zu erforschen:
    • Wodurch verhindern wir Nähe?
    • Wodurch verhindern wir Entwicklung? Wo engen wir einander ein?
    • Nutzen wir einander aus oder stärken wir einander?

    Sobald wir erkennen, welche „Spielchen“ wir da miteinander spielen, sobald wir sensibel werden für die Momente, in denen wir einander emotional ausbeuten oder einander benutzen, können wir unseren destruktiven Mustern auf die Schliche kommen.

    Wir können Beziehungen zum Beispiel dafür „nutzen“, uns emotional Luft zu verschaffen, wenn es uns schlecht geht – auf Kosten des Partners einmal richtig Dampf ablassen, kann schon befreiend wirken. Doch die Verbindung wird es nicht stärken. Wir können Beziehungen „nutzen“, um uns selbst zu beweisen, dass wir stärker, klüger, intelligenter oder moralisch überlegen sind, indem wir unseren Partner herabsetzen oder klein halten. Wir können uns aber auch umgekehrt beweisen, wie toll wir als als Paar sind und dass wir wirklich unglaublich einzigartig sind mit unserer unendlich großen Liebe in dieser schrecklich lieblosen Welt. Wir können Beziehungen auch dafür „nutzen“, unsere Bilder von Frauen oder Männern zu bestätigen: „Ich hab’s ja gewusst, Frauen können nun mal nicht einparken und Männer hören nicht zu, wenn man sie bittet, den Müll runterzubringen.“ Das ist so platt, dass wir es sofort durchschauen. Aber „Frauen kann man nicht trauen, die wollen die Macht über uns Männer – also bleibe ich lieber auf Distanz!“ oder „Kein Mann hält mir stand, wenn ich wütend bin!“ oder „Wenn ich mich gegenüber einer Frau / einem Mann verletzlich zeige, werde ich verachtet!“ – das sind Zuschreibungen, die ich in der Arbeit mit Paaren häufiger höre.

    Überall lauern solche Fallen, uns, den Partner oder die Beziehung für egoistische Zwecke einzuspannen und zu missbrauchen. Die Motive sind unzählbar uns sie können sehr subtil sein. Ihr Grund ist in der Regel sehr einfach: Nähe verhindern und Autonomie vermeiden. Ein Teil in uns möchte die Beziehung unter Kontrolle bringen und den Partner schön im Griff haben, damit wir bloß nicht mit unseren tiefsten Ängsten in Berührung kommen: Zum Beispiel, dass wir verlassen werden könnten, dass wir als Partner immer auch ein Stück weit unzulänglich sind, dass wir für unser Lebensglück selbst verantwortlich sind und dafür an uns arbeiten müssten oder dass sich die Liebe eben nun einmal nicht festhalten und auf Dauer in Besitz bringen lässt.

    Bindung ja, Freiheit nein: Das ist der direkte Weg in Klammerbeziehungen, in denen wir uns nett in unserer Beziehungs-Komfortzone einrichten und es schön gemütlich miteinander haben. Doch das funktioniert nicht, weil das echte Leben draußen bleibt, Entwicklung somit verhindert wird. Genauso wenig funktioniert das umgekehrte Prinzip: Freiheit ja, aber bitte nur mit so viel Bindung, wie ich gerade noch zulassen kann. Hier mag zwar jeder für sich eine Menge interessanter Erlebnisse haben, aber es fehlt an Verbundenheit, an geteilter Gemeinsamkeit.

    Ermöglichen, was uns stärkt
    Ein anderer Umgang wird möglich, wenn wir das tun, was uns stärkt und was jeden zwischenmenschlichen Kontakt nährend macht: Wenn wir einander wirklich begegnen – zum Beispiel indem wir unserem Partner zuhören, uns für seine Erfahrungen interessieren, mit ihm mitfühlen, für sein Erleben wirklich empfänglich sind. Indem wir ihn mit seinen Meinungen und Ansichten gelten lassen, offen von uns selber sprechen, unsere eigenen Gefühle und Gedanken mitteilen – das heisst unsere verschiedenen Zugänge miteinander teilen. Indem wir mit- und voneinander lernen. Kurzum, wenn wir füreinander da sind und uns emotional berühren. Wenn das passiert, werden unsere beiden Grundbedürfnisse nach Bindung und Wachstum erfüllt, und ich bin sicher, Sie spüren: In einer solchen Beziehung fühlen Sie sich verbunden und wissen, dass Sie genügend Raum haben, neue Erfahrungen zu machen. In einer solchen Beziehung sind Sie verbunden und können freier werden. Ihr Partner ist für Sie da und hält es aus, wenn Sie wachsen. Ja, er freut sich sogar mit ihnen darüber.

    Ich sage nicht, dass das immer einfach ist. Aber es ist der einzige Weg, und immer mehr Paare gehen ihn. Finden Sie heraus, wie Sie einander schwächen, hören Sie auf damit und tun sie mehr von dem, was Sie stärkt. Für die meisten von uns bedeutet das, alte Gewohnheiten aufgeben und neues Verhalten lernen. Mehr noch, eine neue Haltung einzuüben gegenüber Situationen, die bislang unweigerlich zum Konflikt geführt haben.

    Was Sie tun können, wenn Konflikte Nähe verhindern
    Angenommen, Sie geraten immer wieder aneinander und schwächen sich, indem Sie einander grollen, Vorwürfe machen oder Ihrem Partner zu verstehen geben, dass er nicht in Ordnung ist. Was für eine Beziehung hätten Sie, wenn Sie beide sich dafür einsetzen, einander zu stärken? Wenn Sie aufhören, Öl ins Feuer zu gießen? Wenn Sie Ihren Partner bitten, Ihnen zu erzählen, was ihn bedrückt und was er sich von Ihnen wünscht – jetzt gerade, in diesem Moment? Wenn Sie ihn spüren lassen, das Ihnen sein Wohlergehen wirklich wichtig ist? Wenn Sie ihn nicht zurückweisen, auch wenn Sie sich gerade über ihn ärgern, sondern ihm signalisieren, dass Sie grundsätzlich zu ihm stehen? Wenn Sie Ihrem Partner erzählen, dass Sie ebenfalls an den Unstimmigkeiten zwischen Ihnen leiden und gern anders damit umgehen möchten? Dass Sie sich für Ihre Gespräche einen freundlicheren Tonfall wünschen und sich auch selbst darum bemühen werden? Dass Sie gern gemeinsam mit Ihrem Partner herausfinden möchten, was Sie immer wieder in Konflikte treibt und wie Sie aus diesem Muster herauskommen können?

    Stellen Sie sich vor, Ihr Partner zieht sich zurück oder provoziert einen Konflikt, weil er Angst vor Nähe hat. Wie könnten Sie ihn dazu einladen, seiner Angst vor Nähe ins Auge zu schauen und Ihnen trotzdem nah zu sein? Indem Sie ihn angreifen und konfrontativ mehr Nähe von ihm einfordern? Oder indem Sie ihm anbieten, selbst zu entscheiden, wie nah er Ihnen sein möchte? Indem Sie ihn eine Zeit lang experimentieren lassen, wieviel Nähe er herstellen und wieviel Freiraum er für sich beanspruchen möchte? Wann wird er Ihnen wohl von sich aus näher kommen? Wie müssen Sie sich verhalten, damit Ihr Partner das Gefühl haben kann, mit seinen inneren Konflikten zu Ihnen kommen zu können? Ich vermute, Sie spüren, dass wir in solchen Situationen mit Druck nichts erreichen können, sondern dass wir nur dann neu miteinander umgehen lernen, wenn wir uns mit unseren Schwierigkeiten annehmen und uns Raum für neue Erfahrungen geben. Wenn wir es schaffen, offener von uns zu sprechen, einander mehr Vertrauen zu schenken und mehr Nähe zuzulassen, wird unsere Bindung stärker und wir haben weniger Angst vor Nähe. Dann werden wir emotional unabhängiger und das heisst freier. Nur so schaffen wir stabilere Beziehungen und können uns gemeinsam gut entwickeln. Nur so gelingt, wonach wir uns alle sehnen: Verbunden sein und freier werden.

    Dr. phil. Jochen Meyer

    CoreDynamik-Trainer und -Therapeut
    Single-Coaching und Paarberatung
    Tel. 030 – 77 90 61 27, www.jochen-meyer-coaching.de


    Ausserdem: Rund ums Thema Partnerschaft
    Kostenlose Kurzberatung für Singles und Paare
    Jeden 1. Mittwoch im Monat von 18 bis 20 Uhr – bitte anmelden

    zum Seitenanfang


    Beziehungsarbeit als Gartenpflege - eine fruchtbare Metapher...     

    Romeck van Zeyl

    Ich liebe es, mit Paaren zu arbeiten. Es setzt schneller Energie frei und bewirkt oft nachhaltigere Veränderungen als die Einzelarbeit, weil die alltägliche Beziehungsdynamik die Grundstrukturen unserer Persönlichkeit unvermeidlich bloß legt. Seit 1994 arbeite ich auch mit Paaren, zuerst in Holland, später in England, Asien, jetzt seit einem halben Jahr in Berlin, im Aquariana. Aber nur mit Paaren, die grundsätzlich bereit sind, die Beziehung als Lerngemeinschaft zu sehen, als eine einzigartige, unausweichliche Chance, um erwachsen zu werden. Für mich ist das genau dasselbe wie Lieben lernen.

    Das an sich ist schon radikal. Meistens sehnen wir uns danach, geliebt zu werden und dabei allerhand wunderbare Gefühle zu erfahren. Die Sehnsucht an sich ist legitim - und dazu groß und weit verbreitet: bei 90 Prozent der deutschen Männer und Frauen steht eine erfüllte Partnerschaft oben auf der Liste der wichtigsten Lebenswünsche. Es ist aber ein radikaler Perspektivenwechsel, Liebe als eine Ansammlung von Kompetenzen und Fähigkeiten zu sehen, die man erlernen kann. Es gibt dazu ein Ausbildungsinstitut, bei dem wir alle schon angemeldet sind. Sie erraten es schon: die Beziehung. Alle Beziehungen in unserem Alltag sind Teil des Curriculums.

    Wir sitzen alle in Gottes Klassenzimmer, sagt der große persische Dichter und Lehrer Hafiz. An sich eine gute Nachricht: WO wir lernen können ist schon klar. Aber wie können wir dieses Lernen lernen? Kichernd erzählt Hafiz uns auch noch die Grundbedingung: „Wir müssen nur aufhören, mit Nasenpopeln rumzuschießen.“ Was er damit meint ist, dass wir erstens aufhören, uns über die Methoden dieses Ausbildungsinstituts, das Leben heißt, zu beschweren und zweitens aufhören, einander Vorwürfe zu machen. Sind wir dazu bereit? Es wäre ein riesiger Schritt – aber was gibt’s denn noch für eine Wahl? Rummotzen im Klassenzimmer – vielleicht ein paar Verbündete finden? Bringt das wirklich etwas?

    Für eine Beziehung braucht es ein Ich und ein Du – und das Feld dazwischen. Für Paarbeziehungen nutze ich für dieses Feld am liebsten das Konzept des Gartens: „Garten der Beziehung“. Wir sind beide – das Du und das Ich – zuständig dafür, was in diesem Garten gedeiht oder vertrocknet, wächst, blüht, verfault, zumüllt oder untergepflügt wird. Ob wir es mögen oder damit einverstanden sind, ist ziemlich egal – es IST so, es gilt in allen unseren Beziehungen, ohne Ausnahme, in jedem Moment. Entweder wir beklagen uns, dass der Garten so mies und unproduktiv ist oder wir pflegen ihn. Meistens beschäftigen wir uns allerdings hauptsächlich damit, wie das Du seinen Beitrag ändern sollte, damit der Garten besser wächst. Das Problem damit ist, dass unser Gegenüber oft derselben Meinung ist.

    Die Lösung – oder die erwünschte Veränderung – braucht keine Rezepte, sondern vor allem einen neugierigen Forschergeist und Eigenverantwortung. Wenn wir es so betrachten, wird ein jeder Beziehungskonflikt zu einer Wachstumschance, und ein Team oder eine Familie verwandelt sich in eine Lerngemeinschaft.

    Die meisten negativen Beiträge zu der „Gartenpflege“ basieren nämlich auf in der Kindheit gelernten und – fast immer – unbewussten Gewohnheiten. Diese Gewohnheiten sind oft kollektiv, generationsübergreifend und stark kulturell geprägt; sie sind also kein persönliches Drama oder Versagen, kein Beweis dafür, dass wir irgendwie schlimmer sind als andere. Und deshalb ist es nicht so eine furchtbare Herausforderung, Verantwortung für diese Muster zu übernehmen. Dennoch brauchen die meisten von uns Unterstützung bei diesem Bewusstwerdungsprozess.

    Dieses Modell – ich nenne es das Gartenpflegemodell – hat auch in Teambuilding- und Konfliktbewältigungstrainings in verschiedensten Kontexten und sogar Kulturen (Pakistan, Kambodscha, Urvölker) große Resonanz gefunden. Es ist beeindruckend, wenn Menschen im Laufe einer Paartherapie oder Teamarbeit anfangen, einander einzugestehen, was für negative Beiträge sie im Alltag zum Garten ihrer Beziehungen leisten: einander mit Schweigen bestrafen (auch Liebesentzug genannt), Augenkontakt vermeiden, Wut durch Körpersprache vermitteln: „Dass ich mich jetzt so fühle, ist deine Schuld.“, das Opfer spielen und andere Formen von Kontaktvermeidung oder Manipulation. Wenn wir uns über solche Tendenzen bewusster werden und beginnen Verantwortung zu übernehmen, kann die ganze Tragödie endlich mal als Komödie betrachtet werden!

    Auch meine eigene Partnerbeziehung hat sich sehr entspannt, seit wir konsequent und auf eigene Initiative Verantwortung übernehmen für unsere negativen Beiträge, statt einander die Schuld zuzuweisen.

    Damit endet die Geschichte natürlich nicht – aber so werden die alten Muster zu Kompost für den Boden unseres gemeinsam gepflegten Gartens. Das erste, was tatsächlich anfängt, schneller zu wachsen, ist Vertrauen; wenn zwei Partner sich bewusst auf diese “Gartenpflege“ einlassen, brauchen sie viel weniger Angst zu haben, von ihrem Gegenüber fertig gemacht zu werden. Das zweite ist Wachheit: wir nehmen einander wieder neu wahr, statt mit den alten Mustern aufeinander zu re-agieren. Das dritte ist Kreativität: Wenn wir alte Muster loslassen, entsteht Mut zum Nichtwissen, woraus etwas wirklich Neues wachsen kann.

    Es wird ganz unausweichlich klar, dass alles, was wir zu dem Garten beitragen, plus oder minus, seinen Effekt hat. Wir hören auf, Müll hinein zu schmeißen oder in die Ecke zu pinkeln, nicht weil wir brav oder spirituell sein wollen, sondern weil wir wissen, dass es stinken würde – und weil wir uns ja duftende Blumen und nährendes Gemüse wünschen. Wir machen Schattenarbeit, damit die Sonne hinein scheinen kann.

    Der Garten der Beziehungen ist kein poetisches Klischee, sondern eine sehr bodenständige und praktische Metapher für Beziehung-als-Weg – für Kommunikation als spirituelle Praxis. Es gibt einfach keine Ausrede mehr!

