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Beziehung, Bindung und Berührung

Susanne Kukies

Letztens kam eine Klientin zu mir, die seit sieben Wochen ihr rechtes Bein plötzlich nicht mehr richtig belasten konnte, es war schmerzhaft, verkrampft und behinderte sie so sehr, dass ein normaler Alltag nicht mehr möglich war. Sie ging zu verschiedenen Ärzten und es wurden zahlreiche Untersuchungen gemacht. Am Ende konnte keine Ursache festgestellt und außer Schmerzmitteln keine Hilfe zur Verfügung gestellt werden.
Ich ging, nach einem kurzen Gespräch, mit meinen Händen in Berührung mit dem Bein und die Antwort, die Resonanz vom Körper, vom Gewebe, war unglaublich lebendig. So viel vitale Energie antwortete mir direkt dort und die Klientin sprach auch sofort aus, wie gut ihr das tat und dass sie bisher niemand berührt hatte. Mit meiner Berührung gab ich dem Bein den Impuls sich Raum zu nehmen, sich zu entfalten und zu wachsen. Jede Extremität unseres Körpers wächst embryologisch in unsere Faszien, unser Bindegewebe, hinein und hier waren sie ‚angehalten‘, nicht im Fluss.
Der Heilungsprozess, der schon nach dieser ersten Stunde einsetzte, war enorm und führte im Verlauf zu den Fragen, weshalb sich ihre Beziehung zu diesem Teil des Körpers so abgeschnitten hatte. Welcher Schritt in ihrem Leben war zu tun, welche vitalen Energien fanden nicht genügend Ausdruck oder Platz in ihrem Leben?

Berührung
Berührung hatte den Weg geebnet, um wieder in Beziehung zu treten mit den Anteilen, die ihr im Alltag verloren gegangen waren, bzw. denen sie im Alltag keinen Platz geben konnte. Es ist auch möglich zu sagen, sie war aus der Verbindung zu ihrem Bein getreten.
In der somatischen Körpertherapie lernen wir, sehr spezifisch jedes Gewebe zu berühren und zu bewegen. Es ist ein großer Unterschied, sich z.B. in der Berührung auf die Knochen zu beziehen, auf die Organe, die Flüssigkeiten, die sie umgeben oder auf die Faszien. Jedes Mal geben wir einen anderen Impuls bzw. berühren einen anderen Aspekt des Geschehens im Körper. Genaue und gleichzeitig nicht invasive, sondern öffnenden Berührungsqualität senkt den Cortisol-Spiegel, aktiviert den parasympatischen Anteil des autonomen Nervensystems und Oxytocin wird ausgeschüttet. Genau dadurch wird die Lernfähigkeit des Klienten gefördert.

Bindungsforschung
mmer stärker kommen die unterschiedlichen Forschungen aus den Bereichen der Bindungsforschung, den Neurowissenschaften und dem (körper-) therapeutischen Erfahrungswissen zusammen und werden miteinander verknüpft und verglichen. Ich denke, dieses Wissen bzw. diese Forschung ist natürlich relevant in Bezug auf unsere Beziehungen und Bindungen zu anderen Menschen, kann aber genauso in Bezug auf uns selbst, auf unsere Verbundenheit mit unserem Körper, unseren Gefühlen und unserer seelischen Verfasstheit gesehen werden.
Ich bin keine Wissenschaftlerin, sondern arbeite jetzt seit bald 40 Jahren im Feld der Berührung und Bewegung und forsche in ganz praktischer Weise, inwieweit Berührungsfähigkeit und stärkere Verbundenheit und Präsenz in unserem Körper eine Auswirkung auf die Fähigkeit hat,  Bindung zu einem anderen (fremden) Menschen aufzunehmen und aufrecht zu erhalten. Sicher ist, dass Berührung ein wesentlicher Teil des Bindungssystems ist.

