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Küssen gegen Müffelsocken

Mit ungewohnten Lösungen aus dem Beziehungstief

Christian Lisker

Eine dauerhafte, sichere, liebevolle und leidenschaftliche Verbindung mit dem Menschen, den ich liebe. Nicht ganz unwahrscheinlich, dass ich dieses Bedürfnis mit vielen Menschen teile, die unterwegs sind im Dschungel der Gefühle rund um die Liebe. Wenn nur die leidige Realität nicht wäre! Und in dieser gilt: so etwas wie eine perfekte Beziehung gibt es nicht. Stattdessen machen viele von uns öfter als uns lieb ist die Erfahrung, dass Beziehungen gründlich schief gehen können. Dass Liebe irgendwann auch mal schwierig wird, ist die Normalität – und nicht das märchenhafte "Der-Prinz-und-die-Prinzessin-leben-24-Stunden-am-Tag-glücklich-bis-an-ihr-Lebensende".

Kein Grund allerdings, den Kopf in den Sand zu stecken und als Eremit in die nächstbeste Wüste zu ziehen. Es kommt darauf an, wie wir mit diesem "Schwierig-Werden" der Liebe umgehen. Das "Wie" macht den Unterschied aus zwischen einer Beziehung, die von Leidenschaft, Wachstum, Tiefe und Freude geprägt ist, und einer solchen, in der eine Atmosphäre von Ärger, Schuld und Stagnation vorherrscht.

Die gute Nachricht: Es besteht berechtigte Hoffnung, dass wir die meisten schwierig geworden Beziehungen wieder in befriedigende und nährende verwandeln können. Wie? Zum Beispiel, indem wir ungeahnte eigene Fähigkeiten, glückliche und erfüllende Beziehungen selbst immer wieder neu zu erschaffen, besser kennen und effektiver zu nutzen lernen. Die Nuss, die es dafür zu knacken gilt, ist oftmals die, dass Menschen dazu neigen, dasselbe Verhalten immer und immer wieder zu wiederholen – selbst wenn es einen irgendwann unglücklich macht. Sigmund Freud hat das “Wiederholungszwang” genannt. So ist es auch mit dem Verhalten, dass wir gewohnheitsmäßig in konflikthaften Situationen an den Tag legen. Ein Beispiel aus der Paarberatung kommt vielleicht dem einen oder der anderen vage bekannt vor.


Sie: "Ich werde jedesmal wütend, wenn mein Mann die Küche wie ein Schlachtfeld hinterlässt! Und irgendwann schreie ich ihn dann an."
Berater: "Hilft schreien? Oder tut er es danach wieder?"
Sie: "Nein! Er tut es natürlich wieder! Je-des-Mal!"
Berater: "Und was machen Sie dann?"
Sie: "Ich schreie öfter und lauter!"
Berater: "Und? Funktioniert es?"
Sie: "Nein!"
Berater: "Was halten Sie davon, einmal probeweise mit den Dingen aufzuhören, die für Sie eigentlich gar nicht funktionieren – und etwas anderes auszuprobieren?"


Wie in diesem Beispiel, ist es leider ausgesprochen schwierig, eine einmal probierte Lösung aufzugeben, obwohl sie eigentlich nicht wirklich hilft. Im schlimmsten Falle werden solche Gewohnheiten zur zweiten Natur. Und dann sehen wir die gesamte Beziehungswelt um uns herum nur noch durch diese Brille. Das erweist sich auf die Dauer leider als ziemlich ungünstig für Veränderung, Lebendigkeit und Wachstum.
Was also ist zu tun? Wir müssen lernen, über den Tellerrand hinauszusehen. Die gewohnte Brille abzusetzen. Andere Perspektiven einzunehmen. Tun wir das, werden die Chancen deutlich steigen, dass neue Handlungsoptionen auftauchen, die erfolgversprechender sind als das, was man bisher immer wieder erfolglos versucht hat.

Schauen wir uns mal ein Paar an – nennen wir sie mal "Sandra" und "Verena". Sandra lässt überall ihre alten, müffelnden Socken liegen, wo immer sie diese auch auszieht. Verena wurde im Laufe der Zeit immer verärgerter über diese Angewohnheit ihrer Lebenspartnerin. Aber egal, wie sehr sie an ihr herumnörgelt: sie scheint sich einfach nicht daran erinnern zu können, ihre Socken nicht einfach da liegen zu lassen, wo sie sie fallen gelassen hat. Und so bleibt es, wie es immer war: Socken vom Sport auf dem Treppenabsatz. Alte T-Shirts vor dem gemeinsamen Bett. Unterwäsche von gestern neben der Dusche. Verena tobt: "Nimm deine verdammten Socken endlich vom Fußboden weg!! Warum kannst du sie nicht in die Wäsche stecken, bevor du ins Bett gehst?" Und jeden Tag antwortet Sandra: "Ja, ja, mach ich noch" oder "Sorry!" oder "Ist ja gut." Aber sie tut es nur, wenn Verena nörgelt. Nicht aus eigenem Antrieb. Und so bekommt die Interaktion etwas von einem auf die Dauer eher trostlosen  Ritual: Verena beschwert sich immer wieder neu. Sandra entschuldigt sich jedes Mal. Und schließlich tut Sandra, was ihr gesagt wurde. Das gravierendere Problem sind nunmehr allerdings nicht mehr die Socken, sondern besteht in der gegenseitigen Kommunikation. Durch die fühlt sich Sandra angegriffen und nicht wertgeschätzt, während Verena dauerhaft frustriert und ärgerlich ist und sich nicht respektiert wähnt. Mit der Zeit steigt die Frustration bei beiden weiter an.