    Der Dichter Hafiz schreibt:

    Warum
    sollte es nur
    der Esel in mir sein,
    der spricht mit dem Esel in Dir?
     
    Wenn so viele andere
    fabelhafte Tiere in mir leben
    und bunte Vögel,
    die sich alle danach sehnen
    mit  Deinem Herz zu sprechen
    und Dir Wunderbares
    und Aufregendes zu berichten?

    Lass uns alle verschlossenen Türen aufmachen,
    damit die Augen wieder offen sind
    für die Art von Intelligenz, die Liebe gebärt
    und ein lebendigeres
    und befriedigenderes Gespräch
    mit dem Geliebten.

    Wieso bringst du mir nur deinen Esel,
    Und bittest mich um altes Heu
    und ein langweiliges Gespräch
    mit dem Idioten,
    wenn’s um so was Kostbares geht -
    so was Kostbares wie Liebe...

    (Übersetzung aus dem Englischen von Romeck van Zeyl)


    In meiner therapeutischen Praxis im Aquariana wende ich körperorientierte und transpersonale Methoden bei der Einzel- und Paartherapie an. Meine Erfahrungen als Trainer in vielen Seminaren über Konflikttransformation, Leadership, Mann-Frau-Kommunikation und Tantra und meine Ausbildungen als Coach, Supervisor und Psychotherapeut sind dafür die Grundlage.

    Romeck van Zeyl
    Integraler Körperpsychotherapeut
    Coach und Supervisor

    Tel.: 01525 - 18 296 34 | vichara8@hotmail.com

    – zwischenzeitlich nicht mehr im Aquariana

     

    zum Seitenanfang



    Die alte Zweierkiste –                                                                
    gemeinsam, persönlich wachsen in der Partnerschaft   

    Malte Nelles

    Die alte Zweierkiste
    Verschmelzung oder – mein Partner ist nicht die Gebärmutter meiner Mutter
    Gemeinsam, persönlich wachsen
    (Paar)therapeutische Perspektiven

    Die alte Zweierkiste

    In den Zeiten, in denen meine Eltern in meinem heutigen Alter waren, wurde auf lange Partnerschaften oft verächtlich als „Zweierkiste“ geschaut. Es war uncool, alles andere als progressiv und schien der grade erst entdeckten persönlichen Entfaltung diametral im Wege zu stehen. Dies mag seinerzeit richtig und wichtig gewesen sein, für die heutige Zeit scheint eine andere Wahrheit zu gelten: Nichts im Leben ist ein konstanterer Motor für persönliches Wachstum wie eine tiefe, verbindliche Partnerschaft.

    Dies steht der Empfindung vieler Menschen entgegen. Nicht selten höre ich in den Aufstellungskursen, die ich leite, oder in meinen Therapie- und Beratungsstunden „es ist mein Mann, meine Frau, der/die mir und meiner persönlichen Entfaltung im Wege steht“. Und in der Offenheit des Austauschs tritt die große Sehnsucht zu Tage, die empfundene Enge der Beziehung zu verlassen, um dann endlich sich selbst zu entdecken, die Dinge zu tun, die man tun möchte und persönlich zu wachsen.

    Was passiert da? Was ist der tiefere Anlass, die Verbindung mit dem Menschen aufkündigen zu wollen, der mich vielleicht schon viele Jahre, vielleicht Jahrzehnte begleitet, mit dem mich womöglich Kinder, eine Familie, eine gemeinsame Vergangenheit, zumindest jedoch ein wesentliches Stück meines Lebensweges verbinden?

    Verschmelzung oder – mein Partner ist nicht die Gebärmutter meiner Mutter

    In längeren Beziehungen kommt es häufig zu einem Prozess, den der amerikanische Sexual- und Paartherapeut David Schnarch als Verschmelzung beschreibt. Mit der Zeit und den vielen gemeinsam oder arbeitsteilig zu bewältigenden Aufgaben wie der Kindererziehung, dem Erwerb des Lebensunterhalts, gemeinsamen Projekten etc. bewegen sich Mann und Frau, aber auch gleichgeschlechtliche Partner, oft in eine praktische Symbiose, die nicht selten in eine emotionalen Symbiose mündet.

    Viele Menschen streben insgeheim unbewusst nach derartigen Zuständen, da sie uns auf einer tiefen leibseelischen Ebene an die eigene Zeit im Bauch der Mutter erinnern, in der wir versorgt, verstanden und genährt wurden und in einem ozeanischen Gefühl warmer Verbundenheit aufgehoben waren. Aber da, so der Titel eines Buches meines Vaters, das Leben keinen Rückwärtsgang hat und wir den Mutterleib verlassen mussten, um zu leben und zu wachsen, können wir nicht mehr dorthin zurück. Die emotionale Sehnsucht hiernach, die wir oft in Beziehungen empfinden, hindert uns an einem Wachstum in die Zukunft, schwächt uns in unserem Erwachsensein und bereitet schmerzhafte Konflikte in der Partnerschaft.

    Diese Verschmelzung bzw. die mit ihr verbundene kindliche Forderung an den Partner, er möge wie eine ideale Mutter verstehen, wer ich bin und meine Gefühle vorab lesen können, ist eine Überforderung für die Beziehung, die auf Dauer einen hohen Preis für beide Partner einfordert. Wenn wir der Verschmelzungsdynamik folgen, passiert es, dass wir uns emotional wirklich irgendwann in einem Zustand wie im Mutterleib finden, und das ist für die meisten modernen Menschen dann sehr unangenehm. Wir verlieren unsere Autonomie, unsere Individualität, unsere körperliche Integrität, die uns durch die Geburt geschenkt wurden. Der untrüglichste Indikator für derartige Prozesse in der Partnerschaft ist die Sexualität. Wenn wir miteinander verschmolzen sind, braucht es keinen (sexuellen) Kontakt mehr, da wir ohnehin aneinander kleben.

    Gemeinsam, persönlich wachsen

    Wie findet man gemeinsam und jeder für sich wieder aus einer solchen Krise heraus? Der Weg ist selten leicht, denn es geht um die Aufkündigung eines Gleichgewichts, das sich lange eingespielt hat, um das Beenden einer Beziehungsdynamik, in der die Starre an die Stelle eines lebendigen Gebens und Nehmens getreten ist.

    Der erste Schritt ist, zu erkennen, dass wir, auch in einer langen Beziehung, zwei physisch und psychisch voneinander getrennte Menschen sind. Dass wir zwar zusammen, aber schlussendlich auf uns alleine gestellt sind. Wer dies anerkennt, opfert seine regressiven Verschmelzungswünsche und gewinnt etwas Neues: innere Freiheit und emotionale Eigenverantwortung. Dieser Prozess ist schmerzhaft, denn er bringt uns in Kontakt mit den eigenen Dämonen, die uns oftmals bereits seit unserer Kindheit begleiten. Und nicht wenige sind insgeheim mit der Hoffnung in eine Beziehung eingetreten, dass wir dort von diesen Dämonen erlöst würden.

    Was werfe ich meinem Partner vor? Wenn wir einen ehrlichen Blick in unser Inneres wagen, spüren wir, dass es oft die Eigenschaften sind, die wir an uns selbst ablehnen oder jene, die wir uns nicht erlauben zu leben. Die Blickrichtung vom Partner zu uns selbst zu richten, tut weh, weil wir uns unserer eigenen Unzulänglichkeit, der eigenen Blockaden zur Entfaltung unseres vollen Potenzials gewahr werden. Doch genau dieser kompromisslose Spiegel ist es, der uns wachsen lässt wie fast nichts anderes im Leben.

    Und auf denjenigen, der diesen Schritt wagt, kommt gleich die nächste Herausforderung zu. Denn wer ehrlich auf sich selbst schaut, verändert sich. Und wenn einer die Verschmelzung aufkündigt, fühlt der andere sich oft betrogen, allein gelassen und kommt in Kontakt mit seiner Unzulänglichkeit, seiner Geschichte und schließlich auch seiner Verantwortung für sich selbst und seine seelische Verfassung. Die Notwendigkeit sich dem Eigenen im Gemeinsamen zu stellen stellt sich auf einmal auch für ihn. Dieser Prozess führt zu einer heilsamen Wandlung des Einzelnen und nicht selten – nach einer Phase des Austarierens – auch der Partnerschaft. Ein gemeinsamer, persönlicher Wachstumsprozess wurde in Gang gesetzt, dessen Verlauf offen und nicht rückgängig zu machen ist.

    (Paar-)therapeutische Perspektiven

    Die hier skizierte ist nur eine von vielen Dynamiken in Partnerschaften, die zu Krisen, aber auch zu persönlichen und gemeinsamen Neubeginnen führen können. Im Feld der Eheberatung, Paar- und Einzeltherapie gibt es eine Fülle von Ansätzen, mit denen derartigen Problemen begegnet werden könnte. Ich selbst arbeite im Rahmen von Kursen mit (Familien-)Aufstellungen, in denen wir sehr bildhaft sehen, verstehen und – das wichtigste – spüren können, wie sehr wir kindliche Wünsche, die den Eltern gelten, auf den Partner projizieren und damit der Liebe und Intimität zwischen zwei Erwachsenen nicht gerecht werden.

    In meiner Praxis arbeite ich mit Paaren, aber vor allem therapeutisch mit einzelnen Partnern, denn oft finden sich Menschen in einer Partnerschaft in der Situation, dass sie einen Schritt alleine gehen müssen, bei dem der Mann, die Frau an ihrer Seite sie nicht begleiten kann.

    Gerade in diesen Lebensphasen, in denen eine zeitweilige seelische Entfernung voneinander auftritt, ist die Trennung oft nicht weit. Aber gerade hier bieten sich beiden große Chancen, persönlich wie auch gemeinsam in einen tieferen Kontakt mit dem eigenen menschlichen Potenzial und dem der Partnerschaft zu kommen und die symbiotische Verschmelzung in eine lebendige, erwachsene Beziehung zwischen einem Ich und einem Du zu verwandeln.


    Malte Nelles
    Heilpraktiker für Psychotherapie, Diplom-Politologe, Systemaufsteller
    Praxis für Psychotherapie, Beratung und Coaching
    Tel. 030 63 42 74 67
    mail@malte-nelles.de, www.malte-nelles.de, www.eurasys-berlin.de

    Psychotherapie (HPG), psychologische Beratung und berufliches Coaching
    Mo - Fr nach Terminvergabe im Aquariana
    € 70,-/55 Min., € 100,-/90 Min.

    zum Seitenanfang



    Unvernunft hat mit Freiheit zu tun       

    Interview mit Sigrid Hartlmaier

    Was ist Kreativität?
    Kreativität ist ein schöpferisches Potenzial. Es steht uns zur Verfügung, um Neues, das uns im Leben nützlich ist, zu entwickeln und umzusetzen. Wir können unsere Kreativität fördern, indem wir beginnen, mit unseren Möglichkeiten frei zu experimentieren und dadurch neue Ausdrucks- und Handlungswege entstehen lassen. Im Experiment scheint manches zunächst chaotisch oder absurd, was uns später zu Lösungen oder Neuerungen führt.
    In unserer Gesellschaft sind wir überwiegend aufgefordert, Aufgaben korrekt und nicht kreativ zu lösen. Wir sind wenig trainiert, unser kreatives Potenzial zu nutzen, und so denken wir irrtümlicherweise, wir sind nicht kreativ.
    Überspitzt gesagt, unsere Kreativität verkümmert durch vorgefertigte Formen, Schablonen, „Module für alle Lebenslagen“. Durch die Benotung unseres kreativen Ausdrucks und Handelns in Schule, Bildung und Beruf werden viele Menschen entmutigt, ihre Kreativität frei zu leben.
    Wir brauchen mehr Raum für unsere schöpferische Kraft, denn der Mensch ist ein kreatives Wesen – dadurch haben wir als Spezies überlebt.

    Wie spüre ich meine Kreativität?
    Kreativität ist überall dort zu spüren, wo es darum geht, Ideen und neue Wege durch neue Vernetzungen von Erfahrungswerten zu kreieren. Kreativität ist da zu spüren, wo wir unsere Grenzen erweitern, uns Spielraum geben für ungewohnte Gedanken, Strukturen, Linien, Perspektiven, Gegensätzlichkeiten, scheinbar Sinnloses etc.
    Bei Kindern kann man diesen kreativen Prozess in seiner Ursprünglichkeit beobachten. Sie versuchen dauernd, Neues zu erreichen und zu verstehen und entwickeln ihr Weltbild durch Reproduktion und Neuordnung gemachter Erfahrungen. Die Entwicklungsgeschwindigkeit bei Kindern ist sehr hoch, weil sich ihre Perspektive durch geistiges, körperliches und emotionales Wachstum permanent verändert und weil sie sich in ihrem Forscherdrang nicht durch Tabus blockieren. Aber auch, weil Kinder Neues wollen und nicht so sehr am Alten festhalten, entwickeln sie sich schnell.
    Erwachsene tun sich oft schwerer, loszulassen und Raum für neue kreative Erfahrungen zu erobern. Dennoch scheint es eine Grundtendenz des Menschen zu sein, die eigenen Grenzen zu erweitern, um neue Erfahrungs- und Lebensräume zu schaffen.

    Nun geht es bei dir ja um den Ausdruck.
    Ausdrucksmalen bedeutet: Was in mir passiert, möglichst frei nach außen zu bringen und sich selbst dabei nicht durch Bewertung auszubremsen. Es geht nicht darum das perfekte, schöne Bild zu malen, sondern meine Stimmung in Farbe, Form und Bewegung umzusetzen. Was mich jetzt beschäftigt – bewusst oder unbewusst – ist dann im Bild zu sehen.

    Was ist für dich selbst denn wertvoll bei deinem Angebot "Ausdrucksmalen"?
    Dass die Teilnehmer intensiv mit sich in Kontakt kommen und einen neuen Blick auf sich werfen, dass sie ihrer Intuition vertrauen, ihrer Eingebung und Phantasie folgen und dies auf's Blatt bringen; ist für mich wichtig. Je länger man malt, desto leichter fällt es, die Wege der vorgefassten Gedanken zu verlassen und loszulassen. Die wachsende Akzeptanz des Experimentes und des Unvollkommenen fördert unsere Gelassenheit.
    Meine größten Lehrmeister im Erkennen und Durchbrechen eigener Tabus waren geistig behinderte erwachsene Menschen, mit denen ich drei Jahre regelmäßig malen durfte. Sie hatten sich ihre kindliche Freiheit bewahrt und waren Meister des Experimentierens.

    Wie unterstützt du diesen Prozess bei deinen Teilnehmerinnen?
    Vor allem durch Akzeptanz entsteht ein geschützter Raum zum Malen. Ich zeige anfangs die Materialien, die Farben, die Papierformate und lasse dann wählen, womit die TeilnehmerInnen beginnen wollen. Die Entscheidung über das Material erleichtert oft, den Anfang zu finden. Die große Herausforderung ist der erste Strich auf einem weißen Blatt Papier. Diese Schwelle ist ganz gut zu nehmen, indem man sich über Äußerlichkeiten annähert. Mit welcher Farbe will ich beginnen, male ich von der Mitte nach außen oder von oben nach unten oder umgekehrt? Welche Bewegung will ich meiner Linie geben, oder male ich flächig? Durch solche Fragen erhalten wir innere Impulse, die uns den Start erleichtern. Beim Ausdrucksmalen gibt es kein „falsch oder richtig“, alles darf sein. So bahnt sich ein Weg, die eigenen inneren und äußeren Räume zu erweitern.
    Manche Menschen malen ein Hauptmotiv, das sie bewusst und kontrolliert entstehen lassen und nebenbei, im scheinbar unwichtigen Teil des Bildes, da liegt dann das eigentlich sensible Thema. Es wird sichtbar, was der Malende vorher nur diffus gespürt hatte. Es ist dann wichtig, die TeilnehmerInnen einfühlsam und stärkend zu begleiten.

