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15 Jahre Aquariana – A Work in Progress

Ein Gespräch mit Kristina Messerschmidt

Wie kam es dazu, das Aquariana zu gründen?
Ich hatte schon lange eine eigene Heilpraxis und wollte nun gerne mit anderen zusammenarbeiten. Ein Jahr lang suchte ich mit einer Kollegin zusammen andere, doch alle, und wirklich alle, sind immer wieder abgesprungen. Während einer Meditationswoche in Stille habe ich all meine Vorstellungen bezüglich der Praxisgemeinschaft einfach losgelassen. In einer Meditation hatt ich das sehr deutlich Empfinden, es alleine zu machen und gleich ein größeres Zentrum zu gründen mit Praxis- und zugleich Seminarbetrieb, statt eine Praxisgemeinschaft zusammenzusuchen. Ich verließ die Meditationswoche mit einem tiefen Gefühl des Vertrauens zu dieser Vision. Auch als Freunde mich für meinen Mut bewunderten, war es doch immer mehr Vertrauen als Mut. Die Idee war nicht von außen gekommen, sondern hatte sich von innen nach außen entwickelt. Interessanterweise lief es von da an rund: Meine Kollegin hatte die Etage hier in der alten Brauerei angeboten bekommen. Ihr war das Projekt schließlich zu groß, für mich jedoch war es genau richtig. Kurze Zeit später hatte ich den Mietvertrag in der Tasche, meine Mutter und Tante gaben mir bedingungslos mein Erbe, meine damalige Lebensgefährtin war ganz an meiner Seite, und die Umbauarbeiten liefen in vollem Gange. Auch war es plötzlich kein Problem mehr, interessierte Kolleginnen für die Anmietung der Räume zu finden.

Du warst also die Chefin des neuen Aquariana-Zentrums und hast die Räume an Therapeutinnen, Heilpraktikerinnen etc. vermietet?
Die Verträge liefen zwar alle auf meinen Namen, doch "Chefin" – niemals! Am Anfang stand die Idee, dass es ein Gruppenprojekt ist, in dem alle gemeinsam entscheiden und in dem wir ein gemeinsames Energiefeld aufbauen. So hatten wir in den ersten Jahren zum Beispiel jeden Montag 2 Stunden Plenumssitzung und zweimal im Jahr ein Wochenende Klausurtagung mit Meditation, Gruppenübungen und viel Reden.

Was wurde auf diesen Sitzungen und Wochenenden denn besprochen?
Alles wurde gemeinsam besprochent: von der inhaltlichen Ausrichtung des Aquarianas und Werbung über die Preisgestaltung für die Raummieten, Einrichtung der Bibliothek bis zur Organisation des Tages der offenen Tür. Wir waren 10-12 Kolleginnen, und alle waren richtig engagiert. Es gab Arbeitsgruppen zu den einzelnen Bereichen und jede Menge Meetings. Auch die Gruppenprozesse spielten eine große Rolle, insbesondere auf den Klausurtagungen. Durch die konkreten Entscheidungsnotwendigkeiten ergaben sich grundsätzliche Fragen. Eine wichtige Frage war zum Beispiel: Wer darf über was entscheiden? Kann jemand Entscheidungsmacht haben ohne entsprechend Verantwortung zu übernehmen? Diese grundsätzlichen Fragen mussten diskutiert werden, denn es gab ständig Wichtiges – und auch Unwichtigeszu entscheiden

Wie seid ihr mit diesen Konflikten umgegangen? Habt ihr die Machtfrage gestellt? Und in welcher Form?
Wir sind eigentlich recht kreativ mit allen Fragen und auch Konflikten umgegangen. Die Frage "Wer hat Macht bzw. Einfluss?" brachte z.B. sehr interessante Ergebnisse: Diejenigen, deren Autorität am meisten anerkannt war bzw. den größten Einfluss hatten, waren gleichzeitig diejenigen, deren Praxis am besten lief und die ein insgesamt entspanntes Verhältnis zu Geld hatten, d. h. am ehesten das Gefühl hatten, immer genügend Geld zu haben.
Eine der zentralen Fragen - Wer darf entscheiden? - wurde immer wieder diskutiert: sollte das abhängig von der angemieteten Raumgröße sein oder der Höhe des Mietanteils oder ...? Mit der Unterstützung einer Supervisorin klärten sich unsere Beziehungen untereinander, und mit einer Organisationsberaterin wurde noch klarer: Wer die letztendliche Verantwortung hat, vor allem in finanzieller Hinsicht, muss auch entscheiden dürfen.

Und das warst du?
Ja, das war ich. Alles lief auf meinen Namen: der Mietvertrag, die Angestellten, Werbemaßnahmen, Telefonverträge, ALLES. Die anderen konnten mit einer dreimonatigen Kündigungsfrist gehen, ich hatte einen unkündbaren Gewerbemietvertrag über fünf Jahre. Ich konnte mir uneffektive Entscheidungen und zu lange Prozesse eigentlich nicht leisten.