Was wäre nun, wenn Verena Ihre Lösung verändern und etwas vollkommen anderes versuchen würde? Anstatt ihre Partnerin immer intensiver verbal anzugreifen könnte sie Sandra leidenschaftlich küssen, empfiehlt eine Kollegin von mir ... nämlich jedes Mal, wenn sie sieht, dass Sandra ihren Krempel wegräumt. Nach einer Weile würde Sandra feststellen, dass es eine überaus große Belohnung gibt für den dann doch eher geringen Aufwand, ihre Socken aufzuheben und sie in die Wäsche zu tun. Womöglich wird es schon bald für sie zur Gewohnheit geworden sein ...
Eine verspielte und inspirierende Lösung, die eine gewisse Unbeschwertheit atmet. Ich bin allerdings etwas skeptisch, ob derartige Lösungen immer im Bereich des Machbaren liegen, wenn man emotional bereits sehr angeschlagen ist.

In meiner Praxis arbeite ich deshalb u.a. mit einer achtsamkeitsbasieren Methode, die uns helfen kann, mit der Zeit unsere Beziehungen zu transformieren: der STOP-ÜBUNG. STOP steht für Stop - Take a breath - Observe - Proceed = Innehalten - Atmen - Beobachten – wieder in Aktion gehen. Verena könnte versuchen, in dem Moment des Socken-Entdeckens erstmal ihre Tätigkeiten zu  unterbrechen und sich mit der ganzen Aufmerksamkeit auf ihren Atem zu konzentrieren. Nach ein paar Atemzügen fängt sie an, das zu beobachten, was gerade in ihr lebendig ist: welche Gefühle in ihr aufsteigen, welche Gedanken und inneren Bilder da sind und welche Handlungsimpulse sie hat. Sie beobachtet einfach nur, ohne etwas verändern zu wollen und ohne ihre Gedanken und Gefühle zu bewerten. Sie aktiviert ihre “innere Beobachterin”. Auf diese Weise könnte es ihr mit etwas Übung gelingen, in einen gewissen Abstand zu dem zu kommen, was sie ansonsten wie automatisch an dieser Stelle tun würde: Sandra anzuklagen oder sogar zynisch und verletzend zu sein. Sie könnte sich nun klarer darüber werden, ob sie weiter das tun möchte, was bisher eh nicht das gewünschte Ziel bewirken konnte – nämlich, dass Sandra ihre Socken von selbst wegräumt -  oder ob sie lieber ihre Strategie wechseln möchte. Sie könnte eher einen entsprechenden Beschluss fallen und danach handeln. Und so beschließt sie vielleicht, Sandra für einen Kaffee zur Seite zu nehmen und ihr ruhig, aber offen, klar und direkt ihre verletzten Gefühlen und Bedürfnisse mitzuteilen. Ohne Sandra verbal anzugreifen, ohne destruktive Beschuldigungen in „Du-Form“ („Du bist immer so respektlos, du wirst dich nie ändern!“), ohne Zynismus. Sie kann sich anders ausdrücken: sie spricht von sich und ihren Gefühlen und Bedürfnissen in „Ich-Form“ (Vielleicht so: „Ich ärgere mich über die liegengelassenen Socken und es geht mir nicht gut damit. Ich bitte Dich, an dieser Stelle Verantwortung dafür zu übernehmen, dass wir uns beide hier wohl fühlen können.“) Sandra könnte so vielleicht eher annehmen, dass die Übernahme von Verantwortung für die gemeinsame Wohnatmosphäre an dieser Stelle für sie durchaus machbar wäre und dass es auch ihr etwas bringt, wenn sie zum Wohlbefinden ihrer Freundin beiträgt. Denn dass es zukünftig, wenn Sandra hier tatsächlich über ihren Schatten springt, ebenfalls zu leidenschaftlichen Küssen kommt, liegt durchaus im Bereich des Möglichen ...?

 

Christian  Lisker im Aquariana

Christian Lisker

Systemische Therapie, Paar- und Familiencoaching, familylab

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Ab Donnerstag, 26. Januar 2017 findet seine monatliche Vortragsreihe “Die sieben Geheimnisse glücklicher Beziehungen” im Aquariana statt (15 €).

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