    Ist das der Grund, weshalb Menschen zu dir kommen?
    Menschen kommen in Situationen, in denen sich ihr Leben verändert hat (Krankheit, Kinder sind aus dem Haus, berufliche Stagnation), oder sie haben bei einer Kur das Malen kennen gelernt (und auch da ging eine Lebensänderung voraus!). Letztlich ist der Grund, mehr Zeit für sich haben zu wollen, besser für sich selbst zu sorgen. Es ist der kleine kindliche Anteil, der ein Leben lang in uns lebt, der immer wieder Beachtung sucht und braucht. Hier treffen sich Begriffe wie Achtsamkeit, Entschleunigung, Entspannung.
    Es ist auch die Suche nach einem neuen Bild (Entwurf) von Zukunft, das sie malen wollen, denn Bilder unserer Visionen haben starke Antriebskraft.

    Wie hilfst du konkret beim Malen?
    Wenn Malende ratlos vor ihrem Bild sitzen, empfehle ich z. B. vom Bild weg- und wieder hinzugehen oder das Bild zu drehen. Dadurch verändert sich die Perspektive, sie begegnen ihrem Bild neu. Oder ich frage, brauchst du Hilfe, was beschäftigt dich gerade? Ich habe den Prozess des Malens gesehen und kann Hürden erkennen, die der Malende zu bewältigen hat. Ich helfe, indem ich Fragen formuliere wie z.B.: Ist das Bild fertig? Ist noch etwas offen? Fehlt vielleicht eine Betonung, ein Punkt, eine Linie oder Farbe? Interessanterweise kann ein goldener Punkt ein Bild abrunden. Gold als Geschenk an sich selbst; für manchen ein Symbol für den Weg vom Dunkel ans Licht.

    Das ist das Stichwort für ein schwieriges Thema, das du anbietest: "Erinnerungen an den Krieg – die Erlaubnis zu trauern".
    Dabei geht es um die Aufarbeitung der Erlebnisse von Kriegskindern und deren Kindern. Hier kommen die Bedürfnisse des inneren kindlichen Anteils besonders zum Vorschein. Es ist eine sehr berührende und empathische Arbeit, denn die TeilnehmerInnen haben die Chance und den Mut, ihre Erinnerungen im Bild zu be- und verarbeiten. Ein Thema, das uns eigentlich alle betrifft, da es in den meisten Familien nicht benannt, geschweige denn bewältigt wurde. Im Gegenteil, wir haben viele verdeckte, diffuse Ängste geerbt, sind damit aufgewachsen und können sie jetzt erst langsam entschlüsseln.
    Durch meine Arbeit im Hospiz bin ich auf dieses Thema gestoßen. Einen Tag in der Woche arbeite ich dort und treffe auf viele Menschen, die bewegt sind von Erlebnissen aus dem Krieg. Sie können sich erst jetzt mit diesem Lebenskapitel bewusst befassen.
    Ich wünsche mir, dass sich noch viele Menschen trauen, sich dem Thema zu stellen und gemeinsam ein neues Kapitel der Vergangenheitsbewältigung aufschlagen.

    Werden die Bilder eigentlich verbal reflektiert?
    Das kommt darauf an: Das Ausdrucksmalen am Dienstagabend ist ein Angebot zur Entspannung, ein Ausgleich zum Arbeitsalltag. Durch das Malen entstehen immer wieder Gespräche zwischen den TeilnehmerInnen und mir, allerdings nicht auf therapeutischer Ebene. Der kreative Prozess dient hier als Weg der Reinigung, Entschleunigung und Entspannung.
    Ich biete allerdings auch Einzelcoachings an, in denen wir in die Tiefe gehen. Und auch in den themenbezogenen Gruppen findet natürlich eine Reflexion der Bilder statt.

    Ausdrucksmalen heißt dann vor allem, mich selbst zu erleben?
    Genau. Insbesondere bei regelmäßigem Malen können Themenzyklen durchlaufen werden. Manche Themen erscheinen öfter, da wir längere Zeit brauchen, um sie zu lösen. Die Grundlage bleibt dabei, sich getragen und akzeptiert zu fühlen. Ich biete diesen Raum an und die Begleitung – so können die Teilnehmer sich immer mehr entfalten. So mancher ist überrascht von seinen eigenen Bildern, die sich positiv abheben von den bisherigen Bildern, die jeder im Geiste von sich hat.

    Du nennst das Ausdrucksmalen auch entspannend. Das wundert mich bei all dem, was passiert.
    Der Effekt ist tatsächlich entspannend beim Ausdrucksmalen. Es hat etwas Befreiendes, sich immer mehr seinen individuellen Raum auf Papier oder Leinwand zu gestalten und Neues dabei zu wagen. Das ist sicher abenteuerlich, manchmal anstrengend und man hält auch mal die Luft an. Aber es ist auf jeden Fall auch lustig und immer wieder positiv überraschend, und das entspannt.
    Das Einzelcoaching andererseits beginnt in der Regel mit einem Lebenskonflikt: Vertraute Wege funktionieren nicht mehr, bei einer schweren Krankheit oder bei Verlust durch Trennung oder Tod eines nahestehenden Menschen werden Grenzen und Endlichkeit auf einmal schmerzlich spürbar. So suchen wir eine Instanz in uns, die uns über Grenzen und Krisen trägt. Die Suche nach diesen tragenden Instanzen stelle ich mir oft bildhaft vor, wie das „Durchwanderen innerer Landschaften“. Diese Landschaften sind in unseren gemalten Bildern abstrakt oder konkret erkennbar und helfen uns, unsere Kraftquellen zu finden, die uns durch Lebenssituationen tragen, für die es keine vorgefertigten Antworten gibt. Je mehr ich also meine „innere Landschaft“ kenne, desto mehr kann ich auf meine eigene Kraft vertrauen und Gelassenheit und Lebensfreude gewinnen!

    Dein neues Angebot heißt: "Die unvernünftige Äußerung".
    Unvernunft hat mit Freiheit zu tun! Dabei beziehe ich mich auf Arno Stern, den ich sehr schätze. Er hat den "Mal-Ort" begründet; das Ausdrucksmalen, ohne dass etwas hinzugefügt wird, hat er als natürliche, spontane Äußerung, als "Formulation" bezeichnet: die Geschichten, die aus dem Menschen nach außen treten während des Malens. Der Mensch braucht keinen zusätzlichen äußeren Reiz, um Innenwelten nach außen zu bringen. Jeder Mensch erscheint dann sozusagen in seiner Klarheit und Individualität auf dem Papier, und er erlebt sich selbst auch als klar.
    Dies genügt in all seiner Einfachheit – und seiner Komplexität. Kontrollierende und wertende innere Instanzen loslassen, sich sein lassen, sich malen lassen, sich entfalten lassen. 

    Sigrid Hartlmaier
    Pädagogin, Kunsttherapeutin
    Tel. 613 04 030 und 0163-460 81 09
    www.hartlmaier.info – zwischenzeitlich nicht mehr im Aquariana


    zum Seitenanfang



    Rohe Weihnachten!    
    Die kreative Dessert-Küche der Gourmet Rohkost     

    Melanie Maria Holzheimer

    Das schöne Weihnachtsfest ist nur noch wenige Wochen entfernt, und die Schokoladen-Nikoläuse und Adventskalender drapieren sich artig in den Regalen der Bio-Supermärkte.
    Ja, es weihnachtet sehr, und damit verbunden ist natürlich auch die jährliche Planung des traditionellen Weihnachtsessens.
    Viele haben in den vergangenen Jahren tolle, traditionelle Rezepte unserer Mütter und Großmütter gesammelt und ausprobiert: Da werden Eier, Mehl und Butter zu feinem Plätzchenteig verarbeitet, königliche Bratenrezepte gezaubert und cremige Desserts auf Sahne- und Milchbasis zubereitet.

    Wie wäre es zur Abwechslung mit einem solch himmlischen Dessert, das aber ganz ohne Mehl, Butter, Zucker und Sahne hergestellt wird?
    Das klingt zunächst nach einer kreativen Herausforderung, werden doch in der Backwarenabteilung ausschließlich eben jene Zutaten angeboten.

    In der künstlerischen Küche der Gourmet Rohkost werden auf der Zunge zergehende Köstlichkeiten mal aus ganz anderen Zutaten erschaffen:
    Frische Früchte, aromatische Nüsse, saftig-süße Trockenfrüchte und feinste Gewürze wie Vanille und Ceylon-Zimt bilden die Grundlage dieser gesunden Sünden.

    Das Tolle an diesen paradiesischen Leckereien: Da kein Mehl und keine Milch verwendet werden, sind alle Rezepte frei von Gluten und Laktose!

    Butter und Mehl können z.B. durch gemahlenes Nussmehl ersetzt werden, Eier und Zucker durch Trockenfrüchte wie saftige Datteln. Diese fügen jedem Rezept eine herrlich karamellartige Süße hinzu und fungieren gleichzeitig als Bindemittel. Auch für Sahne und Milch, die oft als Basis für Creme-Desserts und Tortenfüllungen verwendet werden, gibt es eine originelle Lösung: Aus cremigen Cashews, Vanille und etwas Wasser kann im Handumdrehen eine reichhaltige Nuss-Sahne zubereitet werden, die auf der Zunge dahinschmilzt.

    Wer einmal gelernt hat kreativ umzudenken, weiß, mit welchen Zutaten gewünschte Geschmäcker und Konsistenzen erreicht werden. Mit diesem künstlerischen Know-How lassen sich betörende Desserts wie Tiramisu, Nougat oder Mousse au Chocolat zubereiten, bei denen niemand erraten wird, dass es sich um Rohkost-Rezepte handelt!

    Probieren Sie doch gleich dieses unvergleichliche Rezept für Schoko-Lebkuchen-Trüffel aus und überzeugen Sie sich von der köstlichen Geschmacksvielfalt der Gourmet Rohkost!

    Schoko-Lebkuchen-Trüffel        
    Ergibt ca. 23 Trüffel
    90g Walnüsse
    40g Rohkost-Kakao oder Bio-Kakao
    4 Medjool Datteln
    2 EL Kokosöl
    1 EL Agavendicksaft
    2 TL Lebkuchengewürz
    1/2 TL Vanille
    1 Prise Meersalz
    10 Walnuss-Viertel zum Verzieren
    4 EL Kakaopulver, um die Bällchen darin zu rollen

    Die Walnüsse, Kakao, Lebkuchengewürz, Vanille und das Meersalz in eine Küchenmaschine mit einem S-Schneideblatt geben und klein mahlen.
    Die Datteln, Kokosöl und den Agavendicksaft hinzugeben und alles zu einer gleichmäßigen Masse verarbeiten. Die Masse sollte beim Zusammendrücken mit den Händen gut zusammen halten.
    Mit den Händen ca. 3 cm breite Bällchen rollen und diese für 3 Minuten in das Eisfach geben, um sie fest werden zu lassen.
    Die Bällchen wahlweise mit den Walnuss-Vierteln verzieren oder sie im Kakaopulver rollen.
    Die Bällchen unbedingt im Kühlschrank aufbewahren, da das Kokosöl bei Temperaturen über 25° flüssig wird.
    Tipp: In Pralinenförmchen und in einer schönen Deko-Dose verpackt das perfekte Weihnachtsgeschenk für Schokoladen-Liebhaber!

    Wer neugierig auf weitere Rezepte der kreativen Rohkost-Dessert-Küche geworden ist, kann sich auf den Kurs „Decadent Desserts“ am WE, 10. - 11.12.11 im Aquariana-Zentrum freuen. In diesem Kurs zeigt Rohkost-Köchin Melanie Maria Holzheimer die u.a. Zubereitung von Gianduja Nougat, Marzipan mit Erdbeer Füllung, Tiramisu und Mousse au Chocolat.
    Die perfekte Gelegenheit, den krönenden Abschlussgang eines jeden Festessens einmal ganz bewusst und gleichzeitig sündhaft lecker zu gestalten!

    Melanie Maria Holzheimer         
    Heilpraktikerin und Rohkost-Köchin
    Ganzheitliche Ernährung und Entgiftung

     

        

    zum Seitenanfang


    Atmen oder Ein kurzes Treffen mit mir selbst

    Evelyn Rodtmann

    Der Atem gehört zu den Dingen im Leben, die immer da sind und doch gleichzeitig fast nie da sind. Wir atmen alle, sind uns aber nur selten dessen bewusst. Brauchen wir ja auch nicht. Wir, oder besser, es atmet, ob wir es bemerken oder nicht.

    Warum spielt dann der Atem so eine große Rolle in fast allen Meditationsformen? Auch in meinen MBSR - Stressbewältigung durch Achtsamkeit- Kursen beginnen alle Übungen mit der Wahrnehmung des Atems. Achtsamkeit auf den Atem ist der Einstieg in jede Achtsamkeitsübung, und manchmal bleiben wir auch mit der Wahrnehmung während der gesamten Übung beim Atem.
    Dabei geht es nicht darum, tiefer, besser oder auf eine bestimmte Art und Weise zu atmen. Achtsamkeit bedeutet wahrzunehmen, was gerade ist: den Atem, wie er ein- und ausfließt, unsere Körperempfindungen, Gefühle, den Fluss unserer Gedanken sowie die Situation, in der wir uns befinden. In der Meditation bzw. Achtsamkeitsübung wechseln wir vom Tun-Modus zum Sein-Modus und stärken so die Fähigkeit, uns bewusster wahrzunehmen, ohne gleich einzugreifen, Urteile abzugeben oder gedanklich in eine neue Geschichte einzusteigen. Sitzen, atmen, alles kommen und gehen lassen - das wirkt oft schon entspannend auf den Körper und beruhigend auf Gedanken und Gefühle.

    Das klingt einfach, ist aber nicht leicht. Gerade die Gedanken machen uns dabei oft einen Strich durch die Rechnung. Sie tragen uns weg in Zeit und Ort: Wir sind dann in der Vergangenheit und erinnern uns, oder wir sind in der Zukunft und planen etwas, denken an bestimmte Personen und Situationen und beurteilen diese, ärgern uns dann oder freuen uns - kurz: Wir sind sehr beschäftigt im Geist und oft nicht da, wo wir eigentlich gerade sind. Dann hilft uns der Atem: Er ist wie ein Anker, der uns an den gegenwärtigen Moment bindet. Wir können nicht bewusst den Atem wahrnehmen, das ständige Einatmen und Ausatmen und gleichzeitig in unseren Gedankengeschichten unterwegs sein. Die Achtsamkeit auf den Atem hilft uns, einmal nicht den Gedanken zu folgen, sondern bei uns zu bleiben. Je besser uns das gelingt, desto mehr können wir innerlich zur Ruhe kommen.