Bindung und Berührung
Das Bindungssystem entwickelt sich innerhalb des ersten Lebensjahres und bleibt während des ganzen Lebens aktiv. Wie stabil bzw. veränderbar dieses Muster ist, wird z.Zt. noch sehr kontrovers diskutiert. Eine sichere Bindung kann als Schutzfaktor angesehen werden, ebenso wie eine unsichere Bindung als Risikofaktor für die Entwicklung psychischer Störungen betrachtet werden kann.
Als Baby bekomme ich über Berührung u.a. eine Vielzahl von Informationen über meine Sicherheit,  mein Wohlbefinden und das Wohlbefinden und die Sicherheit meiner Bezugsperson. Wie ich getragen und gehalten werde, verbindet sich mit meinem Ankommen in dieser Welt. Inwieweit meine Körpersprache aufgenommen, gespiegelt und verstanden und mein damit ausgedrücktes Bedürfnis befriedigt wird, fördert meine Bindung oder macht sie unsicher.
Habe ich angemessenen Halt und weder zu viel noch zu wenig Berührung erhalten, kann ich mein Selbst in diesen, mir gegebenen, Körper hineingeben und den Körper als sichere Heimat entwickeln. Wichtige neurophysiologische Prozesse spielen sich ab, Hormone werden ausgeschüttet, die Bindung und Wohlgefühl stärken und angst- und stressmindernd wirken. Besonders die Rolle von Oxytocin, welches durch Berührung freigesetzt wird, bekommt in der neueren Forschung einen wichtigen Platz, weil es beruhigt und Sicherheit gibt und die Bereitschaft zur Interaktion fördert.
Da Bindungsfähigkeit ein lebendiger Prozess ist, der sich während meines ganzen Lebens vollzieht, ist er an jedem Punkt unseres Lebens veränderbar, auch indem ich meine Beziehung zu mir und meinem Körper stärke und lebendig mache.

Berührung und Bewegungsarbeit in der Körpertherapie
Berührungsarbeit innerhalb eines körpertherapeutischen Prozesses  stärkt das Gefühl der eigenen Präsenz im Hier und Jetzt. Dies kann den Weg ebnen zu unbewussten Erfahrungen von damals und dort, die in unserem Gewebe, in unseren Zellen gespeichert sind. Informationen, zu denen ich sonst keinen Zugang mehr habe und die mich durch den Körper oft mit ihrer tiefen, ungefilterten Wahrheit erreichen.
In meiner Arbeit kann ich mich dann, wie im Beispiel oben beschrieben, auf den Weg machen Verknüpfungen herzustellen. Meine ersten Berührungen brachten mich in Kontakt mit großer Vitalität in dem Bein der Klientin, die sich in einem Bild eines etwa 10 jährigen Mädchens manifestierte, das mit großer Entschiedenheit ‚So nicht!‘ sagte. Da dieses Bild  Anklang fand, setzten wir es  gemeinsam in Bewegung um. Es begann mit Aufstampfen  und entwickelte sich schnell in eine kindlich lustvolle Wutentfaltung. Hier lagen also die Kraft und der Mut verborgen, um die notwendigen Veränderungen in ihrem Leben durchzuführen, die ihr bewusst waren, aber nicht möglich schienen. Diese Kraft war vehement beiseitegeschoben worden, weil die Angst vor Veränderung zu groß war.
Es brauchte einige weitere Stunden, damit sich die widersprüchlichen Gefühle und Wünsche ausdrücken und zeigen konnten, die durch die Zuwendung zum Körper auftauchten. Immer stärker konnte das Bein seine eigentliche Gestalt und seine wahre Größe wieder einnehmen und die Klientin auf beiden Beinen stehen. Jetzt war es möglich die notwendigen Schritte zur Veränderung zu erkunden.
Körperkontakt und Berührung fördern Selbstsicherheit und die Fähigkeit sich einzulassen,  stärken das Vertrauen in Beziehungen und lassen unsere Kontakt- und Empfindungsfähigkeit wachsen. Somatische Körper- und Bewegungstherapie verbindet Körperarbeit und Psychotherapie mit geschulter, exakter Berührung, gezielten Bewegungsanleitungen und sprachlicher Begleitung. Der lebendige und beseelte Körper mit all seinen Potentialen weist den Weg durch unsere persönliche Geschichte hin zu unseren Bedürfnissen heute und hilft Entfaltung und Wandlung zu finden.

Susanne Kukies im Aquariana

Susanne Kukies

Somatische Körper- und Bewegungstherapeutin®, Heilpraktikerin, Physiotherapeutin

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Einzelarbeit: € 60,-/Stunde – 70,- nach Selbsteinschätzung
Abrechnung über Heilpraktikerrechnung ist u.U. möglich.

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