Diese Erkenntnis hat doch bestimmt die Strukturen im Aquariana-Gruppenprojekt verändert.
Ja, sehr. Diese erste Phase dauerte ca. vier Jahre. Dann gab es zwei Jahre, in denen sich alles stark umstrukturierte. Viele verließen das Aquariana, und parallel dazu veränderte sich viel in meinem persönlichen Leben, so dass ich meine Heilpraxis immer mehr aufgab und zunehmend die Leitung, Verwaltung und Organisation des Aquarianas übernahm. Rein physisch zeigte es sich daran, dass ich vom einen Ende des Aquarianas, meiner Heilpraxis in Raum 7, ans andere Ende, ins Büro, zog. Die Quadratmeterzahl verringerte sich von dreißig auf knapp neun, dafür wurden die Leitungsaufgaben immer umfangreicher.

Fühlst du dich dort am richtigen Platz?
Absolut! Ich habe festgestellt, dass ich sehr gern [... und gut! - sagt die Interviewerin] organisiere, ich habe viele Begegnungen und gleichzeitig mein Büro für mich. Organisation heißt für mich, Dinge ins Fließen zu bringen.

Lass uns noch mal zurückgehen zu den verschiedenen Phasen. Nachdem sich alles umstrukturiert hat, wie hat sich das Aquariana geändert?
Je mehr ich die Verwaltung übernahm, desto mehr stellte sich bei den anderen KollegInnen Erleichterung ein, weil sie ihre Energie in ihre eigene Praxis stecken konnten.
Damit ist das Aquariana ein Dienstleistungsunternehmen geworden. Das Konzept sieht so aus, dass ich die acht Praxisräume und die beiden Seminarräume vermiete und außerdem die gesamte Infrastruktur: Dazu gehören zwei Teilzeitangestellte, die Nutzung der Ausstattung (Sitzkissen, Stühle, Matten, Zeitschriften, Blumenschmuck, Tee, WC-Papier, Bibliothek, Werbung etc.), die Pflege der Ausstattung und der Räume. D.h. auch neue KollegInnen können kommen und einfach anfangen, es ist alles da.
Was mir Spaß macht: Mit z.B. neu dazukommenden KollegInnen herausfinden, welche Bedürfnisse sie für ihren Praxisaufbau haben und dann die richtigen Möglichkeiten für sie schaffen: der passende Raum, das passende Mietmodell. Für unsere BesucherInnen diesen Raum von Stille, Entspannung, Heilung gut zu pflegen (still ist es seit dem Kindertanz nicht immer ...).
Was übrigens geblieben ist: zweimal im Jahr ein Tag der Offenen Tür, an dem alle zeigen, was sie können. Da ist immer viel los, und das Bad in der Menge finde ich klasse.

Was hat sich inhaltlich verändert?
Zunächst einmal ist der früher dezidiert spirituelle Aspekt jetzt mehr integriert in die verschiedensten Therapien und Workshops. Man spricht offen über Spiritualität, vielleicht eher in Form von Ganzheitlichkeit. Yoga war z.B. früher esoterisch, heute ist es im Mainstream angekommen. Das gleiche gilt für Feldenkrais oder für MBSR. Yoga und MBSR (Stressbewältigung durch Achtsamkeit) werden heute zur gesundheitlichen Prävention von den Krankenkassen bezuschusst. Das war vor 15 Jahren noch undenkbar.
Auffällig ist ebenfalls, dass deutlich mehr Männer hier sind, sowohl als Kollegen als auch als Teilnehmer/Besucher/Klienten.

Wie hatte sich ausgewirkt, dass Du die Leitung nun "hauptberuflich" machst?
Dadurch, dass ich mich ganz auf die Leitung des Aquarianas konzentriere und auch verstärkt an der Bewerbung gearbeitet habe, hat sich der Bekanntheitsgrad weiter vergrößert. Wir haben eine Vielzahl von TherapeutInnen, HeilpraktikerInnen, Kurs- und Seminarleitern hier, die ein großes Spektrum an Behandlungs-, Beratungs- und Weiterbildungsangeboten abdecken. In dieser Vielfalt lag allerdings von Anfang an die Stärke des Aquarianas. Menschen, die etwas für Ihre Gesundheit und Heilung im weiteren Sinne suchen, können hier etwas für sich finden. Wir beraten sie gerne dabei, denn eine Vielzahl an Angeboten kann ja auch sehr verwirrend sein. Die Vielfalt zeigt sich auch an den Menschen, die zu Kursen und Behandlungsangeboten hierhin kommen: Babys (Rückbildungsyoga für Mütter mit Babys, Homöopathie, Osteopathie), Kinder (Kindertanz, Lernberatung), Erwachsene, alte Menschen. Männer und Frauen. Aus der Nachbarschaft und mit weiter Anreise.

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