    Diese Erkenntnis setzt sich auch in der Vorsorge und Behandlung von stressbedingten Problemen immer mehr durch. "‚Mit einer achtsamen Atmung können wir unser inneres Befinden besser wahrnehmen und in Richtung Ruhe und Gelassenheit ändern’, beschreibt es der Neurowissenschaftler Ulrich Ott … Experte für die Hirnvorgänge beim Meditieren“, ("Meditation. Entspannung in hektischen Zeiten", Psychologie Heute, Dezember 2010, S. 22 u.26). Die MBSR – Kurse „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ setzen genau da an. In 8 Wochen wird Achtsamkeit geübt und eine gelassenere Haltung in stressigen Situationen entwickelt. Der Atem ist dabei der rote Faden.

    Versuchen Sie es doch gerade einmal - auch wenn es schwer fällt, das Lesen, das ständige Voranschreiten, einen Moment anzuhalten. Das ist übrigens auch ein wichtiger Aspekt der Achtsamkeitspraxis: einen Moment innehalten und bei sich ankommen.
    Also: eine Minute innehalten. Lesen Sie das Kästchen einmal durch und nehmen Sie sich die eine Minute, um es zu probieren:


    Schließen Sie die Augen und verändern Sie nichts.
    Nehmen Sie die Körperhaltung wahr, in der Sie sich gerade befinden, die Sitzfläche, den Boden.
    Und nun richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf den Atem - so, wie er jetzt gerade ist. Sie müssen nichts daran korrigieren. Bleiben Sie mit Ihrer bewussten Wahrnehmung dabei, spüren Sie, wie Sie einatmen und wieder ausatmen. Nur das.
    Wenn die Gedanken auf Wanderschaft gehen, was sie auch während einer kurzen Minute versuchen werden, nehmen Sie kurz wahr, dass Sie gerade gedacht haben und kehren dann zurück zum Atem.

    Einatmen ... ausatmen ... eine Minute lang.


    Was haben Sie erlebt? Unruhe, Momente der Stille, Ungeduld, viele Gedanken ...? All das kann auftauchen - es gibt kein richtig oder falsch, nur ein freundliches Wahrnehmen, was ist.

    Können Sie sich vorstellen, dass diese Momente des Innehaltens kleine Inseln der Ruhe in den hektischen Alltag bringen können? Mit ein wenig Entschlossenheit und etwas Übung können Sie sich immer wieder kurz mit sich selbst treffen: Alles, was Sie dazu brauchen, haben sie immer dabei: den Atem.


    Evelyn Rodtmann

    MBSR – Stressbewältigung durch Achtsamkeit
    Tel. 030 – 623 32 17 | www.achtsam-und-gelassen.de


    Der nächste MBSR-Kurs:

    Neue Termine: www.achtsam-und-gelassen.de



    zum Seitenanfang


    Pranayama – Atem und Yoga

    Interview mit Cárol Varga

    Eine Yoga-Stunde anzuleiten ohne die Atmung zu erwähnen – das geht eigentlich kaum, oder?
    Da gehe ich noch viel weiter: Der Atem ist für mich eine Definition von Leben, die Atmung kennzeichnet Leben. Die Atmung haben wir immer "dabei", so dass sie das ideale Instrument für mehr Bewusstheit ist.

    Mir fällt auf, dass die Atmung bei den Übungen einerseits als Rhythmus gebend eingesetzt wird, andererseits aber der Atemfluss auch gelenkt wird.
    Im Wesentlichen dient die bewusste Atmung als Zentrierungstechnik: Um vom Außen zu mir selbst zu kommen, ins gegenwärtige Jetzt. So wird Distanz geschaffen zu dem Tun, das uns oft pausenlos beschäftigt, stresst und krank macht.
    Die typischen Yoga-Pranayama-, also Atemübungen, können ganz unterschiedliche Funktionen haben: Neben den geistigen Wirkungen, z.B. anregend, ausgleichend auch physiologisch Effekte: So trainieren Schnell- und Wechselatmung auch die Atemmuskulatur und vergrößern das Lungenvolumen.
    Der "Nebeneffekt" ist jedoch immer: Ich komme zu mir, ich spüre mich, ich nehme mich wahr.
    Dehnungen werden durch die Ausatmung intensiviert, Atemanhaltephasen dienen der Sammlung.

    Sobald du den Ablauf einer Übung hinreichend erklärt hast, forderst du auf, die Übung im eigenen Rhythmus mehrfach zu wiederholen. Das empfinde ich als Teilnehmerin als sehr angenehm, weil ich ganz auf mich konzentriert sein kann.
    Auch dies folgt dem Rhythmus außen – innen. Erst schauen die Schüler auf mich, also nach außen, dann aber ganz auf sich selbst. Wichtig ist für mich, dass die Übung bewusst ausgeführt wird, weniger wichtig, dass sie ästhetisch "korrekt" ausgeführt wird. Auch die Atemansagen sind Angebote. Sie sind eine gute Hilfestellung für die Asanas; man erfährt sie tiefer und kann das Äußere immer besser loslassen. 

    Welchen Stellenwert hat das Pranayama im Yoga?
    Es gibt viele verschiedene Yoga-Zweige. Bei uns im Westen wird überwiegend das Hatha-Yoga praktiziert. Daneben gibt es z.B. noch das Raja-Yoga, Bhakti-Yoga, Jnana-Yoga. Beim Hatha-Yoga geht es um Körperübungen, die auf dem Yoga-Weg nur einen begrenzten Teil ausmachen. Die Atemübungen stehen hierbei hierarchisch über den Körperübungen, weil sie feinstofflicher und subtiler sind. Sie bereiten auf die Meditation vor, die auf dem spirituellen Weg der Erkenntnis wesentlich ist.

    Meditation wird ja auch häufig in Verbindung mit der Atmung ausgeübt.
    Ja, zumindest steht am Anfang einer Meditation der bewusste Atem. Auch hier wird die zentrierende Wirkung des Atemrhythmus' genutzt. Die Atmung ist jedoch gleichzeitig die Verbindung zur Welt. Daher macht es Sinn, Meditation mit Atmung zu koppeln. Auch das Rezitieren von Mantren ist oft an der Atmung orientiert.

    Siehst du als Psychologe eigentlich auch psychotherapeutische Effekte beim Yoga?
    Auf den Punkt gebracht, würde ich sagen, dass jede Psychotherapie darauf abzielt, den Menschen in Kontakt mit sich selbst zu bringen. Insofern hat Yoga und insbesondere die bewusste Atmung eindeutig psychotherapeutische Effekte. Z.B. öffnende Asanas, d.h. Stellungen, die mit dem Zurückrollen der Schultern und dem Heben des Brustbeines einhergehen, können sehr viel in einem Menschen bewirken. In der Yoga-Einzelarbeit kann hier natürlich auf spezifische Bedarfe gut eingegangen werden. 

    Dadurch wird mir klar, dass eine gute, umfassende Ausbildung für einen Yoga-Lehrer sehr wichtig ist.
    Ja! Jede Asana kann emotionale Blockaden lösen oder geistige Wirkungen gezielt initiieren. Z.B. die Heldenposition wird mit Kraft und Mut assoziiert, und gleichzeitig kann Erdung fokussiert werden. Eine wichtige Stellung für mehr Selbstsicherheit. Wichtig übrigens: Held und Heldin! Wird die Position der Visionären Heldin, also mit dem Blick nach vorn und nach oben gerichtet, immer wieder eingenommen, schafft das Selbstvertrauen und Sammlung, so dass z.B. schwierige Projekte besser angegangen werden können. Also insgesamt eine gute Übungshaltung, insbesondere in unsicheren Phasen.
    Andererseits kann eine Entspannungsphase von Menschen, die sonst sehr betriebsam sind, nicht immer leicht ausgehalten werden. Oder auch der sehr erdende Drehsitz.

    Nun sind wir, ausgehend vom Atem, recht tief ins Yoga eingedrungen. Warum, denkst du, ist Yoga eigentlich so erfolgreich?
    Ich knüpfe noch mal beim Atem an: Für mich ist gerade die bewusste Atmung eine Geistesschulung für Gegenwärtigkeit. Sicher spielen hier wieder meine Erfahrungen als Psychologe eine Rolle: Vergangenheit ist für viele Menschen mit Leid verbunden, und die Zukunft oft mit Befürchtungen. Gegenwärtigkeit aber bedeutet, Freude und Kraft in sich selbst zu erleben. Darin liegt der Erfolg von Yoga.


    Cárol Varga
    Yoga-Lehrer (BYV), Dipl.-Psychologe, Systemischer- / Familientherapeut
    Tel. 030 - 27 57 49 02 | www.gesundheitskurse.net


    Hatha-Yoga im Aquariana:

    Offene Stunde:
    Mittwoch, 18:00-19:30
    Donnerstag, 20:00-21:30
    Kosten: € 10,-/Termin – Probestunde € 5,-

    Durch Krankenkassen geförderte Kurse:
    Neue Termine: www.gesundheitskurse.net
    Kosten: € 100,-/8 x

    zum Seitenanfang


    Beziehungen mit Liebe heilen

    Dr. Brenda Davies

    Beziehungen sind das, worum es im Leben geht.

    Wir gehen auf die eine oder andere Art mit allen und allem um uns herum in Beziehung. Zu einem großen Teil können wir uns dafür entscheiden, diese Beziehungen freudvoll, bedeutungsvoll und liebevoll zu gestalten oder dafür, uns durchzukämpfen, uns nie richtig wohl mit denen um uns herum zu fühlen oder mit dem Leben insgesamt.

    Die Art und Weise zu ändern, wie wir das Leben und Beziehungen betrachten, ist vielleicht nicht einfach, aber es lohnt sich. Wie wir in Beziehung gehen, hat viel mit dem zu tun, woher wir kommen, was uns als Kindern vorgelebt wurde und mit den Botschaften, die uns durch Autoritätsfiguren, Kultur und Gesellschaft gegeben wurden.

    Wir wurden durch Ereignisse in unserem Leben geprägt, und unsere Herzen mussten manchen Schlag auf unserem Weg durch Kindheit und Jugend hindurch ins Erwachsenenalter überleben. Obwohl sich unsere Fähigkeit zu lieben und gesunde emotionale Verbindungen zu gestalten das ganze Leben lang weiterentwickelt, können frühe Erfahrungen in einem großen Ausmaß vorherbestimmen, ob wir die Wunder von Nähe genießen oder ob wir ihre grundlegenden Elemente – vertrauen, fühlen und miteinander reden – einfach zu schmerzhaft und schwierig finden. Traumatische Vorkommnisse haben uns möglicherweise bitter und kalt werden lassen, misstrauisch gegenüber den Absichten anderer, bedürftig oder ängstlich und unfähig, Zärtlichkeit zu empfinden; wir erleben die Welt als Minenfeld, in dem Spiele gespielt werden und Menschen verletzt werden. Wir pendeln vielleicht hin und her zwischen dem Gefühl von Distanz und Abgeschnittensein und dann wieder dem Versuch, andere so fest zu binden, dass wir ihnen den Raum und die Freiheit zu wachsen absprechen und sie damit von uns entfremden.

    Unsere frühen Wunden zu heilen, ist daher essenziell, wenn wir Frieden, Harmonie und Glück in Beziehungen finden wollen, seien es die mit Liebespartnern, Kollegen, Familienmitgliedern oder selbst mit unseren eigenen Kindern, gar nicht zu sprechen vom Rest der Menschheit. Mit Verlust umgehen zu lernen, ist eine schmerzvolle Notwendigkeit. Trauer ist die andere Seite der Liebe, und sie ist der Schmerz, den wir erleiden, wenn Bindungen zerreißen, die wir nicht nur mit Menschen, sondern auch mit unserem Zuhause, mit Orten, Haustieren oder Arbeitsplätzen aufgebaut hatten. Aber jedes Ende – angemessen betrauert – öffnet einen Raum für einen neuen Anfang, sobald wir bereit werden, diesen zu sehen. Sei sanft mit dir selbst, und lass dein Herz heil werden.

    Liebe ist unser größtes Beziehungswerkzeug. Sie ist die grundlegende Schwingung, die uns dazu bewegt, Gedichte zu schreiben und Lieder zu singen, die uns dazu anregt, das Universum und einander begreifen zu wollen, die uns dazu antreibt, über uns selbst hinaus zu wachsen, um das Beste zu werden, was wir sein können und Dinge zu tun, die wir nie für möglich gehalten hätten; eine Verbundenheit, durch die wir uns gegenseitig anziehen und die uns auf eine solche Weise vereint, dass wir uns vollständig und erfüllt fühlen.

    Liebe mag sich uns als die sexuelle Leidenschaft von Liebenden präsentieren oder als die tiefe Kameradschaft, die uns zusammenhält, lange nachdem sich die Leidenschaft möglicherweise verabschiedet hat; die instinktive Verbundenheit von Eltern und Kindern; als die Loyalität, die soziale Gruppen zusammenhält und die uns veranlasst, für unser Land oder unsere Überzeugungen zu sterben; als göttliche Liebe, die uns in einem Bewusstsein zusammenhält – nicht nur menschlich, sondern auch kosmisch. Liebe ist die Energie, die uns hilft, unsere Beziehungen zu heilen und uns zu einem Ort inneren Friedens zu bringen.

    Um Beziehungen heilen zu können, müssen wir damit beginnen, unsere Beziehung mit uns selbst zu heilen. Oft vernachlässigen wir dies und richten unsere Aufmerksamkeit nach außen, indem wir von anderen erwarten, uns Zuspruch und Trost zu geben und uns glücklich und ganz zu machen. Aber wenn wir uns selbst nicht lieben, wird es ziemlich schwierig für uns, jemand anderen zu lieben oder für jemand anderen, uns zu lieben. Wenn wir die Verantwortung dafür übernehmen, uns selbst zu lieben – egal was wir tun –, öffnen wir uns dafür, zu lieben und geliebt zu werden.
    Nimm dir also einen Moment Zeit, um zu schauen, wer du bist und wo du stehst. Wie alle anderen besitzt auch du eine vollkommene Mischung von Qualitäten, die dich nicht nur einzigartig machen, sondern auch gewährleisten, dass du dem Universum einen einzigartigen Beitrag zu geben hast. Niemand sonst kann der Welt genau das geben, was du kannst. Ob du eine Mutter bist, die Kinder großzieht, ein Bauer, der ein Feld bestellt, eine Therapeutin oder ein Hirnchirurg: Du spielst deinen Part in diesem erstaunlichen Gewebe des Bewusstseins. Tatsächlich bist du, wie alle anderen, ein machtvolles, spirituelles Wesen, das den Mut hatte, herzukommen und das menschliche Leben zu leben. Du hast auf deiner Reise hierher alle möglichen Probleme überlebt. Als mutiges Kind hast du es geschafft, dich nicht unterkriegen zu lassen, als das Leben dich mit Schwierigkeiten bedrängte und dich damit aufforderte, Bewältigungsstrategien zu entwickeln und dadurch zu wachsen. Jetzt, als Erwachsene, kannst du dasselbe tun, selbst wenn deine Verletzungen tiefe Narben hinterlassen haben. Tatsache ist, dass du ein außergewöhnliches Geschöpf bist, und obwohl ich dir nicht nahelegen will, ein Narzisst zu werden, der so mit seinem eigenen Glanz beschäftigt ist, dass er den Kontakt zur Welt um sich herum verliert, musst du zugeben, dass du ziemlich wunderbar bist!

    Dein Leben ist dein Leben, deine Entscheidungen sind deine Entscheidungen, und deine Beziehungen sind deine Beziehungen; daher kannst nur du dauerhafte Veränderungen vornehmen. Es ist eine Tatsache, dass jede positive Veränderung, die du in dir selbst vornimmst, auch eine positive Veränderung in deinen Beziehungen bewirkt. Gute Grenzen setzen zu lernen und sie auch, wenn notwendig, zu verteidigen, etwas Selbstbehauptungstraining und die Verbesserung unserer Kommunikationsfähigkeiten wird eine große Veränderung bewirken. Wenn du es dir zur Gewohnheit machst, offen zu sein und die Dinge aus der Perspektive der anderen Person zu sehen, wird es dir helfen, Konflikte zu lösen. Dabei gewinnst du neue Einsichten, integrierst neue Wahrheiten und, wenn du genug Mut hast, kannst du deine Integrität auf einen neuen Stand bringen und damit dein Verhalten ändern.

    Es mag schwer sein, vergeben zu lernen, aber es ist essenziell, wenn wir uns selbst und unsere Beziehungen heilen wollen. Niemand hat das Recht, dir zu sagen, dass du vergeben solltest oder dass du auch nur bereit sein solltest, mit dem Prozess der Vergebung zu beginnen. Dennoch, dein Leben und deine Beziehungen werden enorm davon profitieren, wenn du es tust. Vielleicht kannst du damit anfangen, dass du einen Blick auf die Tatsache wirfst, dass wir alle ohne Landkarte durch's Leben gestolpert sind und wir alle hin und wieder Fehler gemacht haben. Wenn wir das verstehen, eröffnet sich oft ein Gefühl der Liebe und des Mitgefühls für andere (und für uns selbst und die Fehler, die wir gemacht haben!) und hilft uns zu vergeben.
    Wir können das, was geschehen ist, auch positiv umschreiben. Darauf zu schauen, was wir aus schmerzhaften Erlebnissen gelernt haben, kann uns dabei helfen, andere eher als Lehrer als als Aggressoren zu sehen. Das ermöglicht uns, uns selbst aus mitgeschlepptem, alten Schmerz, der uns unbeweglich gemacht hat, zu entlassen. Natürlich steht uns weiterhin das Recht zu, den Verursacher nicht wieder in unser Leben zu lassen. Diese beiden Dinge schließen sich gegenseitig nicht aus.

    Das Leben wird nie statisch sein, und oft müssen wir unsere Reaktionen wieder und wieder abändern, bis wir gelernt haben, die Wellen zu reiten und schließlich mit dem zufrieden zu sein, was ist. Wir sind allerdings gesegnet (oder verflucht) mit göttlicher Unzufriedenheit – diese Kraft, die uns dazu auffordert, weiter zu suchen und zu wachsen, zu verfeinern, neu zu definieren und heil zu werden in dem ständigen Prozess, das Beste, was wir sein können, zu werden.
    Es wird immer Herausforderungen für uns geben, und viele entstehen durch Beziehungen, die uns fortgesetzt dabei helfen, mehr über uns selbst und das Wesen des Lebens zu entdecken. Also, sei sanft mit dir selbst und gib nicht auf in deiner dich ermächtigenden und lohnenswerten Suche, Beziehungen mit Liebe zu heilen. Wenn du das machst, wird sich dir deine ganze Fähigkeit eröffnen, bedingungslos zu lieben, mit Mitgefühl, Einfühlungsvermögen, Respekt und Vertrauen. Deine Offenheit, Großzügigkeit und liebevolle Freundlichkeit wird mit dem Glück wirklicher Nähe mit dir selbst und mit anderen belohnt werden.

    Ich wünsche dir eine positive Einstellung, Freude am Einfachen und Alltäglichen, wenn du in die Welt hinausgehst und dabei Liebe und Frieden ausstrahlst. Viel Spaß!

    Dr. Brenda Davies, MB, Beratende Psychiaterin und Spirituelle Heilerin
    www.brendadavies.com, www.brendadaviescorporate.com

    Veranstaltungen im Aquariana:
    April und September 2013: www.aquariana.de/seminarseiten/davies.html

    Englisch mit Übersetzung
    Zeit: 9:00-17:00
    Kosten: € 110,-/Workshop bzw. € 95,-/ Tag für Heilung

    zum Seitenanfang



    Seelenmediation

    Interview mit Ulrike von Lienen

    Was ist Seelenmediation?
    Wenn man eine Kategorie dafür sucht, dann wäre es: Mediale Lebensberatung.
    Tatsächlich trete ich mit der Seele meiner Klienten in einen inneren Kontakt, und dabei geht es um zwei Punkte:
    1. Einer Seele kann etwas zustoßen, wodurch sie nicht mehr in ihrer Kraft ist. Dadurch steht sie uns in unserem Leben nicht voll zur Unterstützung. Und das schwächt uns. Ich finde heraus, was das genau war und unterstütze die Seele darin, das aufzulösen.
    2. Ich übersetze die Antworten der Seele auf die Fragen der Klienten und erläutere sie.

    Wie benutzt du den Begriff "Seele"?
    Die Seele ist der Anteil eines Menschen, der durch mehrere Inkarnationen hindurch bestimmte Erfahrungen sucht und auch macht und sich dabei entwickelt. Ich meine damit nicht die Psyche!
    Die Seele liegt also sehr tief im Inneren?
    Das sehe ich nicht so; vielmehr durchdringt die Seele den ganzen Menschen, ist also überall. Allerdings kommt nicht jeder mit ihr in Kontakt, obwohl das für alle möglich ist. Sie selbst macht sich uns allerdings bemerkbar, wir können ihre Impulse eigentlich wahrnehmen – was leider in unserer Gesellschaft nicht gefördert wird. Was i.A. jedoch nicht geht, ist die umgekehrte Kommunkation, also dass wir direkt Kontakt zur unserer Seele aufnehmen.

    Was kann der Seele denn zustoßen?
    Das sind karmische Blockaden oder karmische Anhaftungen. Die Seele nimmt sich für eine Inkarnation ein Lernthema vor und kann dabei unterschätzen, wie traumatisch das für die Persönlichkeitsebene sein kann. Gefühle können so intensiv sein, dass sie auf die Seele "überschwappen"; die Seele verliert ihre beobachtende Distanz und identifiziert sich mit den Gefühlen. Sie ist dann nicht mehr frei, sondern gebunden. In der Regel inkarniert sie dann weiter mit ähnlichen Themen.
    Ich kann mir in einer Sitzung zeigen lassen, in welcher Inkarnation dies Thema entstanden ist und helfe der Seele, sich an ihr Wesen als Seele zu erinnern und sich von den damals erleben Emotionen zu lösen. Das hat eine dauerhafte Wirkung, und auch die Persönlichkeitsthemen können sich dann lösen.
    Klienten sagen oft: Egal, was ich bisher gemacht habe, ich bin immer gegen eine Wand gelaufen. Nach der Seelenmeditation ist die Wand zwar immer noch da, aber es gibt jetzt Türen darin, durch die der Mensch dann gehen kann.

    Wie läuft eine Sitzung bei dir ab?
    Die Menschen kommen oft mit ganz konkreten Fragen. Ich schaue dann als erstes, ob die Seele blockiert ist. Diese Blockade hat im Allgemeinen direkt mit den Fragen zu tun und zeigt sich oft in dem Lebensthema des Menschen.
    Im zweiten Schritt richte ich die Fragen und Anliegen der Klientin an die Seele und spreche deren Antworten dann laut. Ggfs. erläutere ich die Antworten. Aber: Es sind nie meine eigenen Antworten!

    Wie nimmst du die Antworten wahr?
    Meistens "höre" ich sie, wie in einem inneren Dialog. Manchmal "weiß" ich es einfach, manchmal erlebe ich Gefühle, habe Eindrücke, sehe Bilder – oft ist es eine Verbindung von allem. Hin und wieder ist es auch ein "Diktat" mit ganz präzisen Anweisungen.
    Und es sind übrigens auch sehr konkrete Ratschläge!

    Kannst du ein paar Beispiele aus deiner Praxis sagen?
    Da gab es z.B. die Anweisung: Du sollst dein Problem malen, aber nicht mit Öl wie sonst immer, sondern mit Aquarellfarben. Darauf sagte die Klientin, das wollte ich eigentlich schon seit längerer Zeit mal versuchen ...
    Oder: Eine Klientin mit rheumatischen Beschwerden sagte, sie wolle sich mehr bewegen, Sport machen, schaffe es aber nicht. Die Seele: Betrachte jeden alltäglichen Gang wie Sport, und gewinne Freude daran. Und dann geh insgesamt mehr zu Fuß. Und wenn du weißt, dass es dir leichter fällt mit dem Hund deiner Freundin, dann hol ihn dir, und geh mit ihm!

    Das klingt sehr einfach und praktisch.
    Ja, die Seele sagt tatsächlich nur das, was zu dem Menschen passt und daher leicht durchführbar ist.
    Manchmal gibt die Seele z.B. ganz spezielle Übungen auf: Bei schon lange bestehenden Schlafstörungen nach einem Schlaganfall sollte die Klientin bei jedem Aufwachen bestimmte Übungen durchführen – und das half gut und dauerhaft.
    In Bezug auf eine Partnerschaft wird geklärt, wozu diese Beziehung dient und was es zu lernen gibt. Es gibt Ratschläge zur Verbesserung der Beziehung oder auch zur Trennung.
    Manche Anweisungen wiederum erscheinen mir selbst sehr seltsam, aber die Klientin weiß genau, wie es gemeint ist und ist glücklich darüber.

    Wie ist das mit traumatischen Erfahrungen, die du schon angesprochen hast?
    Manchmal ist es sinnvoll für einen Klienten, eine Therapie zu beginnen. Auch hier hilft die Seele bei der Auswahl der passenden Therapiemethode, aber auch des Therapeuten, wenn schon mehrere zur Wahl stehen.
    Bei länger anhaltender Traurigkeit gab es mal die Aufgabe: Finde jeden Tag mindestens drei Lichter, z.B. einen Lichtreflex in einer Scheibe oder das Lächeln eines Kindes. Das gibt einen Ausblick, und die Traurigkeit darf trotzdem bestehen bleiben.

    Wie kommt es, dass du so mit der Seele in Kontakt kommen kannst?
    Die innere Kommunikation ist bei mir einfach ein Talent der Seele, das über mehrere Inkarnationen hinweg aufgebaut wurde. Alle haben ja Talente, nur immer anders gelagert. Ich habe als Kind schon mit Tieren kommuniziert; irgendwann entdeckte ich, dass ich auch mit den Seelen verstorbener Tiere in Kontakt treten konnte, später ging es mit Seelen verstorbener Menschen. Irgendwann fragte eine Freundin, ob sie denn erst tot sein müsse, damit ich mit ihrer Seele Kontakt aufnehmen könne – da merkte ich, dass es auch bei lebenden Menschen ging. Mit der Zeit habe ich viel von und durch die Seelen-Arbeit gelernt, und so hat sich dann die Struktur der Seelen-Mediation entwickelt.

    Arbeitest du eigentlich auch mit Kindern?
    Das ist sogar eine besonders schöne Arbeit. Die Probleme haben sich in der Psyche noch nicht so tief manifestiert, so dass sie sich viel leichter auflösen lassen. Bei z.B. Schreikindern, ADS oder Schlafstörungen ist das oft sehr effizient. Und die Eltern schauen sich ihre Aufgabe natürlich auch an.

    Noch mal zurück zum Beginn unseres Gespräches: Du sagtest, die Fähigkeit zu innerer Kommunikation würde so wenig gefördert. Wie können wir sie denn fördern?
    1. Mehr auf unsere Impulse und Intuitionen hören.
    2. Wir können vor dem Einschlafen eine Frage an die Seele stellen und sie bitten, uns die Antworten in unseren Träumen zu übermitteln. Und das ruhig wiederholen. Wenn die Träume unklar sind: Dann um klarere Träume bitten!
    3. Unter Umständen kann ich mit der Seele absprechen, mit einem bestimmten physischen Zeichen zu signalisieren, dass gleich ein Impuls von ihr kommen wird.

    Neulich sagte eine Kollegin, dass deine Klienten immer mit einem Strahlen auf dem Gesicht aus deinem Raum herauskommen!
    Das Lösen von karmischen Blockaden bringt spürbare Erleichtungen. Wenn die Seele erklärt, warum jemand ist, wie er ist, ist das sehr lösend und sehr erleichternd für den Menschen.

    Wenn jemand deine Arbeit kennen lernen möchte – wie geht das am besten?
    Wir können gern ein kostenloses telefonisches Vorgespräch führen. Und der nächste Tag der Offenen Tür im Aquariana ist auch eine gute Gelegenheit, mich und meine Arbeit kennen zu lernen.

    Ulrike von Lienen
    Seelenmediation, Metamorphosis
    Tel. 030 - 792 76 14
    www.loesungs-wege.de – zwischenzeitlich nicht mehr im Aquariana

    zum Seitenanfang



    Heilpflanzen nutzen für Gesundheit und Wohlbefinden

    Daniela Stöffin, HP

    Bevor Sie weiterlesen, möchte ich Sie um ein kleines Experiment bitten: Schließen Sie kurz die Augen, und achten Sie darauf, wie Sie sich fühlen. Sind Sie müde? Gestresst? Fühlen Ihre Schultern sich verspannt an?

    Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie stehen mit geschlossenen Augen inmitten eines alten Bauerngartens. Die Sonne scheint warm auf Sie herab, die Insekten summen und der Duft von Rosen und den verschiedensten Kräutern umweht Sie.

    Und? Wie geht es Ihnen jetzt?

    Heilpflanzen zählen zu den ältesten Heilmitteln der Menschheit. Sie sind aber weit mehr als nur Medizin. Sie vermitteln Wohlbefinden, wecken angenehme Erinnerungen und erfreuen uns oft schon durch ihr Aussehen.

    Wer anfängt, sich mit Heilpflanzen zu beschäftigen, für den steht oft noch der rein schematische Ansatz im Mittelpunkt. Ich habe Husten, also trinke ich einen Kräutertee, der dagegen hilft. Nach und nach merkt man dann vielleicht, dass eine bestimmte Pflanze, die der Freundin so gut getan hat, einem selber nicht hilft, eine andere dagegen besonders wirkungsvoll ist. Beide sind gegen Husten gut, aber jede Pflanze hat noch einmal eine ganz eigene Komponente, die auf die Eigenschaften der Person oder die Ausprägung der Beschwerden abgestimmt werden kann. Hier beginnt es spannend zu werden, denn jetzt fängt man an zu experimentieren und begibt sich auf eine oft lebenslange Entdeckungsreise.

    Aber auch für diejenigen unter uns, die nicht so tief in die Geheimnisse der Heilpflanzen eintauchen möchten, kann die Beschäftigung mit den Grundlagen eine große Bereicherung sein. Die Anwendungsmöglichkeiten sind sehr breit gefächert und gehen weit über die klassische Teemischung hinaus; es macht ganz einfach Spaß, selbst einen Kräuteressig anzusetzen oder sich die eigene Duftmischung zusammenzustellen. Ihrer Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt und schon die Beschäftigung mit den Pflanzen beruhigt und macht gute Laune (siehe das kleine Experiment oben).

    Zum Ausprobieren - Rezept für ein pflegendes und entspannendes Fußbad:
    5 Tropfen Lavendelöl
    1 Tasse Kamillentee (15 Minuten ziehen lassen)
    2 Esslöffel Meersalz (normales Küchensalz geht auch)
    1 Tasse zimmerwarme Milch

    Alles zusammen in eine Schüssel mit angenehm warmem Wasser geben und die Füße für 15 Minuten darin baden.

    Kamille und Lavendel sind Pflanzen, die viele von uns schon aus Kindertagen kennen und mit Sommer, Wärme und Urlaub verbinden. Ihr Geruch versetzt uns automatisch in eine angenehme Stimmung und wir entspannen uns. Diese Eigenschaft trägt zu ihrer Heilwirkung bei, denn Entspannung ist eine wesentliche Voraussetzung für Heilung. Umgekehrt kann eine unangenehme Assoziation eine Heilwirkung auch blockieren und sollte deshalb mit berücksichtigt werden. Über die Pflanzen sprechen wir unseren Körper immer auf mehreren Ebenen zugleich an.

    Die Kamille ist auch ein gutes Beispiel für die Vielfalt der möglichen Anwendungsbereiche einer Heilpflanze:

    Kurzportrait Kamille (Matricaria chamomilla)
    Die Echte Kamille gehört zu den Korbblütlern und die meisten Menschen sind ihr bereits auf Spaziergängen begegnet. Sie fühlt sich auf humosen Lehmböden wohl und wächst besonders gern am Ackerrand oder auf Freiflächen. In der Stadt findet man sie oft am Rand von Baustellen. Die krautige Pflanze hat einen körbchenförmigen gelben Blütenstand mit einem Kranz von weißen Zungenblüten, ihre Blütezeit dauert von Mai bis September. Verwechslungsgefahr besteht z. B. mit der Hundskamille, Kennzeichen der Echten Kamille ist der innen hohle Blütenboden.

    Bekannt ist der Kamillentee als Mittel gegen Bauchschmerzen und zur Beruhigung, das besonders Kindern gern gegeben wird. Hier sollte man jedoch nicht übertreiben, denn ein Zuviel kann die beruhigende Wirkung umkehren und reizbar und aufgeregt machen. Weitere Anwendungsbereiche der Kamille sind z. B. Entzündungen, Hautprobleme, bestimmte rheumatische Erkrankungen und Erschöpfungszustände. Vorsicht ist geboten bei einer Allergie gegen Korbblütler und in der Schwangerschaft.

    Die Anwendung von Heilkräutern bedeutet keine Ablehnung der Schulmedizin, sondern eine sinnvolle Ergänzung. Es gibt inzwischen viele Studien, die die Wirksamkeit von einzelnen Inhaltsstoffen belegen. Dies birgt aber leider auch die Gefahr, dass die Vielfalt der Pflanzenwirkungen unberücksichtigt bleibt und die traditionellen Anwendungen in Vergessenheit geraten. Ich wünsche mir, dass immer mehr Menschen die Schönheit und Heilkraft der Pflanzen für sich nutzen und diese wieder ein selbstverständlicher Teil unseres Alltags werden.

    In meiner Heilpraxis biete ich individuelle Beratungen zur Anwendung von Heilpflanzen an, die Behandlung wird von mir auf Ihre ganz persönliche Situation abgestimmt. Außerdem gebe ich Seminare zu verschiedenen Schwerpunktthemen.


    Daniela Stöffin, Heilpraktikerin
    Phytotherapie, Osteopathie
    Fußreflexzonenmassage, Massage, Thai-Yoga-Massage
    Hot-Stone-Massage, Lomi Lomi Massage, Reiki

    www.praxis-stoeffin.de – zwischenzeitlich nicht mehr im Aquariana

    zum Seitenanfang


    Das Wesen der Kräuter oder – woher kommt unser Wissen über Heilkräuter ?

    Torsten Ziegler, HP

    In meiner Praxis benutze ich täglich Heilkräuter. Zumeist Pflanzen, die aus China importiert sind, aber auch Mineralien und Stoffe tierischen Ursprungs; sie werden in der TCM alle als Kräuter bezeichnet. In der Auswahl und beim Zusammenstellen der Teerezepturen verlasse ich mich auf überliefertes Kräuterwissen, das über mehrere Jahrtausende gesammelt wurde und zumeist aus der chinesischen Hàn-Dyanstie, das war etwa um Christi Geburt, stammt.

    Auf der ganzen Welt bedient man sich intensiv der Kräutermedizin, in vielen Ländern des Orients ist sie aus der täglichen Therapie nicht wegzudenken. In den wenigen noch erhaltenen Überlieferungen vergangener Kulturen finden wir wahre Schätze an Erkenntnis. Die moderne Forschung schaut auf die einzelnen Inhaltsstoffe der Pflanzen und erfährt oft aufs Neue, was die „Alten“ schon wussten. Aber woher kommt unser Wissen?

    Genießbar oder nicht?
    In der Urzeit, als wir Menschen noch als Jäger und Sammler durch die Wälder streiften, wuchs schnell die Erkenntnis, dass manche Kräuter wohlschmeckend sind, andere extrem bitter, süß, salzig, scharf, sauer und sie sehr unterschiedlich bekömmlich sind. Die erste Unterscheidung, die der Mensch – und mit ihm auch instinktiv die ganze Tierwelt – traf, ist die in genießbar und ungenießbar.
    Dabei gab es einige Hürden zu überwinden: Manche Pflanzen sind hoch giftig, andere können nur von bestimmten Tiergattungen mit einer angepassten Verdauung vertragen werden, wieder andere sind nur zu einer bestimmten Jahreszeit genießbar. Und wie soll man schließlich das Wissen um tausende Pflanzen bewahren und weitergeben, damals noch ohne Schrift und Schulsystem?
    Heute wissen wir, daß ein Teil unserer Erfahrungen vererbt wird und wir so auf einen großen „archaischen“ Wissensschatz zurückgreifen können, sofern wir ihn nicht durch moderne Logik übertönen.

    Hexen und Medizinmänner
    Schon bald zeigte sich, dass einzelne Menschen in der Naturbeobachtung und der Erkenntnis über Pflanzen besonders begabt waren. Sie lernten, jene Kräuter zu benutzen, die auf den ersten Blick ungenießbar waren. Heilpflanzen sind nicht scharf von Giftpflanzen zu trennen. Gerade diese können in der richtigen Dosierung und Mischung eine Krankheit heilen – oder, in der damaligen Vorstellung, die bösen Kräfte besänftigen. Diese weisen Männer und Frauen wußten Bescheid über Leben und Tod und sie waren bereit mit Hilfe bestimmter (leicht) giftiger Substanzen den Grenzbereich dazwischen – den Rausch – zu erforschen und so das Wissen über die Heilkräuter immer weiter zu vertiefen.
    Dieses mächtige Wissen wurde zumeist nur in einem ganz engen Kreis bzw. einer Tradition von Meistern weitergegeben, und sehr vieles davon ist heute leider verloren gegangen. Die ältesten Aufzeichnungen finden wir in ägyptisch/mesopotamischen Schriften, z.B. dem Papyrus Ebers, das ca. 1500 v. Chr. verfasst wurde.

    Philosophie der Lebensenergie
    In der Zeit der alten Griechen und Chinesen wurde ca. 1000-500 v. Chr. die Vorstellung der Lebens-energie, der Pneuma oder des Qi formuliert und niedergeschrieben. Aus der Naturbeobachtung wurden Gesetzmäßigkeiten abgeleitet und die Frage nach Leben und Tod erneut gestellt. In Arabien begann mit dem mythenhaften Hermes Trismegestus die alchemistische Suche nach der Beherrschung der Lebensenergie – die später zur Suche nach dem Stein der Weisen wurde.
    Seither versucht der Mensch, seine Gesundheit durch den Konsum von Pflanzen, Tieren, Mineralien zu stärken, indem er seinem Körper ihre Lebensenergie zuführt.

    Der griechische Philosoph Hippokrates von Kós formulierte ca. 400 v. Chr. das Konzept, daß die Lebenskraft, die jedem Körper innewohnt, ihn mit einer Fähigkeit zur Selbstheilung ausstattet – „vis medicatrix nautrae“. Dies ist die Grundlage der Hippokratischen Schule (auf die auch unser Ärzteeid zurückgeht) und daraus folgte die Handlungsmaxime, daß der Arzt die Selbstheilungskräfte des Patienten unterstützen und so wenige Behandlungen wie mögliche durchführen soll. Starke Medikamente oder chirurgische Eingriffe sollten nach Möglichkeit vermieden werden.

    Gesundheit wurde fortan als ein dynamisches Gleichgewicht angesehen, zwischen Arbeit und Ruhe, vitaler Hitze und Kälte und den verschiedenen Elementen des Körpers. (Feuer, Luft, Wasser, Erde bei den Griechen nach Empedokles, bzw. Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser bei den Chinesen)
    Den Pflanzen – wie der ganzen Natur – wohnte nach der damaligen Vorstellung die gleiche Lebensenergie wie den Lebewesen inne, und sie konnten die Lebensenergie des Menschen stützten oder wieder aufrichten. Hippokrates wird die Aussage zugeschrieben: „Unsere Nahrungsmittel sollten Heil-, unsere Heilmittel Nahrungsmittel sein“.
    Im ersten Chinesischen Arzneibuch (ca. 200 v. Chr.) finden wir 365 Kräuter, die in drei gleich große Gruppen unterteilt wurden: 1. ungiftige Kräuter, die regelmäßig – aber in Maßen – zur Nahrung gegessen werden sollen, um die Lebensenergie zu stärken (z.B. Süßholz), 2. leicht giftige Kräuter, die das Gleichgewicht des Körpers verändern und nur im Krankheitsfall benutzt werden sollen (z.B. Pfingstrose), 3. giftige Kräuter, die stark auf die Körperfunktionen wirken und nur bei ernsten Krankheiten benutzt werden sollen (z.B. Pfirsichkerne).

    Signatur
    Das Wissen über die Heilwirkungen einzelner Pflanzen basierte niemals auf rein empirischen Versuchen. Das heißt so viel wie – es gibt eine Erkenntnisebene, die jenseits der durch Ausprobieren erfahrbaren Wirkung liegt. Das ist vor allem heute wichtig, wo die Wirkung von Pflanzen auf die Reaktion von Molekülen und Zellen im Reagenzglas reduziert wird.

    Allgemein beschreibt die Signaturenlehre, dass Zeichen in der Natur auf Ähnlichkeiten und innere Zusammenhänge hinweisen. Die sogenannte Signatur einer Pflanze liefert uns wesentlich Aussagen über ihr Wesen und ihre Wirkung auf den Organismus.
    So weist z.B. die Form der Walnussfrucht auf ihren Bezug zum Gehirn hin. Oder der kreisförmige, rote Blütenring der Karde auf Ihre Verwendung bei Borreliose hin, die sich mit einem Hautausschlag zeigt, der dieser Blüte sehr ähnlich ist.
    Die Signatur einer Pflanze wird bestimmt durch Farbe, Wuchs, Standort usw. und gibt uns oft einen klaren Fingerzweig auf die therapeutische Anwendbarkeit auf Körperteile und Erkrankungen.

    Die Signaturenlehre hatte schon immer ihre Kritiker, der berühmte Botaniker John Ray kam schon 1660 zum Schluss, dass man in der Natur so viele Ähnlichkeiten zu allem Möglichen sehen könne, dass sie keine nutzbringende Aussagekraft habe. Die moderne Wissenschaft lehnt sie vollständig ab.
    Interessanterweise finden wir in der Chinesischen Medizin einen ziemlich pragmatischen Umgang mit den Signaturen. Hier werden neben der Form und der Blütezeit vor allem die Geschmacksrichtungen der Pflanze als Hinweis auf ihre Wirkung betrachtet. Zeigte sich jedoch über einige Jahrhunderte der Anwendung, dass die Wirkung doch eine andere ist, so wurde einfach definiert, daß diese Pflanze eben einen anderen Geschmack haben müsse. Und so finden wir manches Kraut mit einer (konstruierten) süßen Signatur, das einen reichlich bitteren Geschmack auf der Zunge hinterlässt.
    Mystische Erkenntnisse
    Bevor die großen Empiriker wie Hippokrates – also die Forscher, die durch Ausprobieren die Wirkungen der Pflanzen erfassten – die Oberhand gewannen, wurden viele Erkenntnisse durch göttliche Eingebung erlangt. In der griechischen Mythologie können wir zum Beispiel nachlesen, wie Achill von den Göttern die Eingebung erhielt, seine verletzte Sehne mit dem Saft der Schafgarbe einzureiben – daher erhielt die Schafgarbe auch ihren lateinischen Namen: Achillea.
    Im Mittelalter kam es wieder zu einer Renaissance des mythischen Erkenntnisweges. So gelten z.B. für Hildegard von Bingen neben ihrem reichen praktischen Erfahrungsschatz ihre göttlichen Eingebungen als Hauptinspiration. Ihr wird die Aussage zugeschrieben: „In der ganzen Schöpfung (Bäume, Pflanzen, Tiere, Edelsteine) sind geheime Heilkräfte verborgen, die kein Mensch wissen kann, wenn sie ihm nicht von Gott offenbart wurden.“

    Kategorisierung
    Ob der reinen Menge an Heilpflanzen wurde ihre Kategorisierung oberstes Gebot. Während der heilkundige Laie mit einer handvoll Hausmittelchen allen Krankheiten zu Leibe rückte, kannten die Gelehrten abertausende von Kräutern. Galen von Pergamon wählte neun Temperaturstufen, Feuchtigkeit und Wirkung, um seine vielbändige Materia Medica zu gliedern. Der Chinese Lǐ Shízhēn kategorisierte im 16. Jahrhundert über 1800 verschiedene Kräuter sowie tierische und mineralische Heilsubstanzen nach ihrer Herkunft und den Geschmäckern, ihrer Giftigkeit sowie vier Temperaturstufen. Hildegard von Bingen beschränkte sich auch auf vier Temperaturstufen, also die vierfache Unterscheidung, ob der Genuss einer Pflanze den Körper erhitzt oder abkühlt. Dazu kamen die Anwendungsgebiete als wichtige Merkmale.
    Schließlich kamen die Naturforscher und Biologen, wie z.B. Carl von Linné im 18. Jh. dazu, die es sich zur Aufgabe machten, all bekannten Mineralien, Tiere und Pflanzen gemäß ihrer Abstammung zu kategorisieren. Ihnen ist zu verdanken, dass wir nun alle einheitliche, lateinische Bezeichnungen verwenden und die babylonische Namensvielfalt der Heilkräuter und die Verwechslungsgefahr deutlich verringert wurde.

    Erkenntnistheorie – oder wo stehen wir heute?
    Der Mensch ist im Laufe seiner Entwicklung durch verschiedene Bewusstseinsstufen gegangen: archaisch, magisch, mythologisch, mystisch, intellektuell, wissenschaftlich. Jede Stufe hatte ihren eigenen Zugang zu den Heilkräutern und in jeder Stufe wurden wichtige Erfahrungen gesammelt, die zu unserem heutigen Heilwissen gehören.
    Unsere moderne Wissenschaftstgläubigkeit verführt uns dazu, die alten Erkenntnisse – seien sie instinktiv gewonnen, in mythologischen Signaturen gesehen oder in mystischen Eingebungen erfahren – als nichtig abzutun.
    Aber auch der moderne Mensch ist ein komplexes Wesen und vereint alle Bewusstseinsstufen in sich. Auch wir handeln heute noch instinktiv und sehnen uns nach mystischer Erkenntnis, und so reagiert – oder besser kommuniziert – unser Körper ebenso mit allen Aspekten, die den Heilpflanzen innewohnen.
    Dies wird auch beim Einsatz von homöpathisch verdünnten Substanzen deutlich, bei denen nur noch die Information der Heilpfanze und nicht mehr ihr Stoff die Wirkung auf den Körper auslöst.

    Für die Praxis scheint mir ein pragmatischer Ansatz, der alle Erkenntniswege einbezieht, am besten geeignet. Ich möchte Ihnen dies gerne am Beispiel des Ginsengs zeigen:
    Die moderne Medizin beruft sich bei seiner Anwendung auf die Ginsenoside, die aktiven Inhaltsstoffe, der praktische Therapeut weiß um seine stärkende Wirkung auf die Lunge, das Blut und die gesamte Lebensenergie. Doch er weiß auch um die Gefahr der Überdosierung, die Hitze und Schlafstörungen und Hautausschlag hervorrufen können (weshalb er nicht über längere Zeit eingenommen werden sollte). Im Chinesischen heißt er rén shēn, die Menschen-Wurzel, ein Hinweis auf seine Signatur: die Wurzeln mit der höchsten Heilkraft sehen aus wie ein Mensch mit Armen und Beinen. Der Legende nach ist der Gott des Berges Jinaksan in Korea einem jungen Mann im Traum erschienen, um ihm den Weg zu einer Ginsengpflanze zu zeigen, damit er damit seine kranke Mutter heilen könne. Alle diese Erkenntnisse fließen zusammen und machen die ganzheitliche Heilwirkung einer Pflanze aus.

    Eigene Erfahrungen
    Das Heilkräuterwissen ist tief verwurzelt in unseren Überlieferungen, und jeder kennt das eine oder andere Hausmittelchen. Das ist eine großartige Ausgangslage um eigene Erfahrungen zu machen. Probieren Sie doch mal bei der nächsten Erkältung, wie ihnen gleich zu Beginn eine Zwiebelsuppe oder ein Lindenblütentee hilft. Oder erproben Sie die Magen stärkende Wirkung von Ingwer, die sanfte Wärme des Fenchels. Wirkliches Wissen erlangen wir nur über die Anwendung und den Umgang mit den Heilpflanzen. Und wir lernen dabei auch, auf die kleinen Zeichen unseres Körpers zu achten.
    An dieser Stelle darf natürlich ein warnendes Wort nicht fehlen: Nehmen Sie auch scheinbar harmlose Pflanzen, wie z.B. Kamille nicht über Wochen oder gar Monate regelmäßig ein. Sie wirken zwar sanft, aber nachhaltig und können auf Dauer reichlich Nebenwirkungen auslösen. Und bei ernsteren Krankheiten, und solchen, die länger als ein paar Tage bestehen, sollten Sie natürlich immer den Arzt oder Heilpraktiker Ihres Vertrauens konsultieren.

    In meiner Praxis werde ich oft gefragt warum ich fast nur chinesische Kräuter benutze und kaum westliche. Das hat mit der von mir praktizierten Diagnose und Therapie zu tun. Die chinesische Zungen- und Pulsdiagnose erlaubt mir, einen Blick auf die verschiedenen Energieströme und Reservoirs des Körpers zu werfen. Und die chinesischen Kräuter wurden über Jahrtausende speziell in Bezug auf diese Energien und diese Diagnostik beschrieben. Darum ist der Therapieerfolg (derzeit noch) am sichersten, wenn zu den traditionellen Diagnosemethoden auch die traditionellen Heilpflanzen angewandt werden. Viele Therapeuten bemühen sich sehr darum, unsere westlichen Heilpflanzen entsprechend der chinesischen Prinzipien zu beschreiben und zu kategorisieren, doch das erst seit etwa 50 Jahren. Bis diese Arbeit auf einer soliden Erfahrungsbasis ruht, werden wohl noch ein paar Jahrhunderte ins Land gehen. So lange kann ich für meine Praxis der Aussage von Paracelsus „Wo das Übel, da ist das Heilmittel“ leider noch nicht folgen.

    Für unsere Hausmittelchen kann sie aber sehr wohl gelten.

    Ich wünsche Ihnen viele positive Erfahrungen mit Heilkräutern
    und bleiben Sie weiterhin gesund,
    Ihr Torsten Ziegler, Heilpraktiker

    Ausgebildet in Chinesischer Medizin (TCM), Akupunktur und Chinesischer Kräuterheilkunde.

    Weitere Informationen zur Chinesischen Medizin im Internet unter www.chin-med.de
    – zwischenzeitlich nicht mehr im Aquariana
    April 2011

    Zum Weiterlesen
    Essverhalten und Essauswahl; Journal für Ernährungsmedizin Juni 2010; http://www.kup.at/kup/pdf/9048.pdf
    Zitate von Hippokrates: http://www.mentel-zetel.de/Zitate/Zitate_Hippokrates.htm
    Signaturenlehre von Paracelsus: http://www.gugk.de/index.php?option=com_content&view=article&id=42%3Aheilpflpara&catid=24%3Ahealplants&Itemid=29&lang=de
    Bücher von Wolf-Dieter Storl: http://www.storl.de

    zum Seitenanfang



    Ein Reh im Bahnhof Friedrichstraße oder wie Sie Stress bewältigen können

    Sigrid Werner

    Stellen Sie sich vor, ein Reh zu sein und auf einer Waldlichtung zu grasen. Es ist ganz still. Nur die vertrauten Geräusche der Vögel, Eichhörnchen und Mäuse, des Windes in den Blättern und das Grasen der anderen Rehe dringen in Ihre aufmerksamen Ohren. Plötzlich: Ein lautes Knacken!

    Wie der Blitz sind Sie davongerannt.

    Ihre Rettung vor der Äste knackenden Gefahr haben Sie einem Überlebens-Mechanismus des Rehkörpers zu verdanken. Reflexartig – ohne die geringste Verzögerung – hat dieser Ihr Hormonsystem für die Flucht mobilisiert, das über das sympathische Nervensystem Ihren Herzschlag und die Atmung beschleunigt, Ihren Blutdruck erhöht und ihre Muskeln in schnellstmögliche, kraftvolle Bewegung gebracht hat.

    Auch der steinzeitliche Jäger, der dem Reh auf der Spur ist, besitzt diesen hochempfindlichen Mechanismus, der in jeder bedrohlichen oder verlockenden Situation reflexartig in Gang gesetzt wird. Das nächste Reh verfolgt er mit zielgerichteter Schnelligkeit und trifft es mit seinem Pfeil.

    Alle Stammesmitglieder kommen herbei und feiern die seltene Gelegenheit, sich satt zu essen. Nach dem Festessen liegen sie satt um das Feuer herum und schlafen ein. Nun ist Gelegenheit für Verdauung und Regeneration. Das parasympathische Nervensystem übernimmt die Führung. Sollte allerdings ein Säbelzahntiger herbeischleichen, würde sofort wieder der Fluchtreflex aktiviert und die Verdauung auf später verschoben.

    Der beschriebene reflexartige Mechanismus ist das, was wir als Stress bezeichnen. Eine lebensrettende "Sofortmaßnahme" des Körpers, ohne die die Menschen wahrscheinlich nicht mehr existieren würden. Wo liegt eigentlich das Problem?

    Kleiner Zeitsprung:
    Berlin U-Bahnhof Friedrichstraße 19. November 2010, 8:55 Uhr
    Sie werden in einem dicht gedrängten Menschenknäuel aus der U-Bahn gedrückt. Angerempelt von den Ihnen entgegen hastenden Leuten versuchen Sie die Treppe zu erreichen. Die Bewegungen der Werbefilme auf den hell erleuchteten Bildschirmen an den Wänden ziehen unmittelbar Ihren Blick an und hindern Sie daran, noch ein bisschen vor sich hin zu dösen. Auf der Treppe hämmern laute Klänge eines Xylophons Ihnen eine Rummelplatzmusik in die Ohren. Als Sie den Bahnsteig erreichen, rauscht Ihre S-Bahn ohne Sie los. Schrill quietschend hält ein Regionalzug weiter hinten in der Bahnhofshalle. Ihre nächste S-Bahn fährt ein, eine Unmenge von Fahrgästen quillt heraus und Sie betreten den immer noch sehr vollen und stickigen Zug.

    Als Reh oder Steinzeitmensch hätten Sie den Bahnhof Berlin-Friedrichstraße in Panik so schnell wie möglich verlassen und das nächste Versteck genutzt, um sich wieder auszuruhen. Dabei hätte Ihr Körper die Stresshormone aus dem Blut durch die Muskeltätigkeit des schnellen Laufens abgebaut, und die Zellen hätten den erhöhten Blutzucker verbrannt. Im Versteck hätte Ihr Körper sich auf Regeneration umgestellt.

    Ihr Körper gleicht dem des Steinzeitmenschen zu 99,5 Prozent. Er reagiert auf die Geräusche, Bewegungen und das Gedränge fremder Menschen ganz ähnlich. Das merken Sie kaum, weil Sie sich daran gewöhnt haben. Trotzdem ist das sympathische Nervensystem im Alarmzustand. Herzschlag, Atmung, Blutdruck und Blutzucker sind erhöht, Verdauung, Nierentätigkeit und Immunsystem arbeiten verlangsamt, die Muskeln können sich nicht entspannen, das Gehirn arbeitet eingeschränkt.

    Da Sie nicht in Panik weglaufen, kann Ihr Körper die Stresshormone und den erhöhten Blutzucker nicht abbauen. Auf die Dauer verursacht dieser Alltagsstress Ablagerungen in den Blutgefäßen, die zu Bluthochdruck, Schlaganfall, Herzinfarkt und vielen anderen Krankheiten führen können.

    Sie können ihn kompensieren durch Bewegung und Entspannung: Benutzen Sie alle Treppen, und lassen Sie Rolltreppen und Fahrstühle links liegen. Nutzen Sie Wartesituationen zu einer kleinen Meditation mit geschlossenen Augen und Konzentration auf den Atem. Spüren Sie beim Einatmen in Ihren Körper hinein: Wo fühlen Sie Anspannung? Versuchen Sie beim Ausatmen die Anspannung zu lösen.

    Alltags-Stressbewältigung mit Shiatsu

    Wenn Sie Ihren Körper mehr wahrnehmen und tiefer entspannen wollen, als es Ihnen bisher möglich ist, empfehle ich Ihnen eine Shiatsu-Behandlung:

    Sie legen sich auf eine Matte. Sie spüren Ihren Körper auf dem Boden liegen und überlassen sich der Schwerkraft. Sie spüren Berührung, angenehmen Druck, ein rhythmisches Einsinken in Ihren Körper und können dabei immer mehr Anspannung loslassen. Ihre Beine und Arme werden bewegt, schwerelos - wie im Mutterleib. Ihr Körper wird zu einer Landschaft, die Sie neu entdecken.

    Durch Shiatsu verbinden Sie sich mit Ihrem Körper und Ihren Gefühlen. Wenn Sie regelmäßig Shiatsu-Behandlungen nehmen, werden Sie aufmerksamer für die Signale Ihres Körpers im Alltagsstress. Sie freunden sich mit Ihrem Körper an und bekommen Lust, besser für ihn zu sorgen.

    Stressbewältigung in Problemsituationen mit Energetischer Psychotherapie

    Zusätzlich zum Alltagsstress sind Sie in Ihrem Leben immer wieder mit belastenden Situationen konfrontiert. Zum Beispiel kann ein anstehendes Personalgespräch mit dem Chef Ihnen Sorgen machen, Konflikte in Partnerschaft oder Familie, Angst vor einer Prüfung und vieles mehr.

    In solchen Situationen kann Ihnen die Energetische Psychotherapie schnell und effektiv helfen, weil sie im Energiesystem des Körpers ansetzt, wo Gedanken, Gefühle und Körperreaktionen in bestimmten Mustern gespeichert sind. Über Akupressurpunkte sind diese individuellen und situationsbezogenen Muster zugänglich.

    Für jedes Problem, das Sie belastet, gibt es ein bestimmtes Muster, das ich über ein energetisches Diagnoseverfahren herausfinden kann, wenn Sie an das Problem denken.

    Wenn Sie Ihre Angst vor dem Personalgespräch bearbeiten wollen, bitte ich Sie, einen Aspekt dieser Angst genau zu fokussieren. Zum Beispiel könnte es sein, dass Sie befürchten, nicht Nein sagen zu können, wenn der Chef Ihnen eine zusätzliche Aufgabe übertragen will.

    Während Sie an diese Befürchtung denken, stelle ich mit Hilfe des kinesiologischen Muskeltests die Behandlungspunkte zusammen. Dann klopfen Sie diese Punkte sanft mit den Fingerspitzen und fokussieren gleichzeitig diese Problemsituation. Anschließend schätzen Sie mit Hilfe einer Bewertungs-Skala die Belastung durch das Problem ein. So erfahren Sie sofort, ob das Klopfen dieser Punkte den Stress abgesenkt hat. Verschiedene weitere Behandlungselemente zur Auflösung von Blockaden, behindernden Glaubenssätzen und zur Verankerung der Entspannung setze ich im Verlauf der Behandlung ein. Das Ziel ist, die Belastung auf Null zu senken. Zum Abschluss visualisieren Sie Ihr Wunsch-Verhalten in der Problemsituation und klopfen dabei einen unterstützenden Punkt.

    Eine Sitzung dauert 60 bis 90 Minuten und reicht manchmal schon aus, um ein Problem nachhaltig zu lösen. Sollte der Stress wieder auftreten, können Sie die dafür gefundenen Behandlungspunkte klopfen und sich selber helfen.

    Für Probleme mit mehreren Aspekten ist eine Behandlungsserie geeignet. Wenn Sie Süchte überwinden oder Beziehungsprobleme lösen wollen, empfehle ich Ihnen eine längere Begleitung mit Energetischer Psychotherapie.

    Sigrid Werner, Heilpraktikerin
    Tel: 030 - 613 06 516, eMail: sigrid.werner@aquariana.de
    Shiatsu, Energetische Psychotherapie

     

    zum Seitenanfang



    Stressbewältigung durch Achtsamkeit – MBSR
    (mindfulness-based stress reduction)
    Ein Interview mit Evelyn Rodtmann

    Stress und Achtsamkeit: widerspricht sich das nicht? Wie soll ich noch achtsam sein, wenn ich sowieso schon völlig gestresst bin?!
    Evelyn Rodtmann: Achtsam sein ist nicht eine weitere Belastung, die wir auch noch bewältigen müssen. Achtsam sein bedeutet innehalten, meine Stressreaktionen wahrnehmen, nicht einfach im Autopilot weitermachen. Das braucht etwas Übung, Achtsamkeitsübung.
    Auch gibt es nicht den einen Stress, sondern Stress drückt sich individuell aus und ist situativ bedingt. Erst, wenn wir dem Aufmerksamkeit geben, können wir überhaupt erkennen, wie wir auf Stress reagieren. Es gibt externe Stressauslöser wie Zeitdruck, Lärm und Aufgabenüberforderung, und es gibt innere Stressauslöser, z.B. alte Glaubenssätze, Ansprüche an uns selbst etc.
    Durch achtsames Mit-uns-Sein können wir den Prozess erkennen: den Auslöser, die Reaktion in mir und das Resultat, also eine bestimmte Handlungsweise oder eine Gemütslage. Es ist sehr wichtig, diesen Ablauf mit seinen verschiedenen Abschnitten zu erkennen, ansonsten entstehen Vermischungen und Automatisierungen.

    Ist es nicht auch wichtig, die Stessauslöser auszuschalten?
    Das wäre natürlich ideal, aber oftmals muss ich ihnen erst einmal auf die Spur kommen, gerade den inneren Auslösern. Andere sind unveränderbar: Termine müssen eingehalten werden, Arbeitsanforderungen sind gegeben, Krisensituationen entstehen immer wieder. Verändern kann ich aber meinen Umgang mit Stress! Hilfreich ist das "Auseinanderziehen", wie gerade geschildert, die einzelnen Schritte sehen – dann erst kann ich aus dem Automatismus aussteigen und nicht einfach entsprechend meines gewohnheitsmäßigen Musters reagieren. Manche Menschen werden beispielsweise unter Druck aggressiv; das muss man erst einmal merken!

    Da gibt es sicher oft Aha-Erlebnisse.
    Auf jeden Fall. Obwohl sie nicht immer nur angenehm sind: Wenn wir innehalten, also in einer gewissen Ruhe sind, spüren wir unsere Unruhe erst mal viel deutlicher: Die Präsenz und Dominanz unserer Gedanken, die manchmal wie ein wilder Hühnerhaufen sind, oder sich ständig wiederholen.
    Ein wirklich großes Aha-Erlebnis ist oft, festzustellen, dass Gedanken nur Gedanken sind und einfach wieder verschwinden, wenn ich ihnen nicht folge und in ihre Geschichte einsteige. Ich kann darüber nachdenken, wie sehr mich X wieder geärgert hat und was ich ihm gerne gesagt hätte, aber wieder nicht getan habe … - ich kann es aber auch lassen, darüber nachzudenken. Das ist ein Stück Freiheit.

    Was ist das besondere an der "Achtsamkeit"?
    Wir nehmen wahr – und verändern nichts. Gedanken, Empfindungen, Geräusche kommen und gehen. Dabei wird deutlich, dass nichts bleibt, wie es ist. Das schafft Distanz: Wir beobachten und stürzen uns nicht gleich wieder in Handlungen.

    MBSR hat ja buddhistische Wurzeln ...
    Ja, daher kommt die Methode. Jon Kabat-Zinn kommt aus einer buddhistischen Tradition, die genau diese Geisteshaltung pflegt. Die Buddhisten haben wichtige Erkenntnisse gewonnen, die seit den 70ern verstärkt auch im Westen Platz gefunden haben.
    Ihm war es aber wichtig, dass MBSR eine religionsfreies Programm ist und somit offen für alle Menschen ist.

    Wie läuft denn ein MBSR-Kurs praktisch ab?
    Der Kurs läuft über acht Wochen mit acht Abenden und einem ganzen Tag. Der Kurs hat eine feste Form, die sich bewährt hat. Wir beginnen mit einem so genannten Body Scan, das ist ein achtsames Wahrnehmen des Körpers, eine Reise in verschiedene Körperteile.
    Dann kommt achtsame Bewegung dazu, angelehnt an Yoga. Da geht es darum, sich zu spüren, auch die eigenen Grenzen. Und später kommt die Sitzmeditation dazu. Es gibt natürlich auch genug Raum, über unsere Erfahrungen - dies ist schließlich ein erfahrungs-und praxisorientiertes Programm - zu sprechen, über Themen wie Stress, achtsame Kommunikation, Umgang mit schwierigen Gefühlen wie Wut, Angst etc.

    Hausaufgaben gibt es auch?
    Ja, man sollte täglich 30 bis 45 Minuten dafür aufwenden. Das lohnt sich! Denn es ist immer eine Auseinandersetzung mit sich selbst, man zieht sich aus dem Alltag heraus und übt innezuhalten. Der MBSR-Kurs bietet da verschiedene Übungen an und es gibt Übungs-CDs sowie schriftliches Material für zuhause.

    Wozu brauche ich dann die Gruppe?
    Sich zu treffen und sich acht Abende lang Zeit zu nehmen entwickelt eine ganz andere Intensität, als zuhause allein zu üben. Gerade auch die Erfahrungen der anderen Teilnehmer unterstützen jeden in seiner Auseinandersetzung damit. Durch die Gespräche in der Gruppe wird die Vielfalt in diesem Thema deutlich, aber auch die Tatsache, dass wir alle mit ähnlichen Widerständen und Hindernissen zu kämpfen haben. Beispiel: ich bin nicht dazu gekommen, regelmäßig zu üben. Wie bin ich damit umgegangen? Wie die anderen? Gerade die "Solls" und "Müsste" werden wahrgenommen. Die Gruppe gibt dem Thema Raum sich zu entfalten.

    Nochmal zurück zum Stress: gibt es nicht auch positiven Stress?
    Ja, natürlich. Stress ist ganz natürlich. Die Stressreaktion unseres Körpers auf eine erhöhte Anforderung ist notwendig, um angemessen darauf reagieren zu können (meine Kollegin Sigrid Werner beschreibt diese natürliche Reaktion sehr schön in ihrem Artikel in diesem Newsletter). Und positiver Stress bedeutet nichts anderes, als dass wir z.B. Zeitdruck als belebend empfinden und effektiver werden.
    In der Stressforschung wird gar nicht mehr so viel zwischen positiven und negativen Stress unterschieden, sondern zwischen chronischem und akutem Stress. Auch positiver Stress schadet uns, wenn er chronisch wird und Körper und Geist keine Ruhephase mehr erleben. Ein permanent hoher Stresslevel entwickelt sich oft zu einer Sucht nach Erfolg. Das gibt uns eine Menge und deshalb jagen wir dem nach. Das sind dann zum Beispiel die Themen, die wir uns in dem Kurs bewusst machen.

    Ich verstehe langsam, warum MBSR kein Entspannungskurs ist.
    Nein, das ist es wirklich nicht. Aber Entspannung ist ein Nebeneffekt. Es geht auch nicht darum Stress zu vermeiden, sondern einen Umgang mit Stress zu finden, also einen Umgang mit Dingen, die wir mögen und mit Dingen, die wir nicht mögen. Übrigens arbeiten sich dadurch in unserem Leben deutlich mehr Höhen und Tiefen heraus, das Leben wird sozusagen lebendiger.

    Noch etwas interessiert mich in deinem Flyer: Da heißt es, dass innere Ruhe Teil der menschlichen Grundausstattung ist.
    Ja, davon bin ich überzeugt. An kleinen Kindern sehen wir das oft noch, aber es geht verloren durch viele Reize, Lärm usw. Ruhe ist wichtig, denn nur mit Ruhe kann ich mich selbst im Verhältnis zur Umgebung wahrnehmen und angemessen reagieren. Sonst fahre ich mit "Autopilot" und wiederhole immer nur die eingefahrenen Muster.

    Gibt es eigentlich Kontraindikationen für die Teilnahme an dem Kurs?
    Der Kurs ist nicht geeignet für Menschen, die gerade akut mit Depression oder anderen psychischen Störungen, Süchten oder akuten schweren körperlichen Problemen zu tun haben. Zur Begleitung chronischer Prozesse oder zur Vorbeugung ist MBSR jedoch sehr gut geeignet. In dem kostenlosen und unverbindlichen Vorgespräch können dies und auch alle weiteren Fragen individuell geklärt werden.

    Evelyn Rodtmann, Heilpraktikerin für Psychotherapie

    Januar 2011

    Nächste Termine: :
    Tel: 030 – 623 32 17
    evelyn.rodtmann@web.de | www.achtsam-und-gelassen.de

    zum Seitenanfang



    Entspannung und Klang
    Ein Interview mit Claudia Kunkel

    Du unterrichtest Autogenes Training und bietest im Aquariana Klangreisen und Klangmassage an. Entspannung geht bei dir über den Körper?
    Ja, aber ... meine Arbeit bezieht alle Ebenen des Menschen mit ein, das lässt sich nicht so trennen. Der Körper spielt jedoch eine zentrale Rolle, denn die Tiefenentspannung bei Autogenem Training und Klangmassagen ist wichtig.

    Wie merken Menschen überhaupt, dass sie Entspannung nötig haben?
    Oft erst bei massiven Symptomen: die Belastbarkeit sinkt deutlich, sie sind häufig krank geschrieben, können nicht mehr abschalten, fühlen sich getrieben, leiden unter Muskelverspannungen, haben Schlafstörungen und manchmal sogar schon Ängste.

    Was passiert nun in einer Entspannungssitzung?
    Zunächst führen wir ein kleines Gespräch; ich muss ja einiges über den Menschen erfahren. Und dann gehen wir gleich zum körperlichen Bereich über: Die Person sucht sich eine entspannte Lage, im Sitzen oder im Liegen. Dazu stelle ich einige Fragen: Liegen die Schultern wirklich auf? Ist die Lage tatsächlich bequem? Vielleicht lässt sich einiges noch angenehmer machen: eine Rolle unter die Knie, die Beine hoch legen. Dazwischen einige tiefe Atemzüge nehmen, spüren und genauer spüren, wie sie da ist.
    Für manche ist das schon unmittelbar wohltuend. Andere führt die Bereitschaft, sich selbst genauer zu spüren, dazu, dass der ganze Stress oder auch Verzweiflung noch deutlicher zu Bewusstsein kommen.

    Da wäre es doch gut, auch andere Methoden einzusetzen – Zeitmanagement, Psychotherapie etc.
    Ja, da schau ich natürlich genau hin. Wenn es angebracht ist, dann rate ich zu einer Psychotherapie - dazu gibt es ja auch ein begleitendes Gespräch. Zeitmanagement beziehe ich auf individuellen Wunsch gern mit ein. Interessant ist jedoch, dass viele gerade einen Ansatz über den Körper suchen, z.B. Gartenarbeit machen, Yoga oder Sport. Wenn der Körper sich erholt, wenn Anspannungen wahrgenommen werden und bewusst losgelassen wird, dann wird auch der Kopf frei. Für kreativ arbeitende Menschen ist die tiefe Entspannung so fundamental wichtig, weil dann erst ein neuer Raum für die Schaffenskraft entsteht.

    Wie lange dauert es denn, bis sich Entspannung nachhaltig einstellt?
    Nun ja, es gibt natürlich einige der ganz Gestressten, die keine Zeit haben, sich Zeit zu nehmen! Wenn es dann aber schon zum Burn-Out-Syndrom gekommen ist, dauert es wirklich sehr lange, um sich wieder zu erholen. Besser ist es, vorher etwas für sich und eine gesunde Balance zwischen Spannung und Entspannung zu tun. Tatsächlich ist das ein Prozess. Autogenes Trainig ist ein Lernvorgang, findet ca. sechs- bis zehnmal in der Gruppe statt, und dann kann man es für sich zu Hause praktizieren. Wer es "schnell" haben will, sollte Einzelsitzungen im Autogenen Training nehmen. In jedem Fall ist es wichtig, zu Hause regelmäßig zu üben.

    Was ist an Einzelsitzungen besser?
    Es ist besonders effektiv, auf die persönliche Situation der Person einzugehen. In der Tiefenentspannung des Autogenes Trainings wird ein so genannter Alpha-Zustand des Gehirns erreicht. Die typischen formelhaften Sätze des Autogenen Trainings ("mein Arm wird schwer und warm", "ich atme tief und gleichmäßig") ergänzen wir durch Sätze zur eigenen Situation, z.B. "Ich gehe sicher und gestärkt in die Prüfung"; das ist enorm unterstützend.

    Du integrierst auch Klangschalen in das Autogene Training?
    Manchen fällt es schwer, in die Tiefenentspannung hinein zu kommen, sie können nicht "abschalten". Musik kann helfen, besonders schön aber sind die Klänge der Klangschalen. Und je tiefer ich entspannen kann, umso leichter und umfassender nimmt der Organismus Neues auf.
    Darum geht es nämlich: Neues erlernen. Es ist eine konzentrative Entspannung, in der früher Gelerntes durch neues ersetzt wird. Ein Kind hat z.B. zu oft gehört, dass es "nichts kann", und das ist im Körper regelrecht gespeichert. In gelöstem Zustand merkt das Kind, dass es doch anders kann. Das ist besonders berührend.

    Dann geht es vor allem um Selbstwahrnehmung?
    Ja, um eine genauere Selbstwahrnehmung. Ich freue mich, wenn Menschen durch meine Arbeit sich erholen und besser einschlafen können. Besonders schön aber ist es, wenn ein Prozess angeregt wird, den ich über einen längeren Zeitraum begleite. Da wende ich verschiedene "Werkzeuge" an: Klangmassage oder Klangmeditation, Gespräche, die einen hohen therapeutischen Nutzen haben, aber auch meditatives Malen mit Farben.

    Die Arbeit mit Klangschalen ist ja etwas sehr Besonderes. Wie setzt du sie ein?
    Manche Menschen wollen sich in ihrem Körper mehr spüren, fühlen sich verhärtet etc., mögen aber keine direkte körperliche Berührung. Dann setze ich die Klangschalen ein, direkt auf dem Körper oder körpernah, und die Schwingungen werden gespürt. Alte Menschen mögen das, Menschen mit Behinderungen mögen das, es ist sehr angenehm.

    Und sicher auch sehr intensiv?
    Aber ja! In der Arbeit mit Mädchen habe ich oft die Klangschalen eingesetzt. Mädchen mit Essproblemen und unter starkem Leistungsdruck spüren sich oft nicht oder nehmen sich falsch wahr. Wenn ich die Schalen auf den Bauch setze – wo viel festgehalten wird –, werden tiefe Schichten angesprochen, und es kommt viel hoch. Da ist ggfs. die Zusammenarbeit mit dem Arzt oder Psychotherapeuten notwendig.

    Wie kommt diese besondere Wirkung der Klangschalen zustande?
    Es entsteht ein tiefes Gefühl von Vertrauen. In asiatischen Ländern, z.B. Indien und Tibet, ist diese Wirkung seit 5.000 Jahren bekannt. Dort sagt man, der Mensch ist aus Klang entstanden. Die obertonreichen Klänge sprechen unmittelbar das Urvertrauen des Menschen an. Bei Säuglingen, besonders bei Frühgeburten hat das eine faszinierende Wirkung. Und auch Erwachsene: Man horcht unwillkürlich hin und spürt eine innere Ruhe.

    Claudia Kunkel – zwischenzeitlich nicht mehr im Aquariana
    HP für Psychotherapie, Dipl. SozPäd.
    Entspannungspädagogin, Stresscoach
    Burn-Out-Prophylaxe, Klangmassage, Entspannungskurse
    Tel. 693 92 55, www.kraft-ruhe.de – zwischenzeitlich nicht mehr im Aquariana

    zum Seitenanfang

     

    Aquariana-Zentrum, Am Tempelhofer Berg 7D | 10965 Berlin-Kreuzberg | Tel. (030) 69 80 81- 0 | kontakt@aquariana.de